Pandemieverlauf

«Die Schwelle ist erreicht»: Der Kanton Solothurn plant eine Verschärfung der Massnahmen

Hinweis auf die Schutzmassnahmen im Stadthaus in Olten.

Hinweis auf die Schutzmassnahmen im Stadthaus in Olten.

Kantonsarzt Lukas Fenner äussert sich zur Coronasituation im Kanton Solothurn. Eine Verschärfung der Massnahmen wird folgen. Konkret informiert wird am Montag.

Die Zahl der Infektionen mit Covid-19 im Kanton steigt weiter: Am Freitag gab der Kanton 30 Neuinfektionen bekannt, insgesamt wurden bisher 1149 Personen positiv getestet. Auch die Zahl der Personen, die im Spital behandelt werden, ist in der vergangenen Woche gestiegen. Am Freitag meldete der Kanton 10 hospitalisierte Personen.

«Nach einer kurzen Zeit mit wenig Fällen im Sommer sind die Fallzahlen kontinuierlich angestiegen», fasst Kantonsarzt Lukas Fenner die Situation im Kanton zusammen. «Nun ist die kritische Schwelle erreicht, und die Lageentwicklung ist sehr dynamisch.»

Regierung diskutiert die Schutzmassnahmen

Überraschend sei der starke Anstieg der Zahlen nicht, so der Kantonsarzt. Durch den kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen habe das Virus vermehrt in der Bevölkerung kursiert. «Zusätzlich verlagert sich das Leben vermehrt in die Innenräume, was das Übertragungsrisiko erhöht. Dabei werden die Auswirkungen der Öffnung von Grossveranstaltungen erst jetzt langsam spürbar.»

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sollen im Kanton bald neue Schutzmassnahmen dazu kommen. «Aufgrund der dynamischen und kritischen Lage sind weitere Massnahmen nötig», so Fenner. Welche Massnahmen im Kanton getroffen werden, wird innerhalb des Regierungsrates diskutiert.

Am Montag soll die aktuelle Situation an der Regierungsratssitzung «eingehend thematisiert und das weitere Vorgehen besprochen werden», so die Staatskanzlei in einer Mitteilung. Am Montagnachmittag soll der Regierungsrat dann über die geplanten Massnahmen informieren.

Wenn möglich mit Nachbarkantonen abstimmen

Um welche neuen Regeln es konkret geht, wird deshalb noch nicht kommuniziert – wahrscheinlich sind laut dem Kantonsarzt Verschärfungen im Bereich der Veranstaltungen, eine Ausdehnung der Maskenpflicht sowie zusätzliche Auflagen für Clubs und Bars.

«Wenn immer möglich, werden die weiteren Massnahmen mit den Nachbarkantonen abgestimmt», so Fenner. Möglich ist also, dass im Kanton Solothurn bald die gleichen Regeln gelten wie im Kanton Bern: Dort muss bereits seit dieser Woche in öffentlich zugänglichen Innenräumen wie Bibliotheken, Museen oder Kinos eine Maske getragen werden. In Bars, Restaurants und Clubs gilt eine Sitzpflicht.

Dass in der Region bald auch private Anlässe gemeldet werden müssen, steht laut dem Kantonsarzt nicht zur Diskussion. Mit Blick darauf, dass sich viele Personen in der Familie anstecken, betont Fenner aber: «Bei private Anlässen und Veranstaltungen, insbesondere in Innenräumen, ist die Anzahl und Personendichte der eingeladenen Personen dringend zu beachten.»

Weiter kontrolliertes Besuchsrecht

Trotz der steigenden Fallzahlen ist für die Alters- und Pflegeheime sowie für die Spitäler vorerst kein strenges Besuchsverbot geplant. «In Alters- und Pflegeheimen gilt weiterhin das kontrollierte Besuchsrecht. Es finden regelmässig Austauschsitzungen mit dem Branchenverband statt, um die Lage zu diskutieren», so Fenner.

In den Spitälern erwarte man in den kommenden Tagen einen Anstieg der Personen, die wegen Covid-19 behandelt werden müssen: «Mit einer zeitlichen Verzögerung ist auch mit einem Anstieg der Hospitalisationen zu rechnen, insbesondere falls sich eine Verschiebung der Fallzahlen in den höheren Altersgruppen abzeichnet.»

Noch bewältigbar fürs Contact Tracing

Laut dem wöchentlichen Situationsbericht zur epidemiologischen Lage im Kanton Solothurn, den die Behörden jeweils am Mittwoch veröffentlichen, ist der Anteil der mit Covid-19 infizierten Personen über 64 Jahren noch relativ klein. Mit der steigenden Zahl der Neuinfektionen wird laut Experten aber auch der Anteil der älteren Personen, die positiv auf Covid-19 getestet werden, zunehmen.

Mit der steigenden Zahl der Neuinfektionen im Kanton ist auch die Belastung für das kantonale Contact-Tracing-Team gestiegen. «Die stark angestiegenen Fallzahlen sind derzeit gerade noch bewältigbar, aber weitere Massnahmen zur Entlastung des Contact-Tracing sind nötig», erklärt Fenner. Zum Kernteam gehören zehn Personen, verwaltungsintern besteht aber ein Reservepool, auf den das Team zurückgreifen kann. «Entscheidend für die Belastung des Contact-Tracing-Teams sind nicht nur die Fallzahlen, sondern auch die Komplexität der Fälle.»

Autor

Rebekka Balzarini

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