Stellenabbau

Die Scintilla-Belegschaft erhält Unterstützung von 63 National- und Ständeräten

Die Angestellten-und Betriebskommission (ABK) der Scintilla und die Gewerkschaft Unia kämpft im Bundeshaus gegen die geplante Produktionsauslagerung und den damit verbundenen Stellenabbau in Zuchwil.

Die Emotionen sind spürbar. «Wir sind alle masslos enttäuscht und wir stehen noch unter Schock», berichtet Alain Beer im Zug von Solothurn nach Bern. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Angestellten- und Betriebskommission der Scintilla sowie Vertretern der Gewerkschaft Unia fuhr der Präsident der Betriebskommission gestern in die Bundeshauptstadt.

Genauer ins Bundeshaus. Dort wurde die Delegation von den Solothurner SP-Parlamentariern, Nationalrat Philipp Hadorn, Nationalrätin Bea Heim und Ständerat Roberto Zanetti empfangen. Alain Beer und seine Kollegen nutzten die Gelegenheit, den Politikern ihre Sicht der Dinge darzulegen. «Wir wollen für unsere schwierige Lage Aufmerksamkeit erreichen. Das kann uns nur helfen.» «Wir wollen den politischen Druck erhöhen», ergänzt Unia-Mann Ivano Marraffino.

Ziel: 5000 Unterschriften

Ein Mittel dazu ist die vor Wochenfrist lancierte Petition, in welcher die Abkehr von den Schliessungsplänen oder zumindest ein einjähriges Moratorium gefordert wird. Bislang hätten rund 2500 Personen unterschrieben, Ziel sei es, bis zum 13. Dezember mindestens 5000 Unterschriften beisammenzuhaben, sagte Marraffino. Gestern nun steuerte Philipp Hadorn weitere 63 Unterschriften von Politikerinnen und Politikern aus dem National- und Ständerat bei. Geplant ist, das ganze Paket am 16. Dezember direkt am Hauptsitz von Bosch in Stuttgart abzuliefern.

Der 48-jährige Beer arbeitet seit 24 Jahren bei Scintilla und ist Teamleiter in der Motorenfertigung. Er habe grosse Hoffnung, dass mit der Petition etwas erreicht werden könne. Es brauche mehr Zeit, um valable Alternativen zur Schliessung ausarbeiten zu können. Viele Ideen für Sparmöglichkeiten seitens der Mitarbeitenden seien bereits eingetroffen. «Wir brauchen nun offen präsentierte Zahlen und Fakten über das Werk und den Geschäftsgang.» Diese erhofft sich die Belegschaft am kommenden Montag, wenn Scintilla-Direktor Christof Ziegler im Rahmen des Konsultationsverfahrens die entsprechenden Daten liefern müsse.

Nach dem Lob kam der Hammer

Dass sich etwas Bedrohliches ankündige, sei angesichts der sinkenden Produktion und der zig Umstrukturierungen klar gewesen. «Von allen Mitarbeitenden wurde viel verlangt. Produktionsumstellungen wurden mitgetragen, Arbeitszeitverlängerungen hingenommen, um den Betrieb zu retten. Ihr Herz gehört Scintilla.» Und jetzt dieser Schlag. Dabei sei von Bosch zu Beginn der Mitarbeiterinformation das Werk in höchsten Tönen gelobt worden, ärgert sich Beat Uhlmann, Vizepräsident der Angestelltenkommission. Worte wie «höchste Qualität» oder «ein Super-Werk» seien gefallen. «Zuerst wurden wir gelobt, dann kam der Hammer.»

Beer wie Uhlmann kennen die Scintilla bestens. Sie sind überzeugt, dass auch in Zuchwil wirtschaftlich produziert werden könne. Dies sei jahrzehntelang bewiesen worden. Dazu brauche es aber den grundsätzlichen Willen von Bosch, den Standort zu erhalten. Für Beer ist in diesem Zusammenhang wichtig: «Wir kämpfen nicht gegen Bosch, sondern wir kämpfen für den Erhalt der Scintilla in Zuchwil.» Dazu brauche es die Unterstützung aller beteiligten Kreise.

Enttäuscht über Behörden

Gerade darob ist Uhlmann «sehr enttäuscht». «Wir haben von der Kantonsregierung und von der Gemeinde nichts gehört.» Die Belegschaft sei frustriert. Es gebe jetzt schon Fälle, wo Betroffene um jeden Preis einen neuen Job annehmen wollen. «Sie fühlen sich im Stich gelassen und deshalb ohne Perspektive.»

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