Caritas

Die Rabatt-Karte unterstützt die soziale Integration

Im Caritas-Markt in Olten können Armutsbetroffene mit der Kultur-Legi einkaufen. Im Bild: Die freiwillige Mitarbeiterin Petra Hochuli (l.) sowie Ladenleiterin Manuela Robert.

Im Caritas-Markt in Olten können Armutsbetroffene mit der Kultur-Legi einkaufen. Im Bild: Die freiwillige Mitarbeiterin Petra Hochuli (l.) sowie Ladenleiterin Manuela Robert.

Die Kultur-Legi verschafft Menschen mit einem schmalen Budget vergünstigten Zugang zu Kultur, Sport und Bildung. 1200 solche Karten werden derzeit im Kanton Solothurn gebraucht. Eine Zwischenbilanz.

Sie sieht aus wie der Fahrerausweis oder die Identitätskarte: Eine kleine, rechteckige Plastikkarte mit Namenszug und Foto. Diese Karte kann aber nicht jeder erwerben. Im Kanton Solothurn sind derzeit 1200 Karten im Gebrauch. Die Kultur-Legi wird vom Hilfswerk Caritas an Menschen ausgestellt, die Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV beziehen, sich in einer Schuldensanierung befinden oder Stipendien erhalten.

«Wir wollen aber auch die Menschen erreichen, die am Existenzminimum leben, ohne Hilfe vom Staat zu erhalten», erklärt Annemarie Humm, Projektleiterin von Caritas Solothurn. «Mit der Kultur-Legi wollen wir diese Menschen dazu bewegen, sich nicht zu isolieren.» Denn Menschen mit einer schwierigen finanziellen Situation würden sich oft vom Gesellschaftsgeschehen zurückziehen. «Wer knapp bei Kasse ist, spart gerade bei Freizeit- und Sportaktivitäten, welche die soziale Eingebundenheit fördern», erklärt Humm.

Ein Präventionsprojekt

Dort setzt die Idee der Kultur-Legi an. Wer die Jahreskarte besitzt, erhält Vergünstigungen von 30 bis 70 Prozent bei kulturellen Veranstaltungen, verschiedenen Freizeit- und Sportaktivitäten sowie Bildungsangeboten. «Zu unseren Angebotspartnern im Kanton Solothurn zählen Akupunkteure in Biel und Olten, das Alte Spital in Solothurn, der FC Solothurn und der EHC Olten sowie das Fitnesscenter ‹Move it› in Zuchwil oder der Filmverein Lichtspiele in Olten», gibt Humm einen kleinen Einblick in die Liste der Angebotspartner. Ein wichtiger Partner sei die Migros Klubschule. Diese gewährt auf viele ihrer Kurse den halben Preis. Auch die Teilnahme an bekannten Solothurner Veranstaltungen wie den Solothurn Classics, den Filmtagen oder den Literaturtagen erleichtert die Kultur-Legi.

«Die Kultur-Legi ist ein Präventionsprojekt», so Annemarie Humm. «Die Reduktionen helfen Menschen, die wenig Geld haben, gar nicht bis ans Existenzminimum zu kommen. Und Menschen, die bereits am Existenzminimum leben, können sich durch die günstigen Angebote vor der Isolation bewahren.»

Zur sozialen Integration der Legi-Besitzer trägt auch die schweizweite Gültigkeit der Rabatt-Karte bei. So können die Solothurner Karten-Besitzer von den knapp 1600 Angebotspartnern in allen Kantonen profitieren. Verschiedenste Zeitschriften und Zeitungen gewähren beispielsweise vergünstigte Abonnemente. «Für Solothurn ist die landesweite Gültigkeit der Kultur-Legi insbesondere auch interessant, da wir nahe an Bern liegen und die Menschen sich auch dorthin orientieren», so Humm. Trotz der reduzierten Preise komme es vor, dass sich manche von Armut betroffene Menschen das Angebot der Kultur-Legi-Partner nicht leisten können. «Für diese Menschen versuchen wir Gratisangebote oder die Erstattung von Verkehrstickets zu organisieren, die ja oft auch benötigt werden, um zu den Veranstaltungsorten zu gelangen», erläutert Humm. Über diese Leistungen informiert Caritas mehrmals im Jahr in einem Newsletter.

Armut ist vielerorts ein Tabu

Als Projektleiterin von Caritas Solothurn kümmert sich Humm darum, dass Menschen, die ein Anrecht auf die Kultur-Legi haben, von diesem Angebot erfahren. «Wir haben noch nicht alle potenziellen Anspruchsberechtigten im Kanton erreicht», ist sich Humm sicher. Einerseits gibt es laufend weitere Menschen, die Anspruch auf die Karte hätten. Andererseits ist das Thema der Geldknappheit bei vielen ein Tabu. «Es sind oft Hemmungen im Spiel. Deshalb müssen wir weiterhin Werbung machen und die Leute animieren, die Legi zu beantragen.»

Hier setzt Humm auch auf die Mundpropaganda. «Je mehr Leute bereits über eine Legi verfügen, desto mehr andere erfahren davon.» Humm rechnet denn auch mit einem weiteren Anstieg der Kultur-Legi-Nutzenden. Zudem hofft die Solothurner Projektleiterin auf einen kontinuierlichen Zuwachs an Angebotspartnern. «Insbesondere in den Dörfern wünschen wir uns noch mehr Angebote.»

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