Schulleiterverband

Die Prägende Kraft in der Bildungspolitik

Adrian van der Floe präsidiert den Verband seit Herbst 2011.

Adrian van der Floe präsidiert den Verband seit Herbst 2011.

Präsident des Schulleiterverbandes Solothurn Adrian van der Floe erläutert im Interview die zehnjährige Verbandsgeschichte.

Im August 2006 ist im Kanton Solothurn das Gesetz über die Geleiteten Schulen in Kraft getreten. Das war der Startschuss für die Gründung des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter Solothurn (VSL SO). Seither hat sich der Verband von einer reinen Interessenvertretung zu einer gewichtigen Stimme in der Solothurner Schullandschaft gemausert. Der Verband zählt heute 104 Mitglieder. Damit sind 95 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter im VSL SO organisiert.

Verbandspräsident Adrian van der Floe erläutert im Interview mit dieser Zeitung die Entwicklung des Verbands. Der 56-Jährige leitet seit Oktober 2011 die Verbandsgeschäfte. Er blickt auf eine 20-jährige Erfahrung als Schulleiter zurück, zuerst in Langendorf, seit 13 Jahren an der Oberstufe Wasseramt Ost.

Der Schulleiterverband hat einen starken Einfluss auf die Solothurner Bildungspolitik. Oder täuscht der Eindruck?

Adrian van der Floe: Die Zusammenarbeit mit dem Volksschulamt funktioniert sehr gut. Unsere Vorschläge werden aufgenommen. Bis zu einem gewissen Grad ist der Kanton auf die Zusammenarbeit mit uns, dem Schulleiterverband, und auch dem Volksschul-
lehrerverband LSO angewiesen. Im Rahmen von Sparmassnahmen und durch Verschiebungen von kantonalen Kompetenzen zu den Schulleitungen sind beim Volksschulamt Stellen eingespart worden. Ich kenne kein Amt in einem anderen Kanton, das mit so wenigen Ressourcen auskommt.

Ein Paradebeispiel für den Einfluss ihres Verbands ist das neue Übertrittsverfahren von der Primarschule in die Sek I ...

Im Januar hat ein letztes Mal die kantonsweite Übertrittsprüfung stattgefunden. Neu gewinnt neben den Schulnoten die Lehrerbeurteilung an Bedeutung. Unter Schulleitenden haben wir festgestellt, dass das Verfahren mit einer Übertrittsprüfung, das mit der Sek-I-Reform eingeführt worden ist, nicht zeitgemäss ist. Innerhalb des Bildungsraums Nordwestschweiz ist eine solche Prüfung einzigartig. Wir haben vom Verband her die Änderung angestossen. Das Volksschulamt hat eine breit abgestützte Arbeitsgruppe eingesetzt. Wir Schulleiter haben darauf gedrängt, dass es die Möglichkeit einer Kontrollprüfung gibt, für alle jene Fälle, wo sich Eltern und Lehrer nicht einig werden.

Auch bei den Anpassungen auf der Sekundarstufe I haben sich die Schulleiter aktiv miteingemischt. Weshalb?

Der LSO hat die Initiative ergriffen und mit uns zusammen eine Arbeitsgruppe gegründet. Es ging uns darum, Schwachpunkte der neu gestalteten Sekundarstufe I zu benennen. Wir haben festgestellt, dass im entscheidenden neunten Schuljahr die Schülerinnen und Schüler der Sek E und der Sek B zum Teil zu wenig gut auf die Anforderungen der Berufsbildung vorbereitet werden. Auf unsere Initiative hin ist der Kantonsrat aktiv geworden. Bildungsdirektor Remo Ankli hat rasch auf die entsprechenden Anträge und Forderungen reagiert und hat eine Expertise in Auftrag gegeben.

Ihre Schule, die Oberstufe Wasseramt Ost, hat mit einem neuen Wahlfachsystem im neunten Schuljahr Pionierarbeit geleistet …

Wir haben zu diesem Zweck einen Antrag beim Volksschulamt gestellt und unser Konzept ist genehmigt worden. Eingeführt haben wir das neue System an unserer Schule im Schuljahr 2015/2016. Statt den beiden Profilen «Soziales» und «Technik» haben wir im neunten Schuljahr seither ein modulares Wahlfachsystem, das spezifischer auf die Bedürfnisse der Berufsschulen ausgerichtet ist. Mit der Umsetzung des Lehrplans 21 wird unser Modell an allen Sekundarschulzentren im Kanton eingeführt.

Mit dem neuen Wahlfachsystem wird auch die Durchlässigkeit von der Sek E an die Kanti verbessert?

Der Übertritt von der Sek E an die Kanti war bis jetzt fast nicht möglich und er wurde wenig propagiert. Mit dem neuen Wahlfachsystem haben Sek-E-Schüler eine realistische Möglichkeit, die Bedingungen für die Kanti zu erfüllen. Zurzeit werden in der Bildungsverwaltung die Modalitäten für einen Übertritt definiert. Es braucht künftig einen bestimmten Notendurschnitt, die Prüfung wird abgeschafft.

Ab dem Schuljahr 2017/18 werden alle künftigen Mittelschüler ein Angebot besuchen müssen, das sie gezielter auf das Gymnasium, die Berufmaturität oder die Fachmittelschule vorbereiten wird. Folgendes scheint mir wichtig: Gegen Ende des achten Schuljahres haben Schüler die nötige Reife, um sich für eine Berufslehre oder eine schulische Laufbahn zu entscheiden. Für einen Sechstklässler kommt diese Entscheidung zu früh. Statt einer Anpassung der Sek E, wie man es jetzt macht, hätten wir vom Schulleiterverband im Übrigen eine dreijährige Sek P bevorzugt.

