Exklusive Wahlumfrage

Die Solothurner FDP verliert, Grüne und Grünliberale legen zu

Diese Sessel sind begehrt: Laut Sotomo-Umfrage verliert die FDP, wohingegen die Grüne und die Grünliberale zulegen konnten.(Archivbild)

Diese Sessel sind begehrt: Laut Sotomo-Umfrage verliert die FDP, wohingegen die Grüne und die Grünliberale zulegen konnten.(Archivbild)

In der Sotomo-Wahlumfrage büssen die etablierten Parteien im Kanton ein, das Umwelt-Lager legt zu. Die Solothurner FDP nähert sich dem Schweizer Schnitt an.

Die Solothurner FDP wird bei den Nationalratswahlen am 20. Oktober Federn lassen – falls die Wahlumfrage zutrifft, die die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag dieser Zeitung durchgeführt hat. Der Verlust für die einst im Kanton dominierende Partei scheint deutlich: –3,3 Prozent.

Für Politgeograf Michael Hermann, der die Umfrage erstellt hat, zeichnet sich damit eine «Normalisierung der Solothurner Parteienlandschaft» ab. Die Solothurner FDP würde sich nämlich weg von der Volkspartei hin zum Schweizer FDP-Schnitt bewegen. – Wobei Parteipräsident Stefan Nünlist den Umfrageergebnissen nicht allzu viel Glauben schenken will. «Ein Verlust wäre sehr bedauerlich. Ich habe aber keine Indikatoren, dass dies eintrifft.» Er sei guter Dinge mit Blick auf den 20. Oktober, so Nünlist. Der Oltner macht darauf aufmerksam, dass die Solothurner Resultate im Widerspruch zu Umfragen stehen, die für die FDP schweizweit ein Plus sehen. Michael Hermann wiederum erklärt diesen Unterschied damit, dass die Solothurner Umfrage später durchgeführt wurde und dass die Solothurner FDP heute höhere Wähleranteile hat als andere FDP-Kantonalparteien.

Die SVP stagniert auf hohem Niveau

Interessant ist: Alle grossen Solothurner Parteien verlieren laut der Umfrage an Boden, abgesehen von der FDP jedoch in eher bescheidenem Mass. Sowohl SP (–0,3 auf 19,7 Prozent) als auch SVP (–0,6 auf 28,2 Prozent) und CVP (–0,6 auf 14,2 Prozent) werden weniger als ein Prozent Wählerverluste vorausgesagt.

SVP-Kantonalpräsident Christian Imark findet die Zahlen «nicht abwegig». Grundsätzlich ist er überzeugt, dass die SVP ihr Spitzenergebnis von 2015 (28,8 Prozent) halten kann, wobei eine kleine Abweichung nach oben oder unten nicht auszuschliessen sei. Dass die SVP im Kanton weniger verliert als schweizweit vorausgesagt, macht Michael Hermann einerseits daran fest, dass die Solothurner SVP tiefere Wähleranteile hat als andere SVP-Kantonalparteien. Hinzu kommt: Den Solothurner Wählern ist das Thema Zuwanderung wichtiger als Wählern in anderen Kantonen. Parteipräsident Imark sieht das Resultat zudem auch als Bestätigung der politischen Arbeit auf Kantonsebene. «Es ist uns in den letzten Monaten gelungen, Themen im Kanton zu setzen.»

Umwelt-Parteien sind die Gewinner

Dass der 20. Oktober zur Klimawahl wird, das zeigen auch die Umfrageergebnisse für den Kanton Solothurn: Denn die Gewinner werden die Grünen und die Grünliberalen sein. Beide können um knapp 3 Prozent zulegen. Die Grünen von 5,6 auf 8,4 Prozent und die Grünliberalen von 3,5 auf 6,9 Prozent. Profitieren kann von den Umweltthemen die GLP, die im Kanton über keine ausgeprägten Strukturen verfügt. Sie legt ebenfalls kräftig zu, von 3,5 auf 6,4 Prozent. Der Zuwachs erstaunt, weil die GLP im Kanton nur begrenzt über ausgebaute Parteistrukturen verfügt. Die GLP-Wähler seien sich weniger sicher, die Partei zu wählen, weshalb sie «zu Bekanntem» zurückkehren könnten, sagt Politgeograf Hermann.

Mit 8,4 Prozent erreichen die Grünen zwar ein gutes Resultat, sind aber noch nicht bei der Marke 10 Prozent, die sie 2007 erreichten. Und so dürfte es auch heuer nicht gelingen, der SP den zweiten Sitz abzujagen. So oder so gibt sich die SP optimistisch, dass sie – anders als in der Umfrage prognostiziert – zulegen kann. «Es ist eine Prognose. Und ich sehe die politische Wetterlage etwas anders», drückt SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth die Zuversicht aus, dass ihre Partei Wähleranteile gewinnt. Die SP habe im Sommer 3000 Gespräche an Türen geführt und werde bis zum Wahltermin insgesamt 7000 Telefonate geführt haben. Roth ist überzeugt, dass sich diese Schlussmobilisierung auswirkt. «Wer mobilisieren kann, hat Chancen, zuzulegen.»

Die Mitte bleibt insgesamt relativ stabil

Im Kriechgang befindet sich wie erwartet die BDP. Allerdings ist sie mit 2,6 Prozent Wähleranteil (–0,8) vorderhand nicht marginalisiert, kann aber auch nicht viel bewirken. Unter dem Strich legt das Mitte-Lager aus CVP, EVP, GLP und BDP leicht zu (+1,3%) – dank der GLP und der EVP (+0,1 Prozent). «Dass GLP und Grüne zulegen, darauf würde ich wetten», sagt denn auch CVP-Kantonalpräsidentin Sandra Kolly. Als Momentaufnahme, die nicht überbewertet werden sollte, sieht sie die Umfrage. Um ihren Wähleranteil zu halten, müsse die CVP nun «Vollgas geben».

Die Frage ist: Welche Folgen haben die Resultate für die Sitzverteilung? Und da scheinen sich keine Änderungen abzuzeichnen. CVP und FDP sind auch mit Verlusten noch stark genug, um ihren jeweils einzigen Sitz zu halten. Insgesamt zeigt sich damit: Trotz dem Plus oder Minus bei den Wählerprozenten wird sich an der Sitzverteilung (1 FDP, 1 CVP, 2 SP, 2 SVP) laut der Sotomo-Wahlprognose nichts ändern.

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