Pari Mutuel Urbain
Die Pferdewette kommt im Kanton eher verhalten aus der Startbox

Seit einem Monat kann man auch im Kanton Solothurn via Swisslos beim französischen Wettgiganten Pari Mutuel Urbain spielen. 6 Annahmestellen gibt es. 5 davon befinden sich im Raum Solothurn, die sechste ist der Gasthof zum Engel in Kleinlützel.

Ueli Wild
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Auf sie kann man nicht setzen: Drei Freizeitpferde vor dem Gasthaus zum Engel in Kleinlützel.

Auf sie kann man nicht setzen: Drei Freizeitpferde vor dem Gasthaus zum Engel in Kleinlützel.

Ueli Wild

Drei kleine Pferde stehen gemütlich auf der Huggerwaldstrasse in Kleinlützel. Gleich daneben, beim Eingang des Gasthofs zum Engel, machen drei schnellere Pferde auf sich aufmerksam – drei Galopper. Keine richtigen freilich: Es handelt sich um den Swisslos-Plakatständer, der in sattem Grün, der Farbe des französischen Wettgiganten Pari Mutuel Urbain, kurz PMU, signalisiert, dass hier auf Pferderennen gewettet werden kann – auf Rennen in Frankreich hauptsächlich, aber auch auf solche in der Schweiz oder irgendwo auf der Welt.

In der Romandie kennt man die Pferdewette ausserhalb des Rennplatzes seit über 20 Jahren (PMU Romand).

Seit dem 3. September 2013 ist sie nun via Swisslos auch in mehreren Deutschschweizer Kantonen präsent, so auch im Kanton Solothurn. Vor rund einem Jahr schon, mit Beschluss vom 29. Oktober 2012, hat der Regierungsrat das entsprechende Gesuch der Lotterie- und Wettkommission (Comlot) für neun Pferdewetttypen gutgeheissen. Den Vertrag, der die Modalitäten regelt, haben PMU, Swisslos und der Schweizerische Pferderennsport-Verband (SPV) am 2. September 2013 in Paris unterzeichnet.

Neue Gäste am Nachmittag

Der Routiers-Suisse-Gasthof zum Engel ist (seit dem 11. 9. 2013) eine der sechs PMU-Annahmestellen, die es derzeit im Kanton Solothurn gibt. Eine Handvoll Männer sitzt beim Feierabendbier am runden Tisch, zum Teil Handwerker im «Übergwändli». Auf dem Bildschirm sind die Startvorbereitungen für ein Flachrennen in St-Cloud zu erkennen. Jede Wettannahmestelle wurde von Swisslos mit Bildschirmen ausgestattet, auf denen die Wettquoten und die Live-Übertragung auf dem Rennsportkanal Equidia zu sehen sind.

Einer der Männer am runden Tisch, der Sprache nach ein Elsässer, weiss offenbar recht genau, worum es geht. Ihm gegenüber sitzt ein Einheimischer, der scheints «früher auch schon einmal bei Pferderennen» gewettet hat. Die Kollegen scheinen eher Neulinge im Metier zu sein und werden vom Elsässer instruiert. Wenn einer spielen will, gibt er das französisch beschriftete Ticket zum Einlesen dem Wirt, der damit die von Swisslos zur Verfügung gestellte Maschine füttert. Diese spuckt dann den Beleg für den Wetter aus.

Inzwischen ist das nächste Rennen in St-Cloud gestartet worden. Der Wirt schiebt noch einen Zettel in den Schlitz, doch, das war zu erwarten gewesen: Jetzt geht nichts mehr. Gespielt wird nur tröpfchenweise, doch Orlando Colonello, der Gastwirt, ist optimistisch: «Wir haben erst angefangen – aber ich merke: Am Nachmittag habe ich schon ganz neue Kundschaft, die vorher nicht hierher gekommen ist.»

Konzentration im Raum Solothurn

Die andern fünf Solothurner Annahmestellen liegen im oberen Kantonsteil. Der Befund beim Augenschein am frühen Montagabend: tote Hose. Spielen kann man an diesem Tag zwischen 13.15 und 22 Uhr auf 26 Trab- und 22 Galopprennen in Feurs, Cabourg, Chantilly und Santiago de Chile.

«Ganz langsam», sagt der Italiener vom Lotto-Stübli im Zentrum von Zuchwil, komme die Pferdewette ein wenig auf Touren. Im nächsten Atemzug lässt er aber durchblicken, insgesamt laufe das Geschäft harzig, die Gäste blieben rar. Und dass die PMU auf niedrigem Feuer köchelt, wird klar, wenn Signor Vona sagt: «Ich habe zwar eine Instruktion mitgemacht, aber um die Maschine zu bedienen, bräuchte ich eigentlich ein wenig mehr Praxis.»

Mit einer «nuova apertura» am 18. Oktober unter der Affiche «Lotto, Subito, Pferderennen» will er zusätzlichen Schwung holen. Der Anlass dazu: Wie in allen andern PMU-Annahmestellen im Kanton kann bei ihm nun auch das Swisslos-Produkt Subito gespielt werden. Vona, der am liebsten ein Restaurant führen würde, wo er auch kochen könnte, will die potenziellen Spieler dann mit einer Porchetta ins Lotto-Stübli locken.

Beim Restaurant Pisoni in Zuchwil, verziert zwar ein PMU-Schriftzug ein Fenster, doch an Betrieb fehlt es hier beim Augenschein. Gleich wie im Restaurant Passage am Südende der Bahnhofunterführung in Solothurn. Auf dem Bildschirm ist das Hippodrom von Cabourg zu erkennen, doch die Gäste sitzen alle so, dass sie nichts von den Rennen sehen. In der Pizzeria da Renato bei der Wengibrücke ist sogar der Bildschirm schwarz.

Im Café Restaurant Bijou in Bellach werden die Spieler ins Fumoir verbannt. Zwei Männer sitzen hier und diskutieren miteinander. Einer ist eben beim Abendessen. Der Fernseher läuft, aber niemand wettet. «Bis jetzt wars warm», sagt die Wirtin, «da sitzen die Leute draussen. Wir denken, wenns jetzt kälter wird, ziehen die Wetten an.» Für Umsatz sorgten bisher, wie Rosmarie Häni sagt, «zwei, drei ‹Angefressene›, die sonst jeweils nach Biel gegangen sind.» (Biel und der Berner Jura wurden in Sachen PMU zur Romandie gezählt und kennen die Wette ausserhalb der Rennbahn schon lange.)

Am Vortag, erzählt die Wirtin, habe es mit den «Angefressenen» aber Probleme gegeben, weil diese Wettscheine einlösen wollten von Rennen, auf die sie in Biel gespielt hatten. «Das aber war nicht möglich.»