Weihnachtsgeschäft

Die Saucen- und Suppenmacher die niemand kennt

Ueli Schwaller, Chef der Gautschi Spezialitäten AG, erklärt die Abläufe in den fast klinisch sauberen Produktionsräumen.

Ueli Schwaller, Chef der Gautschi Spezialitäten AG, erklärt die Abläufe in den fast klinisch sauberen Produktionsräumen.

Fast alle geniessen ihre Produkte, aber fast niemand kennt die Gautschi Spezialitäten AG in Utzenstorf. Kurz vor Weihnachten sind ihre Produkte gefragter denn je.

Die Festtage stehen vor der Tür – das Fondue chinoise als Festmahl wird seinen saisonalen Höhepunkt erleben. Das dünn geschnittene Fleisch brutzelt in der heissen Bouillon im Caquelon und wird anschliessend mit zig Variationen von Saucen auf den richtigen Geschmack gebracht. Spätestens jetzt ist die Chance gross, dass Sie mit einem Produkt der Gautschi Spezialitäten AG in Utzenstorf in Kontakt kommen.

Gautschi ist nämlich einer der grösseren Dipsaucenhersteller der Schweiz. «Wir beliefern den Schweizer Markt jährlich mit 1,5 Millionen Dip-Portionen in Gläschen, Töpfchen oder in Schalen», sagt Geschäftsführer Ueli Schwaller. Allein die Hälfte davon über Weihnachten. Gegen 30 verschiedene Dips stelle man her, von Curry, über Cocktail bis hin zu Knoblauch oder Oriental Apricot.

Hauptkunde ist Coop

Und trotzdem. Den Namen Gautschi kennen praktisch nur Insider. «Wir sind ein Private-Label-Hersteller und treten am Markt fast nicht mit unserem Namen auf», löst Schwaller das Rätsel. Die grosse Marktabdeckung gründet in der Kundenliste. So stehen die Dips in den Regalen von Coop unter den Linien Fine Food, Betty Bossi und Qualité Prix. Der Grossverteiler sei Hauptkunde der Gautschi AG, die seit 2013 zur Lebensmittelgruppe Haco in Gümligen gehört.

Zwar ist die Dip-Produktion derzeit saisonbedingt sehr hoch. Aber die Firma ist viel breiter abgestützt. Die Palette reicht von Salatdressings, Suppen, Ketchup, Brotaufstrichen, Sandwichmassen, Kräuterbutter, Mayonnaise bis hin zu Pastasaucen. Das Produktsortiment umfasst über 350 Rezepte. Jährlich produziert man 4000 Tonnen Suppen und Saucen, die in 23 Millionen verschiedenen Gebinden die Fabrik verlassen.

Auch insgesamt ist Coop der wichtigste Kunde. Auf der Liste figurieren zudem Migros, Globus, Manor oder Denner. Hinzu kommen weitere Grossverbraucher wie Abholmärkte C & C, Prodega, das Gastgewerbe wie etwa McDonald’s und Hotels sowie Industriekunden. Zudem sind der Fachhandel wie Metzgereien und der Biofachhandel Kunden.

Sonnenblumenöl und Rapsöl

Hygiene wird im Nahrungsmittelbetrieb grossgeschrieben: Händewaschen, Haube, Schürzen und Schuhschutz sind für das Betreten des Betriebes Pflicht. Auf dem Rundgang durch die klinisch anmutenden Produktionsräume erklärt Ueli Schwaller, der seit 2008 im Betrieb ist und seit 2010 als Geschäftsführer arbeitet, den Produktionsablauf.

Vor dem Rohwarenlager stehen mehrere 10 000-Liter-Tanks mit Sonnenblumenöl und Rapsöl, im Inneren lagern Tomatenpüree, Senf, Eigelb, Zucker, Joghurt und Gemüse für die Weiterverarbeitung. Das Öl wird über ein Rohrleitungssystem direkt in die vollautomatischen Homogenisierungsanlagen geleitet, die weiteren Produkte werden zugeführt. «Die Anlage arbeitet im Prinzip wie ein Mixer im Haushalt», so Schwaller.

Die so verarbeitete Masse – Saucen wie Béarnaise, Cocktail, Cumberland, Chili oder Tatar sowie die Suppen und Dressings – gelangen in die Abfüllerei. Auch hier ist die Automation weit fortgeschritten. Die Maschinen füllen die Masse in verschiedenste Gebinde wie Flaschen, Töpfe, in Tuben in exakter Menge ab. Die jährlich verarbeiteten Mengen der Hauptrohstoffe sind enorm. 500 Tonnen Rapsöl, 400 Tonnen Sonnenblumenöl und 250 Tonnen biologisches Sonnenblumenöl.

25 Prozent mit Bioprodukten

Bleibt die Frage, wie sich ein mittelständisches Unternehmen auf dem Markt behaupten kann. Denn die Gautschi AG muss sich mit globalen Playern messen wie etwa mit dem niederländischen Multi Unilever mit der Marke «Knorr» oder Nestlé mit der Marke «Thomy» oder dem Ketchup-Giganten Heinz. Die da vergleichsweise kleine Gautschi AG könne gerade deshalb auch Stärken ausspielen. «Wir sind sehr flexibel und können auch Klein- und Kleinstmengen fertigen.» Ein Kundensegment, welches die «Grossen» gar nicht abdecken könnten oder wollten. Ferner habe sich das Unternehmen frühzeitig auf die veränderten Konsumgewohnheiten ausgerichtet. «Heute entfällt ein Viertel des Umsatzes auf Bioprodukte. Da waren wir Pioniere.» Ins gleiche Kapitel gehe eine Partnerschaft mit der Landi Landshut in Bätterkinden. «Wir beziehen jährlich 20 Tonnen Rapsöl und setzen es ein für die Produktion von Salatsaucen.» Diese werden unter dem Label «Aus der Region» über die Migros Aare vertrieben.

Mit der Ausrichtung auf Spezialitäten fährt der Betrieb offenbar gut. In den letzten Jahren seien Umsatz wie Ertrag kontinuierlich gestiegen. Man bewege sich in einem wachsenden Markt. «Der Bereich Convenience Food, also die rasche Verpflegung ausser Haus, nimmt an Bedeutung zu.» Gautschi habe sich positiv entwickelt, der Personalbestand sei innert dreier Jahre von 50 auf 65 Vollzeitstellen gewachsen. Auch seien Millionen in den Ausbau der Produktion und die Verdoppelung der Nutzfläche investiert worden.

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Autor

Franz Schaible

Franz Schaible

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