Aareschifffahrt

Die MS Siesta ist jetzt rot statt türkis - so wird das 50-Meter-Schiff eingewassert

Nach wenigen Minuten vorbei – trotzdem ein grosser Moment für Viele: Die neu gestrichene MS Siesta wurde in Nidau eingewassert. Was gleich auffällt: Der schrille türkise Anstrich des Schiffes ist weg. Sie sei jetzt kein «Kuckucksei» mehr, wie der Geschäftsführer der Bieler Schifffahrtsgesellschaft erklärt.

Gewusel beim Barkenhafen in Nidau. Stapelfahrer und Kran rollen über den Kiesplatz. Dazwischen tummeln sich Menschen in Arbeitskleidung und blauen Helmen. Zentrum der Aufmerksamkeit: Die MS Siesta. Das knapp 50 Meter lange Schiff der Bieler Schifffahrtsgesellschaft BSG steht in der Werft des Hafens. Ein Schutzdach trennt sie vom wolkendurchzogenen Himmel, eine Platte vom Bielersee. Wie Ameisen wuseln die Mitarbeiter der BSG um den Bug oder auf dem Deck herum. Bald geht es los. Die Siesta, Jahrgang 1991, soll an diesem Tag ins Wasser. In wenigen Minuten wird der Kran die Trennwand hochheben, das Schiff ins Wasser gleiten.

Einwasserung der neu gestrichenen MS Siesta

Einwasserung der neu gestrichenen MS Siesta

Letztes Jahr fuhr die MS Siesta noch im altbekannten türkis-blau-altrosa Anstrich über die Aare. Jetzt schimmert das Schiff in neuem Weiss, unterbrochen von horizontalen roten und vertikalen blauen Linien. Die selben Farben sind auch bei den anderen Schiffen der BSG-Flotte zu sehen, die gegenüber im Bieler Hafen stehen. «Sie war schon ein Kuckucksei», schmunzelt BSG-Geschäftsführer Thomas Mühlethaler. Er steht in einer blauen BSG-Jacke auf dem Steg der Nidauer Werft und beobachtet die Szenerie. Er berichtet davon, dass für den neuen Anstrich und den neuen Belag der Siesta zwei Monate, 3000 Arbeitsstunden und rund eine Million Franken investiert wurden. Und vor allem: «viel Herzblut».

bevor sie ihren Neuanstrich erhielt.

Die MS Siesta...

bevor sie ihren Neuanstrich erhielt.

Matrosen und Maler

Dann tritt er zur Seite und weist die Zuschauenden auf dem Steg an, dasselbe zu tun. Der rote Kran hebt die Trennwand, die den roten Bug vom Wasser trennt, hoch und stellt sie auf dem Steg ab. Aufgeregte Rufe von den Arbeitenden auf der Siesta, an die jetzt das Wasser des Sees hinangespült wird. «Jetzt hat’s in der Aare dann kein Wasser mehr», witzelt einer. Die Motoren des Schiffes kommen zum Vorschein, rotieren schon mal probeweise. In wenigen Minuten wird Mühlethaler einen Anruf erhalten: das Signal zum Einwassern

«Das ist für Viele ein grosser Moment», sagt Mühlethaler. So seien heute fast alle Mitarbeitenden vor Ort – obwohl man zum Einwassern gar nicht so viele Helfer brauche. Der Geschäftsführer erklärt: «Das ist so, als würde man Socken stricken. Oder ein Haus bauen. Man hat danach etwas davon.» Viele der Mitarbeitenden sind Schreiner, Maler, Sanitäre. Gleichzeitig auch Matrosen und Kapitäne. Im Winter bringen sie die Schiffe auf Vordermann, im Sommer arbeiten sie auf den Schiffen.

Bereit für die Fahrt nach Solothurn

An diesem Tag ist es kühl, aber trocken. Es herrschen «ideale Bedingungen», wie Mühlethaler sagt. Das Wasser des Bielersees kräuselt sich nur ganz leicht im Wind. In der Werft schwimmen zwei Schwäne. In wenigen Sekunden werden sie ziemlich an Tempo zulegen: jetzt beginnen nämlich die Motoren der Siesta zu laufen. Auf dem Deck stehen zwei besonders Mutige ganz vorne und halten sich am Geländer fest. Mehr Mitarbeiter stehen weiter hinten bei der Kommandobrücke.

Der grosse Moment kommt – und ist schnell wieder vorbei. Gleichmässig gleitet die 262 Tonnen schwere Siesta in das Wasser. Rufe und Gejohle. Brummen der Motoren und Surren der beiden Drohnen, die am Himmel kreisen und Video-Aufnahmen machen. Das Einwassern verläuft reibungslos. Im Vorbeifahren beim Steg hisst das Schiff noch das Solothurner und das Berner Fähnli. Nur kurz gleitet sie über das Wasser, dann fährt sie zurück zum Steg.

Hier erhält sie noch den letzten Schliff. Treppenstufen und Geländer im Aussenbereich sind nach den Malerarbeiten noch mit Klebeband abgedeckt, im Innern muss noch aufgeräumt und geputzt werden. Während im Aussenbereich alles neu ist, In einigen Tagen komm die Siesta dann nach Solothurn. Dort steht bereits die «Stadt Solothurn», das dritte Aareschiff «MS Rousseau» befindet sich noch im Bieler Hafen.

Saisonbeginn: 4. Mai

Am 4. Mai dann beginnt die Saison der Aareschifffahrt. Diese beinhaltet zum ersten Mal auch Fahrten am Montag. Um 9.10 Uhr soll es jeweils losgehen von Solothurn nach Biel, um 12.10 dann zurück von Biel nach Solothurn. «Das wollen wir diese Saison einmal ausprobieren», so Mühlethaler. Mit der vergangenen ist man zufrieden: 80 000 Passagiere transportierte die BSG über die Aare; 333 000 insgesamt. So hat die Bielersee Schifffahrtsgesellschaft 2018 um 12 Prozent an Passagieren zulegen können – der Sommer war schön und lang, Hochwasser – was den Schiffsbetrieb jeweils einschränkt –, hatte man nicht.

Noch bleibt ein Moment, das wuchtige Schiff in der Werft zu bewundern. Das tun an diesem Tag Spaziergänger mit Hunden, Rentnerpärchen, Journalisten mit Kameras und Notizblöcken. Von weiter hinten schauen die Arbeiter zu. Ein Blauhelm kommt nach vorne und zückt das Handy. Stolz fotografiert er das Werk, das nun im neuen Anstrich auf dem Bielersee sanft hin und her schaukelt.

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