Schifffahrt

Die Masken an Bord sind unbeliebt – das macht sich auch bei den Passagierzahlen bemerkbar

Die einen zog es ins Wasser, die anderen genossen die Aare auf einem Schiff der Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft.

Die einen zog es ins Wasser, die anderen genossen die Aare auf einem Schiff der Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft.

Auf den Schiffen der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft BSG sind Masken auf dem Deck Pflicht. Die Passagiere, die kommen, halten sich daran. Viele bleiben aber weg.

Viel Sonnenschein, und schon am frühen Morgen Temperaturen von über 20 Grad. So zeigt sich das Wetter in diesen Tagen, und so sehen die perfekten Bedingungen aus, um mit dem Schiff von Solothurn nach Biel zu fahren.

In diesem Jahr können sich die Passagiere aber nicht wie sonst den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. An Deck gilt die Maskenpflicht, um sich und andere vor Covid-19 zu schützen. Ein Blick über das Deck zeigt: Die Passagiere nehmen die Vorschrift ernst, zumindest kurz nach dem Einsteigen.

«Kein Problem», findet eine Gruppe aus drei Frauen, die an einem Tisch auf dem Sonnendeck zusammen sitzt. Normalerweise treffen sie sich zum Stricken, heute steht die Fahrt auf der «Siesta» auf dem Programm.

«Dass man beim Ein- und Aussteigen eine Maske tragen muss, finde ich super», sagt die älteste von ihnen. «Da kommt man sich immer viel zu nahe». Und wenn man später gemeinsam am Tisch sitze, dann könne man die Maske ja beim Kaffeetrinken kurz abnehmen.

Personal muss regelmässig ermahnen

So entspannt wie das «Lismi-Grüppli» sehen das nicht alle Passagiere. Das erzählt Schiffsführer Sascha Bischof, der bereits seine elfte Saison auf den Schiffen der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG) verbringt.

«Es gibt regelmässig Leute, welche die Maske nicht tragen wollen», so Bischof. «Einmal weigerte sich eine Frau so lange, bis ich ihr damit drohen musste, dass sie an der nächsten Station das Schiff verlassen muss.»

Häufig gelinge es aber vorher, einen Kompromiss zu finden. «Wenn Passagiere es nicht aushalten, zwei Stunden lang eine Maske zu tragen, dann schicken wir sie ins Restaurant. Dort gelten nicht mehr die Regeln für den öffentlichen Verkehr, und die Maske darf abgenommen werden.»

Der Geschäftsführer und ein Schiffsführer der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft BSG zur Maskenpflicht an Bord

Der Geschäftsführer und ein Schiffsführer der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft BSG zur Maskenpflicht an Bord

Bischof und seine Kollegen führen regelmässig Kon­trollen durch, um sicher zu sein, dass die Passagiere ihre Masken tragen. Die Mitarbeiter auf dem Schiff werden aber auch darauf hingewiesen, wenn es jemand mit der Maskenpflicht nicht so genau nimmt. «Die Passagiere überprüfen sich gegenseitig, das ist mir bereits häufiger aufgefallen», so Bischof.

Die Ermahnungen sind nötig, damit sich die Passagiere an die Maskenpflicht an Deck halten. Das sagt Kapitän Martin Brechbühler, der auf den Seeschiffen vom Steuerhaus aus das Deck im Blick hat. «Immer wenn ich sehe, dass jemand die Maske auszieht, dann mache ich eine Durchsage. Nach ein paarmal reicht schon nur der Gong, damit die Leute ihre Masken wieder anziehen», erzählt er mit einem Schmunzeln.

Weniger Passagiere

So lustig solche Anekdoten auch sein mögen: Die Passagierzahlen der BSG leiden unter der Maskenpflicht. «Wir haben deutlich weniger Passagiere als in anderen Jahren», sagt Bischof. «Normalerweise fahren an solchen Tagen über 200 Personen mit, heute sind es knapp über 100. Vor einigen Wochen waren zeitweise nur zehn Passagiere an Bord.»

Diese Aussage bestätigt Thomas Mühlethaler, der Geschäftsführer der BSG, der in Biel am Hafen für ein Interview bereitsteht. «Im Juli fehlten uns pro Tag 500 Gäste. Gegenüber dem vergangenen Jahr haben wir einen Drittel weniger Umsatz generiert», so Mühlethaler. Per Ende Jahr rechnet er mit einem Verlust von rund einer Million Franken.

Der Geschäftsführer vermutet, dass die Schutzmassnahmen viele Menschen davon abhalten, mit dem Schiff von Solothurn nach Biel zu reisen. «Wir würden deshalb lieber eine Reduktion der Passagierzahlen in Kauf nehmen, als die Maskenpflicht durchzusetzen», sagt er.

Wohl bis Ende Saison

Zwar setzt sich der Verband der Schweizer Schifffahrtsunternehmen dafür ein, dass die Schutzmassnahmen an Deck gelockert werden. Mit Erfolg rechnet der Geschäftsführer aber nicht. «So wie die Zahlen jetzt aussehen, wird der Bund sich hüten, die Schutzmassnahmen zu lockern. Wahrscheinlich müssen wir deshalb bis Ende Saison die Maskenpflicht durchsetzen», so Mühlethaler.

Wenn die Passagiere weiter wegbleiben, dann muss die BSG neue Massnahmen in Betracht ziehen. «Wir denken darüber nach, weitere Fahrten zu streichen. Es macht keinen Sinn, die Schiffe fast leer fahren zu lassen». Immerhin: Dieses eine Jahr kann der BSG noch nichts anhaben. «Wir haben genügend Reserven, um dieses Jahr zu überstehen», so Mühlethaler. «Aber wenn die Situation im nächsten Jahr nicht besser ist, dann stehen wir vor einem Problem.»

Autor

Rebekka Balzarini

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