Letztes Jahr wäre dies unmöglich gewesen. Am Mittwoch aber konnten die Aktionäre der Seilbahn Weissenstein AG erstmals mit dem Gondeli an die Generalversammlung reisen. «Vor einem Jahr hatten gerade einmal die Erdarbeiten für die neue Bahn begonnen», erinnerte Verwaltungsratspräsident Urs Allemann die 165 Aktionäre in der Tenne des «Sennhauses» an die schnelle Bauzeit. «In gerade mal sieben Monaten ist die Bahn gebaut worden.»

Mit Pirmin Bischof (VR-Mitglied Seilbahn Weissenstein AG) und Rolf Studer (Vize-VR-Präsident) im Weissenstein-Gondeli.

Mit Pirmin Bischof (VR-Mitglied Seilbahn Weissenstein AG) und Rolf Studer (Vize-VR-Präsident) im Weissenstein-Gondeli.

Seit dem 20. Dezember fährt sie nun den Solothurner Hausberg hoch – und das Jahr 1 mit der neuen Bahn hat äusserst erfolgreich begonnen: Für die Seilbahn war es ein «Paradestart in Sachen Passagierzahlen».

In den fünf Monaten hat die Bahn über 150 000 Fahrgäste transportiert. «Das ist mehr als wir erwartet hatten», sagte Allemann und verwies auf frisch gewonnen Kundensegmente, die in der neuen Bahn Platz finden: Familien mit Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl, ebenso die Generation 60plus. «Ich bin überzeugt, dass die Seilbahn Weissenstein etwas Herausragendes geschaffen hat, das Generationen überdauern dürfte.» – Dazu zählte er explizit auch die «unverwechselbaren, einzigartigen» Stationsbauten des Solothurner Architekten Guido Kummer.

Gleichzeitig gab Allemann auch zu, dass der Start das Team forderte. «In der Zeit seit der Eröffnung der neuen Bahn fühlten wir uns manchmal wie beim Seilziehen. An allen Ecken und Enden wird gezogen und gezerrt. Und wir sind das Seil. Fast täglich werden wir mit Vorschlägen eingedeckt», so der Verwaltungsratspräsident. Und klar: «Es gibt noch die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit». Konkret will die Seilbahn in den kommenden Monaten Lösungen für die Bikerproblematik finden und ebenso Gespräche mit verkehrsgeplagten Anwohnern in Oberdorf führen. Im Fokus steht für die Seilbahn auch das weitere Geschehen bei der Solothurn-Münster-Bahn, die von der Schliessung bedroht ist. «Für die Seilbahn sei die Bahn enorm wichtig», so Verwaltungsratspräsident Allemann. «Benützen Sie diese Bahn», appellierte er an die Aktionäre. Für 2015 kündete er ein verbessertes Wintersportangebot an und eine Erneuerung im Verwaltungsrat.

Spannungen spürbar

Und wie steht es um die oft angemahnte Zusammenarbeit unter den verschiedenen Akteuren auf dem Berg? «Wichtig ist für uns natürlich die gute Zusammenarbeit mit allen Touristikpartnern am Berg», sagte Allemann. Gelobt wurden die Berggasthöfe. Doch dass auf dem Solothurner Hausberg gewisse Spannungen bestehen, wurde spätestens deutlich, als Allemann Seitenhiebe zu verteilen begann. Sein Fett weg bekam der aktuelle Kurhaus-Pächter, der ausgerechnet wegen Revision geschlossen hatte. Man hätte die Generalversammlung gerne im Kurhaus durchgeführt, sagte Allemann. «Aus Platzgründen war es offenbar aber nicht möglich.» Immerhin: Mit den neuen Kurhausbesitzern befinde man sich «in einem regen Kontakt», tönte Allemann ein besseres Klima an.

Kritik anhören musste sich auch der anwesende Tourismusdirektor Jürgen Hofer, der in der Vergangenheit engagiert und pointiert für die Destination Weissenstein geweibelt hatte. «Entgegen den verschiedentlich gemachten öffentlichen Verlautbarungen haben wir aus unserer Sicht einen guten Austausch», beschrieb Allemann das Verhältnis zu den Touristikern – und relativierte gleich. «Es ist also wirklich nicht notwendig, eine Versammlung abzuhalten oder via Zeitung uns zu schelten, wenn aus diesen Kreisen Anliegen an uns herangetragen werden sollen. Ein Anruf genügt.»

Das sei einer guten Zusammenarbeit sicher förderlicher. «Wobei wir auch hier nicht alle Wünsche erfüllen können und wollen, sondern über unsere Teilnahme an den verschiedenen Programmen nach einer seriösen Prüfung entscheiden.» Überhaupt erteilte die Seilbahn gewissen Forderungen von aussen gleich eine Absage: «Wir sind privatrechtlich organisiert und damit darauf angewiesen, eine angemessene Rendite zu erzielen», hielt Allemann fest. «Nicht alles, was aus dem Blickwinkel von Partikularinteressen wünschbar scheint, ist im Interesse unserer Gesellschaft.» Konkret erteilte er Zusammenarbeitsprogrammen des öffentlichen Verkehrs eine Absage.

Finanziell erfolgreich unterwegs

Verwaltungsrats-Vizepräsident Rolf Studer freute sich, «Zahlen mit Hand und Fuss» zu präsentieren. Zwar schwebte die Bahn nach dem Start am 20. Dezember im Geschäftsjahr 2014 gerade einmal zehn Tage den Berg hoch. In der kurzen Zeit konnte sie trotzdem einen Umsatz von knapp 230 000 Franken einfahren – auch dank des Vorverkaufs: Offenbar fanden sich besonders viele Gondeli-Gutscheine unter Solothurner Weihnachtsbäumen. Und so startete die Seilbahn mit einem Betriebsertrag von 259 295 Franken.

Der Aufwand betrug 704 000 Franken, womit ein negatives Betriebsergebnis von 44 771 Franken resultierte. Trotzdem resultiere am Ende ein Jahresgewinn, vor allem dank dem Erlös aus dem Gondelsponsoring, der der Gesellschaft 3,2 Mio. Franken einbrachte. Bereits im ersten Jahr nahm die Seilbahn grosse Abschreibungen vor und will damit weiterfahren. 2015 rechnet die Seilbahn mit einem Betriebserfolg von 1,16 Mio. Bei weiterhin grossen Abschreibungen soll der Gewinn vor Steuern 45800 Franken betragen.