Schultheater
Die Schulbank wird auf Schloss Waldegg zur Theaterbühne

Während dieser Woche stellen Schulklassen aus dem ganzen Kanton Solothurn auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen ihr Schauspieltalent unter Beweis. Zum 19. Mal hebt sich der Vorhang unter der Ägide des Theaterpädagogen Werner Panzer

Beat Geier
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Schülertheater im Schloss Waldegg

Felix Gerber

«Sie sind Menschen gefangen im Netz der Angst», lässt sich eine Viertklässlerin in perfektem Hochdeutsch vernehmen. Sie verkörpert den Angstsuppenkoch mit einer berückenden Ambivalenz zwischen kindlicher Erscheinung und altweisem Vokabular.

Angstsuppenkoch? Sollte man sich einer kulturellen Wissenslücke ertappt haben? In diesem Fall ist sie verzeihlich: Das Stück aus der Feder eines Autorenkollektivs, der vierten Klasse von Manuela Glanzmann, erlebt soeben seine Erstaufführung. Sämtliche Sprechparts und die Handlung des Stücks seien sukzessive im Klassenverband zusammengestellt worden.

Zum 19. Mai unter der Leitung von Werner Panzer

Der Theaterpädagoge und Leiter der Theaterwoche Werner Panzer leitet heuer die öffentliche Aufführung im Hof des Schloss Waldegg zum 19. Mal. Die Vorschriften, die zu beachten sind, halten sich in engen Grenzen: «Es gibt nur eine Regel: Auf der Bühne soll man sich nicht besser unterhalten als im Publikum.»

Eine sukzessive Stabsübergabe

Die vergangenen zwei Jahre hat sich auch Martina Mercatali, an der Leitung der Schultheaterwoche beteiligt. Die diplomierte Heilpädagogin befindet sich zur Zeit am Masterabschluss ihres Studiums in Theaterpädagogik am TILL Zürich. Mittelfristig gedenkt Panzer die Leitung an Mercatali abzutreten, vorerst befinden sich die Aufführungen unter der Ägide des Zweiergespanns.

Ungeahnte Talente entfesseln sich

Am meisten beeindruckt die beiden Lehrerinnen Manuela Benigni vom Schulhaus Brühl und Manuela Glanzmann vom Fegetz, welch ungeahnte Begabungen in einigen ihrer Schüler und Schülerinnen schlummern. Benigni hat heuer ihre sechste Klasse bei den Schultheaterwochen zum ersten Mal eingeschrieben.

Zusammen entwarfen die Schüler ihre Texte und probten die Stücke, mit einem Resultat, das sich sehen lassen kann. Mädchen und Jungen, die im regulären Schulbetrieb kaum wahrgenommen werden, legen ein beeindruckendes Talent an den Tag, wenn es um die gelungene Interpretation einer Theaterrolle geht.

In dieser Überraschung sieht Werner Panzer seine Mission ebenso bestätigt wie von Erfolg gekrönt: «Lernen erfordert nicht nur kognitive Stärke.» die Kinder damit umzugehen, dass sich nicht alles in richtig und falsch einteilen lasse.