Digitalisierung
Die neue App «Micarna» macht den Viehhändlern Konkurrenz

An der Generalversammlung des Solothurner Viehhändlerverbandes in Kestenholz wurde über die Rolle der Digitalisierung im Viehhandel diskutiert. Rolf Nützi, Präsident des Verbandes, fürchtet, dass die neue App «Micarna» die Viehhändler überflüssig mache.

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«Alle reden von der neuen App, die uns Viehhändler überflüssig machen soll.»

«Alle reden von der neuen App, die uns Viehhändler überflüssig machen soll.»

Keystone

«Alle reden von der neuen App, die uns Viehhändler überflüssig machen soll.» So eröffnete Rolf Nützi, Präsident Solothurner Viehhändlerverbands, die 101. SOVV-Generalversammlung in Kestenholz. «Der Bauer zückt sein Handy, geht auf die Micarna-Tierhandels-App und liefert seine Tiere direkt dem Fleischverarbeiter der Migros», fuhr er weiter. Er sei demoralisiert, wenn er sehe, wie die über Jahrzehnte aufgebaut Arbeit der Viehhändler der Digitalisierung geopfert werde. Schliesslich würden sie ja viel mehr tun als nur Kühe abholen.

Der Präsident glaubt, dass diese Apps Macht bedeuten. Dank den Betriebsdaten erhalte Micarna Einblick in die Bauernhöfe und könne Bauern nach ihren Vorgaben produzieren lassen und diese würden von einem Einzelnen abhängig. Der schweizerische Viehhändlerverband sei daran, auch ein digitales Konzept zu erarbeiten. «Dies kann durchaus positive Auswirkungen haben, indem der administrative Aufwand reduziert und kostengünstiger wird», machte er sich und seinen Kollegen Mut. Die Brache könne aber punkten mit Garantien in Bezug auf Tierschutz, Tiertransport, Seuchen, Zertifizierung, Fahrzeugpark.

Gastreferent Rolf Büttiker (l.) und Rolf Nützi, Verbandspräsident.

Gastreferent Rolf Büttiker (l.) und Rolf Nützi, Verbandspräsident.

Benildis Bentolila

Die Branchenprobleme beschäftigen den Präsidenten. Er schrieb Bundesrat Schneider-Ammann und bat um Antwort, ob die Grenzen geöffnet werden oder nicht. Rolf Nützi las die ausführliche Antwort vor. Daraus entnehmen die Viehhändler, dass sich die Grenze auch für Fleisch öffnen wird.

Rolf Büttiker, seit elf Jahren Präsident des Schweizer Fleisch-Fachverbandes SFF, beruhigte. Er erinnerte, dass Bauern, Viehhändler und Metzger im gleichen Boot sässen. Die Bedeutung der Fleischbranche – jährlicher Umsatz von 10 Milliarden Franken – sei nicht zu unterschätzen. Rund 24'000 Personen arbeiten in diesem Zweig mit einer Lohnsumme von 1,17 Milliarden. 1024 Betriebe, wobei in rund 400 noch geschlachtet werde, sind Mitglied bei SFF.

Die offenen Grenzen würden immer mehr zum Problem (Einkaufstourismus, Fleischschmuggel). Fleischgenuss sei ein Thema mit hoher Emotionalität (Vegetarismus, Veganismus, Tierwohl, Umweltschutz, Gesundheit). Die Bevormundungstendenz halte an (fleischlose Mahlzeiten in Altersheimen, Kitas).

Büttiker dazu: «Hände weg von unseren Tellern; wir verlangen Wahlfreiheit!» Rund 20 Prozent des Fleischbedarfs würden offiziell importiert, denn die Schweiz verfügt nicht über die Kapazität zur 100-prozentigen Eigenversorgung. Zudem müsse als Gegengeschäft bei Exporten (Uhren, Schokolade, Präzisionsgeräte) Fleisch abgenommen werden.
Der Nachwuchs ist die zentrale Sorge der Branche: Die Lehrstellen für Fleischfachleute und Detailhandelsfachleute Fleisch konnten letztes Jahr nur zur Hälfte besetzt werden.

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