«Insgesamt ausreichend». So bezeichnete die Solothurner Regierung im Sommer 2017 die Anzahl Hausärzte im Kanton. Damals befasste sie sich in den Antworten auf einen Vorstoss von SP-Kantonsrat Simon Bürki (Biberist) mit dem Thema. Bemerkbar mache sich der fortschreitende Hausärztemangel mancherorts aber doch. So schreibt die Regierung davon, dass es «in ländlichen Gebieten des Kantons Solothurn äusserst schwierig ist, für Einzelpraxen Nachfolger zu finden.» Oder dass die Notfallstationen der Solothurner Spitäler AG (soH) seit einigen Jahren eine «kontinuierliche Zunahme» an Patienten verzeichneten. «Dabei handelt es sich nicht nur um einfach zu behandelnde Fälle, sondern vermehrt auch um komplexe Fälle, häufig um betagte, mehrfach erkrankte Patientinnen und Patienten.»

Amteiärzte und Notfallpraxen

Weitere Massnahmen, um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken, seien nicht geplant, schrieb die Regierung damals und verwies auf laufende oder bereits durchgeführte Projekte: 2004 wurden im Kanton Amteiärzte eingeführt. Der Arzt einer Amtei führt etwa Inspektionen bei nicht natürlichen Todesfällen durch. Zuvor wurde dafür derjenige Arzt, der Pikettdienst hatte, aufgeboten – was zu Wartezeiten vor Ort und in der Hausarztpraxis führte.
2009 wurden zudem die Notfallpraxen am Bürgerspital Solothurn und in Olten in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um Praxen, die abends und am Wochenende durch Hausärzte mit Pikettdienst geführt werden, welche Notfälle auffangen und Ärzte sowie Spitalnotfall entlasten sollen.

Grundsätzlich heisst es zur Situation im Kanton, dass Hausärzte hier «nie dem Zulassungsstopp unterstellt worden sind» – das heisst, ausländische Ärzte können im Kanton eine Berufsausübungsbewilligung erhalten, auch ohne vorher drei Jahre an einem Schweizer Spital gearbeitet zu haben. Zudem gibt es im Kanton die Selbstdispensation – Hausärzte können Medikamente abgeben und auch damit Geld verdienen, was ein weiterer Vorteil im Kanton biete.

Weiter schrieb die Regierung, dass es den Gemeinden «frei steht, Anreize für die Niederlassung einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis in ihrem Einzugsgebiet zu schaffen.» So habe sich die Einwohnergemeinde Selzach 2015 mit 30'000 Franken an den Kosten einer Gemeinschaftspraxis beteiligt. Der Regierungsrat spricht vom eher abnehmenden Phänomen Einzelpraxen: «Es ist ein klarer Trend weg von Einzelpraxen hin zu Gruppenpraxen beziehungsweise Gesundheitszentren zu erkennen.»

«Auslaufmodell»

Dies beobachtet auch die soH: «Es scheint, dass die klassische Hausarztpraxis, von einem einzigen Hausarzt betrieben, ein Auslaufmodell ist», schreibt Mediensprecher Gian Trionfini auf Anfrage. Die soH ist ein öffentlich-rechtliches Unternehmen, dessen Alleinaktionär der Kanton ist. Laut Gesundheitsgesetz sind grossmehrheitlich Private für die ambulante Grundversorgung im Kanton zuständig – Kanton und Gemeinden können im Notfall aber aushelfen. Vor rund sieben Jahren gab es in Däniken einen solchen Notfall – die soH übernahm eine Praxis ohne Nachfolgelösung und machte eine Gruppenpraxis daraus.

Der Kanton und die soH führen gemeinsam auch ein Nachwuchsförderungsprojekt im Bereich der Hausarztmedizin. Jährlich absolvieren neun Assistenzärzte mit dem Ausbildungsziel Hausarzt eine sechsmonatige Praxisassistenz. Wobei der Kanton diese zu 80 Prozent finanziert. Von Seiten soH heisst es, man sei zufrieden, das Projekt werde weitergeführt. Bisher seien «erfreuliche» 50 Prozent der Absolventen nämlich als Hausärzte im Kanton geblieben. «Unbekannt ist die Anzahl neuer Hausärzte, welche aus diesem Programm ausserhalb des Kantons eine Hausarztpraxis betreiben», so Mediensprecher Gian Trionfini.

Auch hat die soH neu die Stelle Leiter Dienst Hausarztmedizin geschaffen – eine Art Mentor für angehende Hausärzte am Bürgerspital. Nur: Die Stelle konnte noch nicht besetzt werden. Auf die Frage, ob mit neuen Modellen oder Lösungsansätzen die Situation entschärft werden kann, heisst es: «Nein, die Situation wird sich weiter verschärfen. Der Kanton und die Gemeinden sind gefordert.»