Es ist grosses Theater, das 2018 in Olten gespielt werden soll. 2000 Beteiligte sollen dann in Olten einen Monat lang auf oder neben der Bühne stehen und in einem Volkstheater an den Landesstreik von 1918 erinnern.

Grosses Engagement zeigt die Solothurner Regierung: Esther Gassler engagiert sich als Präsidentin des Trägervereins und FDP-Kollege Remo Ankli sammelt bei Bund, Kantonen und Stiftungen Geld.

Es kostet auch einen grossen Batzen, was da geplant ist. 2,6 Mio. Franken teuer ist das Projekt, von dem bisher aber einzig die 0,5 Mio. Franken gesichert sind, die die Solothurner Regierung aus dem Lotteriefonds einschiesst.

Und das löste am Mittwoch im Kantonsrat eine grosse Debatte aus. Offene Fragen bestanden vor allem dazu, wie das Projekt entstanden ist und weshalb die Zürcherin Liliana Heimberg – eine ausgewiesene Fachfrau im Theaterbereich – Regie führt. Es gebe gewiss auch Solothurner Kulturschaffende, die dies tun könnten, sagte GLP-Mann Rudolf Hafner (Dornach). Für ihn sind «die Motive für dieses Engagement schleierhaft.»

Wenn der Kanton schon so viel Geld ausgebe, hätte sich Hafner zumindest eine Ausschreibung gewünscht. Dies fand auch die SP-Fraktion: «Eine öffentliche Ausschreibung für Regie und Projektorganisation wäre angemessen gewesen», sagte SP-Sprecherin Angela Kummer (Grenchen), für die das Projekt einmal mehr aufzeigte, dass die Vergabe von Lotteriefondsgeldern wenig transparent ist.

Antrag oder Auftrag?

Doch wer hat überhaupt entschieden, wer Regie führen darf? Regierungsrat Remo Ankli stellte klar: Eine Ausschreibung sei nicht notwendig gewesen. «Das Projekt wurde von aussen an uns herangetragnen. So wie dies bei allen Lotteriefondsprojekten der Fall ist», so der Kulturdirektor. Der Regierungsrat habe dann das Gesuch seriös geprüft.

Weniger absolut hatte dies allerdings in der offiziellen Medienmitteilung der Solothurner Staatskanzlei vom Oktober 2015 getönt: Dort hiess es, der Regierungsrat habe «die Durchführung des Projektes beschlossen». Mit der künstlerischen Leitung sei Liliana Heimberg «beauftragt» worden.

Zumindest ist kaum von der Hand zu weisen, dass der Regierungsrat das Projekt so eng begleitet wie sonst kaum ein Gesuch, das beim Lotteriefonds eingegeben wird: Die Projektleitung der Kantonsgeschichte hat die Idee offenbar fachlich begleitet, Esther Gassler engagiert sich im Trägerverein und Remo Ankli weibelt um Beiträge bei Bund und Kantonen.

Offenbar bestand ein Kontakt zwischen Regierungsrätin Esther Gassler und Regisseurin Liliana Heimberg, nachdem Gassler als Frau Landammann 2013 zum Festspiel zur 500-jährigen Zugehörigkeit der beiden Appenzell zum Bund eingeladen war. Heimberg hatte dieses gestaltet, Gassler war beeindruckt, wie sie im Oktober in dieser Zeitung sagte. Heimberg war am Mittwoch nicht erreichbar.

Wer spricht sonst noch Beiträge?

«Wir stehen der Grösse und der Art des Anlasses sehr kritisch gegenüber», sagte SVP-Sprecherin Claudia Fluri (Mümliswil). Einmal mehr richte der Kanton «im Kulturbereich mit der grossen Kelle» an. Eine «Gedenkfeier mit Ausstellung» würde dem – historisch zweifellos bedeutsamen – Ereignis ebenso gerecht.

Zu reden gab der Umstand, dass beim Gesamtbudget von 2,6 Mio. Franken neben der halben Million aus Solothurn noch 2,1 Mio. Franken fehlen. Zu verhindern sei, so mahnten Rudolf Hafner wie auch die SVP-Fraktion, dass sich der Kanton gezwungen sehen könne, nochmals Geld nachzuschiessen.

Vonseiten der SVP wird nun zumindest ein Kostendach erwartet. Man sei finanziell auf gutem Weg, entgegnete Regierungsrat Remo Ankli. Den anderen kantonalen Kulturdirektoren sei das Projekt vorgestellt worden. Und auch das Bundesamt für Kultur (Bak) zeige sich interessiert, nachdem er gemeinsam mit Ständerat Roberto Zanetti bei Bak-Direktorin Isabelle Chassot vorgesprochen habe. Konkrete Zahlen nannte Ankli freilich nicht.

«Grundsätzlich positiv»

«Grundsätzlich positiv» eingestellt zeigte sich der Sprecher der CVP/BDP/EVP/GLP-Fraktion, Urs Ackermann (Balsthal). Bei entsprechender Umsetzung könne das Theater durchaus geeignet sein für eine angemessene Erinnerung an den Landesstreik. Auch SP-Sprecherin und Historikerin Angela Kummer sah es nicht als ausgeschlossen an, dass das geplante Volkstheater eine angemessene Form der Auseinandersetzung.

Und gar keine Kritik aufkommen liess die FDP, deren beide Regierungsräte involviert sind. Ihr Sprecher, Hubert Bläsi (Grenchen), wies darauf hin, dass mit dem Einbezug von Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerverbänden und dem Beizug von Fachleuten die «verschiedenen Facetten» des Landesstreiks berücksichtigt werden könnten.

Der studierte Historiker Ankli war vergangene Woche sogar extra ins Staatsarchiv gegangen, um sich die Dokumente zum Landesstreik anzuschauen. Er stellte gestern aber trotz seiner Recherche fest: «Es geht nicht darum, die historische Wahrheit auf den Tisch zu legen. Es geht um die Auseinandersetzung mit einem historisch wichtigen Ereignis.»