Für einmal ist das Zirkuszelt auf dem Solothurner Dornacherplatz nicht Schauplatz eindrücklicher Tierdressuren oder spektakulärer Artistennummern. Manege frei heisst es jetzt vielmehr für die sagenumwobene Welt der alten Ägypter und ihre grossen Kunstwerke. «Tutanchamun, Nofretete. Auf den Spuren der ersten Zivilisation», heisst die Ausstellung, die schweizweit erstmals in Solothurn zu sehen ist. Monumentale, acht Meter hohe Säulen - eine Rekonstruktion des Eingangs zum «Tal der Könige» - empfangen die Besucherinnen und Besucher gleich nach dem Betreten des Zelts.

Replikate werden gezeigt

Auf einer Fläche von insgesamt 900 Quadratmetern lassen sich dann, in mystisches Licht getaucht, Götter in Tiergestalt, Sphingsen, Sarkophage und Pharao-Statuen samt kostbarer Grabbeigaben bewundern. Höhepunkte der Ausstellung bilden die Totenmaske von Tutanchamun sowie der berühmte Kopf der Nofretete - nicht im Original, versteht sich. Bei sämtlichen Artefakten handelt es sich um Replikate.

Start der Schweizer Tournee

Nach erfolgreichen Ausstellungen in Zentren wie Basel, Zürich, Hamburg oder derzeit Frankfurt soll die Begeisterung für die ägyptische Hochkultur jetzt offenbar auch die Regionen erfassen. Realisiert hat die Ägyptenshow in Solothurn - Startpunkt einer schweizweiten Tournee - allerdings nicht etwa eine etablierte Kulturinstitution, sondern ein engagierter Laie. Er heisst Jan Bügler, ist erklärter Ägyptenfan und Inhaber des Familienunternehmens «Showtents», das von Münchenstein (BL) aus europaweit Zelte für Grossanlässe vermietet.

Ägyptischer Künstler arbeitet mit

Vor vier Jahren hatte er in Zürich die Ausstellung «Tutanchamun - sein Grab und die Schätze» besucht. Dort lernte er den ägyptischen Künstler Mostafa El Ezapy kennen, der gemeinsam mit seinem Team einen grossen Teil der Replikate für die Zürcher Ausstellung produzierte hat, die derzeit in Frankfurt zu sehen sind. Bügler: «Wir kamen schnell überein, gemeinsam eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, die beweglich ist und so auch Menschen ausserhalb der grossen Zentren gezeigt werden kann.»

Gewinn für Stiftung

Es folgten mehrere Besuche von Jan Bügler bei Mostafa El Ezapy in Ägypten, wo dieser als Professor an der Universität der bildenden Künste in El Minya lehrt. Zusammengefunden haben die beiden unter anderem dank ihrer «sozialen Ader». So soll ein Teil des, allfälligen, Gewinns der Stiftung Wunderlampe zugute kommen, die sich für schwerkranke oder behinderte Kindern und Jugendliche in der Schweiz einsetzt. Ein Engagement im Übrigen, das die Präsidentin der Stiftung gestern gegenüber dieser Zeitung bestätigt hat. Zusätzlich soll über die Vermittlung von Mostafa El Ezapy ein ähnliches Kinderhilfswerk in Ägypten unterstützt werden.

Noch bis 22. April

Eröffnet wurde die Ausstellung in Solothurn am Ostersamstag und wird hier noch bis zum 22. April gastieren, bevor sie nach Morges und danach nach Nyon weiterzieht. Warum aber startete die Ägyptenshow ausgerechnet in Solothurn? Jan Bügler: «Solothurn ist schweizweit bekannt für seine Affinität zu Kunst und Kultur und zudem kamen uns die Behörden hier mit ihrem unbürokratischen Vorgehen sehr entgegen.»

Gemäss den Angaben der Veranstalter habe die Ausstellung, die sich insbesondere an Familien richtet, bereits gegen 800 Personen gesehen. Bestechend ist die Schau vor allem durch die originalgetreuen Replikate. Gegeizt wurde dabei auch nicht mit Gold. So sind einige der Statuen, auch die Totenmaske des Tutanchamun, wenn schon nicht aus massivem Gold, so doch mit Gold überzogen - und entsprechend wertvoll.