Konjunktur
Die Solothurner Exporteure sind gut ins neue Jahr gestartet

Erstmals seit vergangenem Mai sind die Solothurner Warenausfuhren zu Jahresbeginn gestiegen. Aber eine Entspannung sieht anders aus.

Franz Schaible
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Stehen die Ampeln für die Solothurner Exportindustrie auf Rot oder auf Grün? Erst in einigen Monaten wird sich ein verlässlicher Trend abzeichnen.

Stehen die Ampeln für die Solothurner Exportindustrie auf Rot oder auf Grün? Erst in einigen Monaten wird sich ein verlässlicher Trend abzeichnen.

Hanspeter Bärtschi

«Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.» So zurückhaltend kommentiert Christian Hunziker, Ökonom und stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, die jüngsten Zahlen über die Solothurner Exportindustrie. Dabei sehen diese auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Insbesondere in einer längerfristigen Betrachtung. Denn ab Mai 2016 ist das Exportvolumen – jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat – stetig gesunken. So sind die Warenausfuhren aus dem Kanton Solothurn im ganzen vergangenen Jahr um 0,9 Prozent gesunken, während die Exporte landesweit mit einem Plus von 3,8 Prozent einen neuen Rekordstand erreicht haben.

Maschinen und Uhren leiden

Im Januar 2017 kam die vorübergehende Wende: Die Solothurner Exporte stiegen um 6,7 Prozent an, im Februar sanken sie wieder leicht um 0,5 Prozent. In beiden Monaten konnten die Exporteure Waren für 859,3 Millionen Franken verkaufen. Das entsprach immerhin noch einem Plus von 2,9 Prozent. «Der gelungene Jahresauftakt ist eine erfreuliche Gegenbewegung zum schwachen Solothurner Exportjahr 2016», sagt Hunziker. Trotzdem mag er keine Entwarnung geben. Zu unterschiedlich haben sich die drei wichtigsten Exportindustrien und Exportmärkte entwickelt. Zwar nahmen die Ausfuhren in der Warengruppe «Metalle» um über 13 Prozent zu und auch die mit Abstand wichtigste Export-Warengruppe «Präzisionsinstrumente, Uhren, Bijouterie» konnte um 8,3 Prozent zulegen.

Dabei wird die auch 2017 anhaltende, schweizweite Krise in der auch im Kanton Solothurn stark vertretenen Uhrenbranche nicht direkt abgebildet. Das Plus erklärt Hunziker mit dem Umstand, dass in dieser Warengruppe eben auch Präzisionsinstrumente, insbesondere der Medtechindustrie, enthalten seien. Solothurner Zahlen allein für die Uhrenindustrie seien nicht erhältlich. Aber klar ist: Die hiesigen Uhrenfirmen und die Zulieferer können sich dem nationalen Trend nicht entziehen. 2016 gingen die Verkäufe um 10 Prozent zurück und der Jahresstart war geprägt von weiteren Rückgängen. Als «auffällig» und «schwierig begründbar» kommentiert Hunziker den anhaltenden Kriechgang in der zweitwichtigsten Branche, der Maschinenindustrie, mit einem Minus von über 8 Prozent.

Nordamerika legt markant zu

Auch die Aufschlüsselung nach geografischen Absatzmärkten zeigt keine einheitliche Entwicklung (sieh Grafik). Besonders ins Auge sticht hier die starke Zunahme der Ausfuhren nach Nordamerika mit fast 18 Prozent. Spielt da bereits der Trump-Effekt? Hunziker winkt ab. Für solche Aussagen sei es viel zu früh. Zudem sei offen, in welche Richtung die Solothurner Industrie von der angekündigten Politik betroffen sein könnte. Einerseits wolle Trump Milliarden in die Infrastruktur investieren, andererseits die eigene Wirtschaft mit protektionistischen Massnahmen schützen. «Die möglichen Effekte sind gegenläufig.» Die Ausfuhren nach Europa, dem mit Abstand wichtigsten Markt, sind leicht gestiegen. «Weiterhin zur Sorge Anlass gibt der asiatische Absatzmarkt», erklärt Hunziker weiter. Dort sind die Exporte in den beiden ersten Monaten 2017 erneut gesunken, und zwar um über 7 Prozent.

Das monatliche Auf und Ab dürfte angesichts der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten vorerst anhalten. Hunziker ist aber zuversichtlicher als auch schon: «Wir erwarten bis im Sommer insgesamt eine höhere Exportleistung als im Vorjahreszeitraum.»