«Der Schutz des Bodens ist der wichtigste Grundsatz der Landwirtschaft», redete Andreas Vögtli den Bäuerinnen und Bauern im Wallierhof ins Gewissen. Er empfahl ihnen deshalb, bei der eidgenössischen Abstimmung zum revidierten Raumplanungsgesetz der Ja-Parole des Solothurnischen Bauernverbands zu folgen. Vögtli nutzte an seiner ersten Delegiertenversammlung als Verbandspräsident die Gelegenheit, in seiner Begrüssungsansprache weitere politische Aussagen zu machen. So kritisierte er jüngst abgetretene Manager für ihre Masslosigkeit und sprach den Wunsch aus, dass die demnächst neu gewählten Solothurner Regierungsmitglieder «zu einem Team zusammenwachsen werden». Die fünf Bisherigen hätten diesbezüglich ein gutes Bild gegen aussen abgegeben.

Änderungswünsche beim Richtplan

Auch Bauernsekretär Peter Brügger nahm in seinem agrarpolitischen Ausblick zu den kantonalen Wahlen und zur Raumplanung Stellung. «Die Landwirtschaft ist eine stark politisch ausgerichtete Branche. Daher ist es nötig, dass die Bäuerinnen und Bauern die Politik mitgestalten - und zwar auf allen politischen Ebenen.» Brügger empfahl den Delegierten, am 3. März bäuerliche Vertreter in den Kantonsrat zu wählen (er selber kandidiert für die FDP). Brügger erwartet vom neuen (aber auch noch vom aktuellen) Parlament, dass es sich bei der Raumplanung für die Interessen der Landwirtschaft einsetzt. Eine erste Gelegenheit ergebe sich am Dienstag (also heute), wenn der Kantonsrat die Gesamtüberprüfung des kantonalen Richtplans zur Kenntnis nimmt. Der Richtplanentwurf müsse verbessert werden: «Die Landwirtschaft muss aktiv in die Ortsplanungen einbezogen werden», forderte Brügger. Ausserdem dürfe nicht die gesamte Landwirtschaftszone in einer Gemeinde als «Vorranggebiet Natur und Landschaft» geschützt werden. «Dadurch wird verunmöglicht, dass ein Bauernhof aus dem Dorfzentrum in dieses Gebiet umgesiedelt werden kann.» Schliesslich seien im neuen Richtplan die Auflagen für tiergerechte Legehennen- oder Geflügelmasthallen derart hoch, dass im Kanton gar nie ein solcher Betrieb eröffnet werden könnte.

«Hartnäckiger Bürokratie-Virus»

Auch gegen die Bürokratie zog Brügger ins Feld: «Die Agrarverwaltung des Bundes hat die Tendenz, bis in die hintersten Winkel der Ställe hineinzureden - vor allem in der Tierschutz- und Umweltschutzgesetzgebung.» Die Auflagen seien oft ohne Verlass: «Ein vor wenigen Jahren umgebauter Stall ist plötzlich wieder zu klein.» Der Solothurnische Bauernverband verlange bei jeder Gelegenheit einen Bürokratieabbau bei Bund und Kanton, erklärte Brügger weiter. «Der Bürokratie-Virus scheint aber eine hartnäckige Krankheit zu sein, wie die diesjährige Grippe. Doch wir sind mit unserer Kritik ebenso hartnäckig.» Wenig Hoffnung auf Besserung verbreitete Markus Ritter, der Präsident des Schweizerischen Bauernverbands, in seinem Referat zur Agrarpolitik 2014-2017: «Administration und Kontrollaufwand steigen für Kantone und Betriebe erheblich an.»

Pferdefleisch und Bioeier

Bauernsekretär Brügger kam schliesslich auf das Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung zu sprechen. Eine vor rund zwei Jahren schweizweit durchgeführte Umfrage zeige, dass die Branche ein deutlich besseres Image habe als noch vor 20 Jahren. «Dieses Ergebnis musste von der Landwirtschaft hart erarbeitet werden», erklärte Brügger. «Vor allem die Ausrichtung der Produktion auf ökologische Standards hat uns geholfen.» Allerdings: 60 Prozent der Befragten seien der Meinung, dass die Landwirtschaft unter Druck steht und diese damit eher schlecht umgeht. Die Bauern seien zu wenig innovativ. «Ich habe den Eindruck, dass wir sehr innovativ sind. Es gelingt uns aber nicht, dies zu kommunizieren», erklärte der Bauernsekretär. Auch sei von den Bauern «zu viel Gejammer» zu hören, lautet ein weiteres Umfrageergebnis. Brügger forderte die Delegierten deshalb auf: «Wir müssen unsere positiven Leistungen mehr unters Volk bringen.»
Die Umfrage habe zudem gezeigt, dass für 72 Prozent der Konsumenten die Herkunft der Lebensmittel zentral ist. Brügger erklärte mit Blick auf die aktuellen Pferdefleisch- und Bioeier-Skandale: «Sie verdeutlichen einmal mehr, wie wichtig eine gute und glaubwürdige Herkunftsdeklaration ist.»