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Die Politiker-Dynastie der SP: Politik liegt in der Familie

Soziales Politiker-Dreigestrin mit Ernst Gomm (früherem Gemeindepräsidenten von Trimbach und Alt-Kantonsrat), Sohn Peter (Alt-Regierungsrat) und dessen Sohn und Jungpolitiker Simon Gomm als Jüngstem im Bunde.

Soziales Politiker-Dreigestrin mit Ernst Gomm (früherem Gemeindepräsidenten von Trimbach und Alt-Kantonsrat), Sohn Peter (Alt-Regierungsrat) und dessen Sohn und Jungpolitiker Simon Gomm als Jüngstem im Bunde.

Alle drei Generationen der Familie Gomm vertreten die SP. Sie sind alle politisch tätig und kämpfen für ihre Partei.

Drei Generationen machen die Politiker-Dynastie Gomm aus: Grossvater Ernst (85), Vater Peter (60) und Enkel Simon (29). Gabs da schon früher einen Vorreiter? «Nein, mein Vater war völlig apolitisch», winkt Ernst Gomm ab. Er selber ist also quasi der «Gründervater». Er, gelernter Buchdrucker, wurde als Gewerkschafter politisiert. Für die SP wirkte er in Trimbach 1983 bis 1997 als Gemeindeammann, politisierte im Solothurner Kantonsrat und engagiert sich auch heute noch im Vorstand der Grauen Panther Region Olten. Dass Sohn Peter und Enkel Simon politisch in seine Fussstapfen traten, erfüllt Ernst mit «Stolz und Freude», wie er beim Treffen im Oltner Bahnhofbuffet sagt.

Politik, das spürt man, ist eine «Herzensangelegenheit» der ganzen Familie. Wie kommt das? «Wenn man sowieso die ganze Zeit von der Politik umgeben ist, dann ist es logisch, dass sich das irgendwie niederschlägt», bringts der Enkel auf den Punkt. Bei manchen kanns zum totalen Ablöscher führen. Nicht so bei Simon Gomm. Letztlich habe ihn aber die Infragestellung der Jugendarbeit in der Region Olten politisiert, erinnert er sich.

Im Fall von Peter Gomm wars die «Schwarzenbach-Initiative». Vater Ernst, damals Gewerkschafts-Präsident und normalerweise schwer aus der Ruhe zu bringen, habe sich extrem darüber aufgeregt, dass einzelne Vorstandsmitglieder diese Überfremdungsinitiative unterstützt haben: «Das war dann auch für mich der emotionale Startschuss, mich politisch zu interessieren.»

Was dann kam, entspricht einer politischen Bilderbuchkarriere: Peter Gomm, Fürsprech und Notar, zog 1989 ins Oltner Gemeindeparlament, 2001 in den Kantonsrat ein und wurde 2005 in den Solothurner Regierungsrat gewählt. Als er 2017 als Vorsteher des Departements des Innern zurücktrat, war männiglich klar, dass man auch politisch wieder von ihm hören würde. Und tatsächlich: Am 20. Oktober tritt er für die SP zu den Nationalratswahlen an. Wer ihn kennt, weiss, dass er lieber für den Ständerat kandidiert hätte – doch der SP-Sitz ist nicht vakant.

Dient der Alt-Regierungsrat also bloss als «SP-Wahllokomotive» für die Nationalratswahlen? Gomm hält dezidiert dagegen: «Wer kandidiert, will gewählt werden!» Den Wechsel vom Regierungsamt, in dem bestimmt werden kann, in den Nationalrat, wo er einer von 200 wäre, traut er sich zu: «Es ist einfach etwas anstrengender, wenn man mehr Leute überzeugen muss. Aber wenn man in der Politik etwas bewirken will, dann muss man grundsätzlich ein starker Optimist sein – und das bin ich nach wie vor.»

Peter Gomm gilt als Favorit für die Nachfolge der abtretenden Oltnerin Bea Heim – wenn die SP diesen zweiten Sitz halten kann. Nach Heims Abgang besteht allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Solothurn nach den Wahlen keine einzige Frau mehr nach Bern entsenden wird. Ist Gomm also ein «Frauenverhinderer»? Davon könne keine Rede sein, betont er, denn die Frauen stünden an der Spitze der SP-Wahllisten. «Und ehrlich gesagt, bin ich auch der Meinung, dass es eine Frau bräuchte. . .» Was er nicht explizit sagt: Dass in diesem Fall auf der anderen SP-Liste zuerst ein amtierender Nationalrat abgewählt werden müsste . . .

Der Jüngste und der Älteste habens lieber kämpferischer

Simon Gomm nennt seinen Vater wohl nicht von ungefähr einen «Strategen». Und er selber? Entwickelt er auch bereits Ambitionen auf weitere politische Karriereschritte – gar als Regierungsrat? «Das lasse ich im Moment erst mal offen», antwortet der angehende Pädagoge lachend. Er ist 2017 für die Junge SP Region Olten sowohl in den Kantonsrat als auch in den Oltner Gemeinderat gewählt worden, verzichtete aber zugunsten eines Parteikollegen auf das lokale Mandat. Der Jüngste der Dynastie räumt ein, dass ihm der Name Gomm bei den Wahlen «geholfen» habe – «aber sicher lags nicht nur daran». Die Junge SP habe einen sehr engagierten Wahlkampf geführt, in der Meinung, «dass es in der festgefahrenen Regionalpolitik vorwärtsgehen muss. Wir haben die ‹alte SP› zwar nicht überflügelt, aber wir haben einen gewissen Impakt geben können».

Und damit schliesst sich der Kreis vom «Gründervater» zum Jüngsten. «Man muss sehen, was die sozialdemokratische Bewegung in all den Jahren alles erreicht hat. Aber das muss man heute zusammen mit der Basis weiterentwickeln», zeigt sich Simon Gomm kämpferisch. Und das trifft sich mit dem Eindruck von Ernst Gomm, der bei der heutigen SP «ein bisschen die Aggressivität von früher» vermisst, «als man die Dinge noch klarer beim Namen genannt hat».

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