Sie leuchten einem von weit entgegen, locken mit ihren Farben und ihrer Vielfalt: sogenannte Self-Pick-Blumenfelder laden zum Selberpflücken ein und erfreuen das Auge. Das Angebot hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Viele Betriebe setzen heute eher auf Hofläden mit hofeigenen Produkten oder haben sich im Bereich Gastronomie ein zweites Standbein aufgebaut. Was aber auch auffällt: Die Qualität der bestehenden Felder hat zugenommen.

Rita Steiner vom Solothurner Bildungszentrum Wallierhof – sie ist Ansprechperson im Bereich Direktvermarktung – bestätigt den Trendwechsel: «Ich mag mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Beratungsgespräch bezüglich Blumenverkauf hatte.» Dies liege wohl einerseits daran, dass man die Informationen nun aus dem Internet holen könne, andererseits sei vielen der Aufwand zu gross. «Wenn ein Blumenfeld frisch ist, dann sieht es wunderschön aus. Aber diese Felder sind pflegeintensiv. Und wer nicht die nötige Zeit und vor allem auch das Herzblut dazu aufbringt, bei dem sieht das Feld rasch ungepflegt aus.»

Ein Beispiel für viel Herzblut ist das Blumenfeld der Familie Ramseyer in Selzach: «Wir bieten Premium-Ware an und legen grossen Wert auf Ordnung und Sauberkeit auf den Feldern», erklärt Jasmin Ramseyer. Das heisst: Es muss viel gejätet werden und die Wege werden so gepflegt, dass die Schuhe auch bei nassen Bedingungen sauber bleiben. Zudem müssen die Felder in verschiedenen Sätzen bepflanzt werden, damit von April bis in den Herbst hinein Blumen gepflückt werden können. Die gelernte Floristin hat im Juli nach sieben Jahren ihr eigenes Blumengeschäft aufgegeben und kümmert sich nun mit viel Engagement zusammen mit ihrem Vater unter anderem um das Blumenfeld bei der «Fun-Range» im Selzacher Haag. Und auch wenn dieses Feld etwas abseits der Hauptstrassen liegt: «Wir können auf eine grosse Stammkundschaft zählen.»

So unterschiedlich wie das Angebot dieser Felder, ist auch die Art wie sie gehegt und gepflegt werden. Manche säen maschinell an und konzentrieren sich auf ein paar wenige Sorten, bei anderen sind die Beete dicht von Hand bepflanzt und die Vielfalt ist riesig. Der kühle und verregnete Sommer hat in diesem Jahr zusätzlich für Arbeit gesorgt. Das bestätigt auch Hans Wyss aus Attiswil, der ein Blumenfeld beim Wehribach führt: «Krankheiten machten den Pflanzen mehr zu schaffen als in anderen Jahren.» Doch die Freude hat ihm dies nicht genommen.

Wyss war früher Besamungstechniker. Im Sommer 1990 kam seine Frau aber eines Tages mit einem hübschen Blumenstrauss nach Hause. Sie erzählte ihm, dass sie diesen auf einem Feld gepflückt habe und meinte, dass man doch auch so ein Feld aufziehen könnte. Hans Wyss war zu Beginn skeptisch. Trotzdem startete er ein Jahr später mit Gladiolen und Sonnenblumen. «Nicht einmal Parkplätze hatten wir damals», erinnert er sich rückblickend. Unterdessen ist er pensioniert – und hat grosse Freude an seinem Blumenfeld. Darauf findet man je nach Jahreszeit Narzissen, Tulpen, Pfingstrosen, Gladiolen, Sonnenblumen, Dahlien, Lilien und vieles mehr. «Vor allem für die Pfingstrosen kommen manche Kunden von weit her und dies sogar mehrmals.»

Auch die Familie Ramseyer in Selzach hat klein angefangen. «Zuerst waren es nur Kürbisse, dann bauten wir mit der Zeit das Sortiment aus, reagierten auf Kundenwünsche und lernten auch, was funktioniert und was nicht», so Jasmin Ramseyer. Die Fachfrau konnte zwar auf ihr Know-how als Floristin zurückgreifen, war aber auch froh um die Anbaukenntnisse ihres Vaters Urs Ramseyer. Bald weitete die junge Frau ihr Angebot aus: «Wir schneiden auch selber Blumen und bieten diese als Schnittware an. Zudem fertige ich gerne auch Blumensträusse an.»

Sowohl auf dem Blumenfeld in Selzach als auch in Attiswil finden Kunden hilfreiche Zusatzinformation über die Haltbarkeit der Blumen oder Tipps, wie sie richtig geschnitten werden. Kunden werden vor Ort auch darauf aufmerksam gemacht, wenn Blumen gepflückt werden, die kurz vor dem Verblühen sind. «Wir lassen diese möglichst lange stehen, da blühende Pflanzen eine gute Signalwirkung haben», erklärt «Blumenbauer» Wyss.

Doch bei aller Freude haben diese Self-Pick-Felder auch ihre Tücken: Nicht immer sind die Kunden zuverlässig. Es kommt schon mal vor, dass mehr gepflückt als bezahlt wird. Aber der Attiswiler Hans Wyss relativiert diese Situation auf humorvolle Art: «Ich habe nur ehrliche Kunden – und die anderen können nachts nicht gut schlafen.»