Ist dieser Bau erst einmal abgeschlossen, wird man davon nicht mehr viel sehen. Denn einerseits wird er wieder unter dem Stadtpark begraben sein, andererseits ist er ohnehin nicht öffentlich zugänglich. Und doch fanden über 70 Prozent der Urnengänger vor anderthalb Jahren, dass es ihn braucht: den Schutzraum für die Kulturgüter des Kunstmuseums, also für die Bilder und Skulpturen in seinem Fundus, der unter anderem Werke von Hodler, Buchser, Amiet, Frölicher, aber auch Picasso, Klimt oder van Gogh enthält. Umso mehr schien ein Neubau angezeigt, einer, der klimatisch und sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand ist und eine geräumige Ablösung für den bisherigen übervollen 34-jährigen nordostseitigen Schutzraum darstellt. Das Kostendach, welches das Stimmvolk abzüglich von vorgängig bewilligten Beträgen durchwinkte: 6,2 Mio. Franken, davon 3,5 Mio. vorfinanziert und rund 700 000 Franken durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz beigesteuert.

Auf einer Begehung gewährte der technische Leiter des Kunstmuseums, Til Frentzel, einen Blick in die bisherige «Schatzkammer». Spätestens bei diesem Anblick werden die Relationen deutlich: Die neue Betonhülle wird einen «Ali-Baba-Schatz» behüten, der die Investitionssumme von total 6,7 Mio. Franken um ein x-Faches übersteigt. Im Rahmen des Grossprojekts werden auch im Kunstmuseum selbst Anpassungen vorgenommen. Das Gebäude erhält einen neuen Lift, der bis in den neuen Schutzraum reicht, Elektroinstallationen werden ersetzt, die Toiletten neu platziert und um ein behindertengerechtes WC und ein Personal-WC ergänzt. Ebenso wurde bereits das Fluchttreppenhaus für den Brandfall realisiert.

Sicherheit geht immer vor

Am 6. März geht eine zweimonatige Betriebsschliessung zu Ende, die wegen der Überschneidung der Bauarbeiten und des Betriebs nötig wurde. «Die Trennung zwischen Baubereich und Museumsbetrieb war während dieser Zeit nicht möglich», sagt Frentzel. Lärm und gerade auch feiner Baustaub machten es nötig, die Bilder in geschützten Bereichen zu lagern. Zurzeit werden die Bilder für die Wiedereröffnung am 7. März wieder aufgehängt. Bis dahin wird auch der nordseitig angesiedelte Bau- vom Museumsbetrieb abgekoppelt. «Dass der grösste Teil der Arbeiten bei geöffnetem Betrieb des Museums erfolgen, stellt sicher eine zusätzliche Herausforderung dar», bestätigt Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts. Gerade während der Bauzeit ist zudem das ganze Sicherheitssystem auf erhöhter Alarmbereitschaft. Strikte Ein- und Ausgangskontrollen schaffen zusätzliche Sicherheit für die Kunstgüter.

Noch bis Ende Jahr wird die für den 55 Meter langen und 13 breiten nordseitigen Schutzraum nötige Baugrube zu sehen sein – diese wird bis acht Meter unter dem Strassenniveau ausgehoben. Mit knapp 750 Quadratmetern Grundfläche ist der neue Bau mehr als doppelt so gross wie der alte. Der Zugang zum neuen Kulturgüterschutzraum erfolgt über die Weiterführung der Treppe und des Lifts, zudem über den alten Schutzraum, der zum Materiallager umfunktioniert werden soll. Der neue Raum wird sich in drei separate Bereiche für Skulpturen, Bilder und für Grafiken gliedern und klima- wie sicherheitstechnisch auf dem neusten Stand sein. Ausfahrbare Bilderrechen ermöglichen eine schonungsvolle Lagerung und eine praktische Sichtung der kostbaren Kunstwerke. Im Evakuationsfall finden dort auch noch sämtliche ausgestellten Werke Platz.

Zudem wird ein 24-Stunden-Raum eingerichtet, wo die angelieferten Kulturgüter an die neuen Bedingungen akklimatisiert werden und zudem in Augenschein genommen werden können. Eine der grossen baulichen Herausforderungen liegt in der Verbindung der beiden Gebäude. Da der Schutzraum teilweise unter das Kunstmuseum ragt, wird die Nordseite des Museums untergraben, also quasi «ausgehöhlt». Sukzessive wird dazu die Mauer unterhalb des Bodenniveaus ausgebrochen und neu betoniert – schrittweise, um die Statik zu bewahren.

Zeit und Geld im Rahmen

Das Stadtbauamt geht nach aktuellem Wissensstand davon aus, dass der Gesamtkredit für den Schutzraum ebenso eingehalten werden kann wie der Zeitrahmen. Allerdings wird nach der Fertigstellung auch der Beton trocknen müssen, bevor der Umzug der Kunstwerke stattfindet.

Neue Ausstellung ab 7. März: Turo Pedretti (1896–1964). Eine Retrospektive. Vernissage: 7. März, 17 Uhr.