In den ersten sechs Monaten 2017 wurden aus dem Kanton Solothurn Waren im Wert von knapp 2,7 Milliarden Franken exportiert. Dies entspricht im Vergleich zur Vorjahresperiode einem Wachstum von 3,1 Prozent, wie Christian Hunziker, Ökonom und stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, auf Anfrage erklärt. Sein Datenmaterial basiert auf den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung. Die positive Entwicklung für den Kanton Solothurn hinkt allerdings immer noch der landesweiten Steigerung hintennach. Dort wurde vor wenigen Tagen ein Plus von 4,4 Prozent vermeldet.

Metallindustrie boomt

Von den drei wichtigsten Solothurner Exportindustrien schwang die Metallindustrie obenaus. Die Verkäufe ins Ausland nahmen um starke 12,3 Prozent zu. Auch die Ausfuhren der wichtigsten Warengruppe, «Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie», legten mit 3,7 Prozent merklich zu. Hier kann offenbar die im Solothurnischen stark vertretene Uhren- und Uhrenzulieferindustrie vom leichten Aufschwung der Uhrenindustrie profitieren. Landesweit haben die Uhrenexporte im ersten Halbjahr zwar nur 0,1 Prozent zugelegt. Trotzdem ist dies als sehr positiv zu betrachten, konnte die Branche damit ihren Abwärtstrend der letzten zwei Jahre zumindest stoppen. Sorgenkind der Solothurner Wirtschaft bleibt die Warengruppe «Maschinen, Apparate, Elektronik». Hier resultierte gegenüber der Vorjahresperiode erneut ein Rückgang, und zwar um 3,9 Prozent. Trotzdem sieht Hunziker eine Verbesserung: «Die jüngste Entwicklung zeigt wieder ein erfreulicheres Bild.» Denn in den Monaten Mai und Juni hätten die Ausfuhren um 6,5 respektive 6 Prozent zugelegt.

Die Aufschlüsselung nach geografischen Räumen zeigt, dass die Solothurner Produkte im ersten Halbjahr in allen Weltregionen gefragt waren. Die Exporte nach Nordamerika wuchsen um starke 10,1 Prozent, jene nach Asien um 6,1 Prozent. Einzig bei Exporten nach Europa, dem mit Abstand wichtigsten Markt für die Solothurner Exportfirmen, harzt es noch. Das Plus beträgt magere 0,3 Prozent. Das sollte sich im zweiten Halbjahr zum Positiven verändern. Hunziker sagte bereits vor Monatsfrist voraus, dass die Exporteure mittelfristig «von der starken Wirtschaftsentwicklung in Deutschland profitieren» würden.

Noch Aufholpotenzial

Die insgesamt erfreuliche Entwicklung zeigt auf den zweiten Blick, dass es bei den Verkäufen ins Ausland trotzdem noch viel Luft nach oben gibt. Während Schweizer Firmen in der ersten Jahreshälfte 2017 mit insgesamt fast 110 Milliarden Franken so viel Waren ins Ausland verkauft haben wie noch nie zuvor, bleibt Solothurn weit hinter den bisherigen Rekorden zurück. «Die Ausfuhren aus dem Kanton Solothurn liegen trotz Aufwärtstendenz immer noch deutlich unter den Werten vor Einsetzen der Finanz- und Wirtschaftskrise», meldet Hunziker. So seien im ersten Halbjahr 2008 Waren im Wert von 3,3 Milliarden Franken exportiert worden. Das seien 615 Millionen Franken oder rund 23 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2017 gewesen.