Zuchwil

Die Region Solothurn soll zur Talentschmiede des Frauen-Fussballs werden

Orientierung im Raum: Unter Leitung von Trainer Urs Bachmann werfen die Kickerinnen einander den Ball zu.

Orientierung im Raum: Unter Leitung von Trainer Urs Bachmann werfen die Kickerinnen einander den Ball zu.

Trainer Urs Bachmann bittet seit Sommer zweimal wöchentlich zum Morgentraining nach Zuchwil. Das Projekt hat zum Ziel, talentierte Nachwuchsspielerinnen zu fördern und für eine Karriere als Spitzensportlerin vorzubereiten.

Im Wäldli beim Freibad Zuchwil rufen die Krähen. Der Leuchtmast beim Fussballplatz weist den Weg. Das helle Licht soll Nacht und Nebel verdrängen. Trainer Urs Bachmann empfängt an diesem Morgen auf dem Rasen elf Fussballerinnen, die von der «Förderung Frauen Fussball» profitieren. Die Temperatur ist an diesem Herbstmorgen unerwartet angenehm. Die jungen Frauen kommen einzeln aus der Garderobe, gesellen sich zu den anderen, schnappen sich einen Fussball und sofort spielen sie einander den Ball zu. Nichts von Verschlafenheit oder Unlust ist zu spüren, im Gegenteil.

Urs Bachmann ist nicht allein. Er hat an diesem Morgen Unterstützung von drei weiteren Trainern, die später spezifische Übungen mit den Girls machen werden. Training am Morgen, dienstags und donnerstags, war Bedingung der Kantonsschule. «Sportklassen müssen das Zeitfenster am Morgen nutzen. Um 10.25 Uhr beginnt der Unterricht», erklärt Bachmann.

Sieben Mädchen besuchen an der Kantonsschule die Sportklasse. Ein Mädchen gehört zur Talentförderklasse der Sek I. Zusätzlich profitieren drei bis vier Spielerinnen der Nationalligafrauschaft des SC Derendingen, wo Bachman auch Trainer ist, vom zusätzlichen Übungsangebot. Die Frauen und Mädchen kommen aus Selzach, Luterbach, Balsthal, aus dem ganzen Kanton und trainieren nochmals bis zu vier Mal wöchentlich am Abend. «Das merkt man schon», sagt der Trainer. Die technischen und spielerischen Fortschritte der Mädchen seien eklatant.

Karriere als Spitzensportlerin

Urs Bachmann hat mit der «Förderung Frauen Fussball» etwas Besonderes auf die Beine gestellt. Das Projekt ist natürlich untrennbar verbunden mit dem SC Derendingen. Die meisten der jungen Spielerinnen, die beim Sportzentrum von der Förderung profitieren, spielen auch beim SC Derendingen. Das Projekt hat zum Ziel, talentierte Nachwuchsspielerinnen zu fördern und für eine Karriere als Spitzensportlerin vorzubereiten. Das schriftlich fixierte weitere Ziel ist ambitiös. So will Bachmann im Kanton sowie über die Kantonsgrenze hinaus innerhalb der nächsten drei Jahre das Image der «Talentschmiede» für Frauen-Spitzenfussball erreichen.

Trainiert wird auf dem Fussballplatz beim Sportzentrum, noch bis 7. November. Ab 14. November kann Bachmann auf den Kunstrasenplatz beim Stadion Solothurn ausweichen. Und sollte mal meterhoch Schnee liegen, ist ein Platz in der Sporthalle des Sportzentrums reserviert. Nach der Aufwärmrunde folgt nochmals eine Runde Übungen mit dem Ball, aber noch nicht am Fuss. Gefördert wird dabei der Orientierungssinn. «Wer kognitiv besser ist, kann auch die Situation auf dem Fussballplatz viel besser erfassen.» Danach folgen die ersten Passübungen oder Passstafetten, die, wenn sie in Fleisch und Blut übergegangen sind, jeden Gegner alt aussehen lassen sollen.

Offen für weibliche Talente

Nach den Sommerferien wurde das Projekt gestartet. Die Arbeit begann aber schon vor einem halben Jahr. Bachmann: «Es braucht eben die Infrastruktur und einen Trainerstab. Und das Ganze muss finanziert sein.» Einer der Geldgeber ist der Kanton mit dem Lotterie- und Sportfonds. 15'000 Franken jährlich ist dem Kanton der Aufbau eines regionalen Leistungszentrums für Frauenfussball wert. Dieser Beitrag ist für die nächsten fünf Jahre zugesichert. Das jährliche Budget beträgt 70'000 Franken. Urs Bachmann hofft auf weitere Sponsoren und führt Gespräche mit Banken und Versicherungen. Aber spruchreif sei noch nichts.

Er ist überzeugt, dass die Spielerinnen von dieser Förderung profitieren. «Mit den Morgentrainings kommen sie auf bis zu sechs Trainings pro Woche. Das merkt man sofort, im Spiel und in Sachen Technik. Und sie machen körperlich Fortschritte.» Weitere Talente seien willkommen. «Wir werden das Konzept den Klubs in der Region vorstellen. Talente können ein-, zweimal mittrainieren, damit wir eine Beurteilung machen können.» Er will das Projekt offen halten für Spielerinnen aus dem ganzen Kanton, nicht nur für die Kickerinnen des SC Derendingens.

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