Die Umsetzung der Speziellen Förderung ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Wo sehen Sie hier das grösste Problem?

Die grösste Herausforderung besteht im Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern. Das ist eine grosse Baustelle. Hinzu kommt, dass der Verband der Schulleiter und der LSO unterschiedliche Vorstellungen haben. Während der LSO an den regionalen Kleinklassen festhalten will, stehen wir der Ausgestaltung dieser Kleinklassen kritisch gegenüber. Obwohl die Zuteilung vereinfacht worden ist, ist der Zugang immer noch zu komplex.

Zudem sind die regionalen Kleinklassen stark mit dem Bereich Sonderpädagogik vermischt. Der Schulleiterverband setzt sich für lokale, niederschwelligere Formen ein, damit schwierige Situationen in Klassen rasch beruhigt werden können. Ein gutes Beispiel dafür sind die Schulinseln, wie sie die Stadt Olten eingeführt hat.

Eine Baustelle bildete über Jahre die Zusammenarbeit der Schulleitenden mit den Gemeindebehörden. Haben Sie sich gefunden?

Gerade auch die externe Schulevaluation hat hier einige Mängel zutage gefördert. Wir haben darauf reagiert und im letzten Jahr gemeinsam mit dem Einwohnergemeindeverband VSEG eine Reihe von Workshops durchgeführt. Diese haben viel dazu beigetragen, dass die Behörden heute wissen, welches ihre Aufgabe ist. Neben der Klärung der Rollen, ist auch die praktische Zusammenarbeit verbessert worden.

So ist es zum Beispiel sehr sinnvoll, wenn sich der verantwortliche Gemeinderat und der Schulleiter wöchentlich zu einem gemeinsamen Austausch treffen. Bei diesen Treffen geht es darum, allgemeine Schulfragen zu thematisieren. Die Schule ist der grösste Budgetposten der Gemeinde. Wir müssen deshalb regelmässig im Gespräch bleiben.

Ein Zankapfel war die lange die Frage der Pensen und Löhne. Sind Sie zufrieden mit den Gemeinden?

Wir haben vom Schulleiterverband aus eine Empfehlung zu den Schulleiterpensen und den Löhnen erarbeitet, die vom VSEG verabschiedet worden ist. Diese Empfehlungen werden in den Gemeinden heute mehrheitlich befolgt.

Die Schulleitungspersonen gehören heute zum Kader einer Gemeinde und nehmen auch an den Kadersitzungen teil. Damit ist gewährleistet, dass die Schulen über ein entsprechendes Gewicht in den Gemeinden verfügen.

Wie erklären Sie sich dann die vielen Stelleninserate? Etliche Schulleiterde scheinen es nicht lange in ihren Schulen auszuhalten ...

Tatsächlich sind immer wieder Stellen zu besetzen. Und zwar nicht aufgrund von Pensionierungen, sondern weil die Stelleninhaber ihre Stelle wechseln. In den allermeisten Fällen haben Schulleiter früher als Lehrpersonen gearbeitet. Das Schulleiter-Nachdiplom nutzen einige, um den Bereich Schule zu verlassen.

Andere werden mit dem Job als Schulleiter nicht glücklich und wechseln wieder in den Lehrberuf. Problematisch kann die Schulleiterposition besonders dann werden, wenn jemand zuvor an der gleichen Schule als Lehrperson gearbeitet hat. Mit dem Rollenwechsel können nicht alle gleich gut umgehen.

Wie begegnen Sie dieser Situation?

Ein Problem stellt der Einstieg für Schulleitungspersonen dar. Hier müssen wir Unterstützung bieten. Wir sind jetzt daran, neu ein Mentoring-Programm für Schulleiterinnen und Schulleiter aufzubauen. Dadurch gibt es dann womöglich mehr Interessenten für das Nachdiplomstudium. Oft scheitern die neuen Schulleiter zu Beginn an den lokalen Gegebenheiten. Man trifft hier auf Lehrpersonen, die noch an den Vorgänger gewohnt sind. Wenn ein neuer Schulleiter von heute auf morgen alles ändern will, wird er scheitern. Man muss die Betroffenen zu Beteiligten machen.

Wo will der Verband in Zukunft Akzente setzen?

Sehr wichtig ist für uns, dass wir das, was wir bis jetzt erreicht haben, konsolidieren. Ein Dauerbrenner wird die Umsetzung der Informatischen Bildung sein. Der Verband hat die Einsetzung einer Arbeitsgruppe gefordert, damit die nötigen Ressourcen flächendeckend in allen Gemeinden umgesetzt werden können. Innerhalb des Verbands diskutieren wir zurzeit zudem die Zukunft des Religionsunterrichts.

Immer weniger Schüler gehören einer Landeskirche an. Ein weiteres grosses Thema sind Tagesstrukturen und Tagesschulen. Ich bin überzeugt, dass viele Schulen in wenigen Jahren eine Ganztagesbetreuung einführen werden. Da sind die Politik und die Schulen gefordert. Es braucht Räume und die nötige Betreuung. Dazu gehört auch die Frühförderung vor Eintritt eines Kindes in den Kindergarten. Kommentar Seite 20

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