Man blickt auf ein ungewöhnliches Geschäftsjahr zurück, das muss Rolf Kissling schon sagen, der Präsident des Regionalverbands Solothurn der Raiffeisenbanken. Der «Fall» des früheren CEO Pierin Vincenz und die Turbulenzen bei Raiffeisen Schweiz in dessen Nachgang sorgten für (Negativ-)Schlagzeilen noch und noch und gingen natürlich auch an den Genossenschaften des Solothurner Regionalverbands nicht spurlos vorbei.

Wobei: Einen nachhaltigen Schaden scheint man nicht erlitten zu haben. «Trotz Vincenz-Causa gut unterwegs» titelt der Regionalverband die Mitteilung zum Geschäftsabschluss 2018. Die 14 Raiffeisenbanken des Regionalverbands verloren 690 Mitglieder. Vereinzelt hätten Kunden ihre Geschäftsbeziehungen wegen der «Causa» Vincenz aufgelöst, räumt man ein. Die meisten Abgänge shaben aber einen profaneren Grund: Der Kunde ist gestorben. Und der Rückgang beträgt kaum mehr als ein halbes Prozent, mit aktuell 108'018 Mitgliedern ist Raiffeisen nach wie vor sehr stark in der Region verankert: Jeder dritte Einwohner im Geschäftskreis der 14 Mitgliedbanken, der über die Kantonsgrenzen hinaus geht, ist Raiffeisen-Mitglied.

Fast 9 Milliarden Kundengelder

Grundsätzlich zufrieden ist man auch mit den Geschäftszahlen. Eine Zunahme der Kundengelder um 195 Millionen oder 2,2 Prozent auf 8,88 Milliarden Franken zeugt von einem nach wie vor hohen Vertrauen in die Raiffeisen-Banken. Die Ausleihungen haben sich um 243 Millionen oder 2,7 Prozent auf 9,35 Milliarden Franken erhöht, auch das im hart umkämpften Hypothekarmarkt ein gutes Ergebnis. In Anbetracht einer weiter geschrumpften Zinsmarge könne man auch mit dem Erfolg im Zinsengeschäft zufrieden sein, heisst es beim Regionalverband: Er konnte mit 118 Millionen Franken auf dem Vorjahresniveau gehalten werden.
Allerdings mussten die Solothurner Raiffeisenbanken schon zum dritten Mal in Folge einen Gewinnrückgang hinnehmen: Das Jahresergebnis 2018 liegt mit 10,7 Millionen 5,1 Prozent unter dem des Vorjahrs. Dies bei einem um 1,1 Prozent auf 84 Millionen Franken reduzierten Geschäftsaufwand.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Gestiegen ist hingegen der Steueraufwand: um 6,1 Prozent. 11 Millionen Franken haben die Raiffeisenbanken dem Fiskus abgeliefert. Nicht ohne Stolz kann man damit darauf hinweisen, dass man zu den guten Steuerzahlern im Kanton gehört und ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor ist. Mit 475 Beschäftigten (davon 28 in Ausbildung) gehören die Raiffeisenbanken auch zu den grössten Arbeitgebern im Kanton; die meisten Beschäftigten wohnen auch hier, was weiteres Steuersubstrat bringt. Der Regionalverband Solothurn wurde 1907 als erster kantonaler Raiffeisen-Verband gegründet, seine heute 14 Mitgliedbanken mit 47 Geschäftsstellen haben sich zum grössten Finanzdienstleister im Kanton entwickelt und weisen eine Bilanzsumme von 10,8 Milliarden aus.