Solothurn
Die Pfadi als bedrohte Art: Weniger Mitglieder und weniger Lagerplätze

Die mit 42'000 Mitgliedern grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz hat zwei Probleme: Es gibt auch im Kanton Solothurn immer weniger Mitglieder. Und es ist immer schwieriger, geeignete Lagerplätze zu finden. Gibt es Rezepte dagegen?

Philipp Kissling
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Minus ein Lagerplatz: 2007 tummelten sich im Oltner Bornfeld anlässlich des Kantonallagers die Pfadis. 2014 ist das Gelände überbaut und nicht wieder zu erkennen. bruno kissling

Minus ein Lagerplatz: 2007 tummelten sich im Oltner Bornfeld anlässlich des Kantonallagers die Pfadis. 2014 ist das Gelände überbaut und nicht wieder zu erkennen. bruno kissling

Das Abenteuer beginnt hier. Oder: Outdoor macht uns keiner was vor. Und: Wie viel Pfadi steckt in dir? Der aktuelle Internetauftritt der Pfadibewegung Schweiz (PBS) sprüht vor Frische, guter Laune und Tatendrang. Die mit 42'000 Mitgliedern grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz versteht es, sich multimedial zu inszenieren und die mittlerweile 107-jährigen Leitsätze ihres Gründers Robert Baden-Powell, genannt BiPi, modern zu verpacken.

Im März erst erheischte die Pfadi Aufmerksamkeit mit einem Flugblatt, dessen Überschrift indes einen negativen Anstrich hatte: «Bedrohte Arten in der Schweiz» steht da geschrieben, darunter Bilder von glücklichen Kindern und Jugendlichen, die klassische Pfadinamen wie Puma, Dachs oder Panda tragen und klassischen Pfadiaktivitäten wie Kartenlesen, Holzsuchen oder Cervelatbräteln nachgehen.

Die Pfadi in Gefahr? Nein, meint Patrick Weibel-Adam v/o Blitz, der Präsident von Pfadi Kanton Solothurn, schmunzelnd: «Das ist eine Kampagne mit Augenzwinkern, mit der die Pfadi-stiftung Schweiz auf die schwindende Anzahl Lagerplätze aufmerksam macht.» Durch die «fortschreitende Zersiedelung», schreibt die Stiftung, gingen immer mehr Lagerplätze verloren. Langjährige Pachtverträge mit den Bauern oder gar Landkäufe müssten das Ziel sein, ansonsten werde es schwierig, auch künftig Sommerlager durchführen zu können. Und was sind die Pfadfinder ohne das Erlebnis Sommerlager?

Die Lagerplatzknappheit ist nicht das einzige Thema, das die Verantwortlichen umtreibt. Seit Jahren schwindet die Mitgliederzahl, auch im Kanton Solothurn: In den letzten zehn Jahren reduzierte sie sich von 1400 auf 1000. Ein sehr grosser Verlust, ist sich Patrick Weibel-Adam bewusst. Hat die Kantonalleitung Fehler gemacht? Ist etwa das Programm nicht mehr zeitgemäss, zu breitfächrig? Schlimmer noch, erreicht die Pfadi gar die Kinder und Jugendlichen nicht mehr? «Alles gute Fragen», konstatiert der Kantonalpräsident.

Konkrete Antworten zu finden, fällt ihm indes schwer. Sicher ist: Die geografische Abdeckung ist nicht mehr so dicht wie einst, weil die Abteilungen weniger wurden. Zudem hat die Organisation Mühe, die Kinder bereits im Vorschulalter abzuholen. Die eigens dazu geschaffene Biberstufe (5. und 6. Altersjahr) wird solo-thurnweit erst in Erlinsbach angeboten. Turn- und Fussballvereine beispielsweise sind hier einen Schritt voraus.

Um dem Mitgliederschwund entgegenzutreten, unternimmt die Pfadi Kanton Solothurn regelmässig Anstrengungen wie zum Beispiel mit dem Schnuppertag Mitte März, der auf gute Resonanz gestossen ist. Mitgliederwerbung sei lokal am wirkungsvollsten, sagt Patrick Weibel-Adam, der in Winznau aufgewachsen und in der Pfadi
St. Marien Olten gross geworden ist. Ein Ausrufezeichen setzte die Pfadi bei der Führung, die kantonsweit gegenüber 2013 um 43 Leiterinnen und Leiter angewachsen ist.

Überhaupt ist der Kantonalpräsident weit davon entfernt, Trübsal zu blasen, zumal die abnehmende Vereinstätigkeit hierzulande kein pfadispezifisches, sondern eher ein gesellschaftliches Phänomen darstellt, das den Zeitgeist widerspiegelt. «Im Zentrum stehen die Kinder und Jugendlichen, die jetzt aktiv sind, für die machen wir Pfadi», betont Patrick Weibel-Adam. Die jetzigen Aktiven können sich auf ein ganz besonderes Pfadi-Jahr freuen. Im Juli treffen sie sich nämlich im freiburgischen Alterswil zum Sommerlager der Pfadi Kanton Solothurn. Unter dem Motto «Volle Leuchtkraft voraus» zelebrieren gegen 700 Teilnehmende das Lagerleben. Grosse Lager stellen die Leuchttürme einer Pfadi-Laufbahn dar.

Patrick Weibel-Adam ist seit Jahrzehnten mit der Pfadi verbunden, er und seine Frau lernten sich sogar in der Pfadi kennen. «Die Pfadi ist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens», sagt Weibel-Adam. Schon früh habe er gelernt, Verantwortung zu übernehmen, indem er samstägliche Aktivitäten für sein Fähnli organisierte. Mit der Erfahrung veränderten sich die Aufgaben.

Den intensiven Jahren als Kantonalleiter, während denen er ganz nah am Puls der Pfadi wirkte, folgten zwei Jahre Pause und dann das Engagement als Kantonalpräsident, bei dem er in erster Linie im Hintergrund tätig ist. Weibel-Adam steht mittlerweile in seinem fünften und letzten Jahr als oberster Solothurner Pfadi. Per 2015 wird er sein Amt zur Verfügung stellen, ein Nachfolger steht bereit. Sein Name wird noch nicht verraten; er komme wie er aus dem unteren Kantonsteil, lässt sich Weibel-Adam immerhin entlocken.

Die Altersstufen: Biber 5- und 6-jährig; Wölfe 6- bis 10-jährig; Pfadi 10- bis 14-jährig; Pio 14- bis 17-jährig; Rover ab 17-jährig. Pfadi online: www.pfadi.org (Pfadi Kanton Solothurn), www.pfadi.ch (Pfadi Schweiz).

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