Hausberg
Die Marke «Weissenstein» ist dick im Geschäft

Erfolg des Solothurner Hausbergs: «Weissenstein» wird öfter ins Markenregister eingetragen. Sogar die Landi verkauft unter dem Namen schweizweit Kleider. Hergestellt werden sie aber weit weg vom Jurasüdfuss. Ist das überhaupt erlaubt?

Lucien Fluri
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Die Landi-Jacke trägt den Namen Weissenstein

Die Landi-Jacke trägt den Namen Weissenstein

bar/zvg

Der Weissenstein lebt. Mit dem Riesenerfolg der Bahn (über 400'000 Zutritte im ersten Jahr) hat der Berg Schub erhalten. Nicht nur als Tourismusdestination. Der Weissenstein hat sich auch zur Marke entwickelt. Dies zeigt der Blick ins Schweizer Markenregister. Dort wurden rund um den Start der neuen Bahn gleich mehrere Marken eingetragen.

Eine davon fällt auf: Dick im Geschäft ist die Marke «Weissenstein» dank der Landi. Der Detailhändler bietet seit Frühling 2015 eine eigene Outdoor-Linie mit Wanderschuhen oder Jacken namens «Weissenstein» an.

Schweizweit stehen die Produkte in den Filialen. Der Name «Weissenstein» habe in einem internen Brainstorming dank der «positiven Assoziationen» am meisten überzeugt, sagt Mediensprecherin Sonja Schild vom Landi-Hauptsitz in Dotzigen. Offenbar haben sich die Produkte bewährt: «Das Sortiment wurde positiv angenommen. Nach der Lancierung wurden wir regelrecht überrannt», so Schild. Kurzfristig konnten einzelne Produkte gar nicht mehr ausgeliefert werden.

Nicht nur die Landi ist auf den Weissenstein-Boom aufgesprungen. Der rührige Solothurner Gastrounternehmer Dominique Boutellier hat im April 2014 die Marke «Wyssestei» für sein Bier eintragen lassen, auch wenn dieses im Appenzell produziert wird – immerhin mit Hopfen aus Wolfwil und einer Prise «Bergextrakt» von den Jurawiesen. Inzwischen bietet Boutellier noch den Plüschbären namens «Wyssestei-Toni» an.

Wenig erstaunlich sind andere Einträge: Die Seilbahn selbst beansprucht den Namen. Und kürzlich haben die neuen Kurhausbesitzer die Marke eintragen lassen. Und um zu verhindern, dass sich plötzlich unerwünschte Konkurrenz breitmacht, hat der Schwingklub Solothurn im Mai 2015 «Weissenstein Schwinget» registriert.

«Weissenstein» – made in Asia

Homepage-Coup für Tourismusdirektor Jürgen Hofer

Es war schon fast dreist, zumindest in den Augen eingefleischter Solothurner: Als die Ex-Kurhaus-Pächter Brigit Leicht und Heinz Blattmann 2010 den Berg verliessen, nahmen sie gleich noch die Internetadresse weissenstein.ch mit.

Für 10' 000 Franken sei diese zu haben, liessen sie Interessierte wissen – zum Ärger der Player am Berg. Doch jetzt hat das Spiel ein Ende. Seit Ende 2015 gehört die Adresse Region Solothurn Tourismus, wie Direktor Jürgen Hofer auf Anfrage bestätigt. Hofer piesackte es, dass der Name des Hausberges nicht für die Region genutzt werden kann und theoretisch an jeden verkauft werden könnte. Vergangenes Jahr leitete er deshalb beim in Genf ansässigen «Arbitration und Mediation Center» der WIPO (World Intellectual Property Organization) ein Schlichtungsverfahren ein, mit Bezug auf das Markenrecht, das geografische Bezeichnungen wie «Weissenstein» nicht für jede Nutzung zulässt. Zum Verfahren kam es nicht. «Es gab eine aussergerichtliche Einigung», so Hofer.
Hat der Tourismusdirektor jetzt tatsächlich 10'000 Franken bezahlt? «Wir haben Stillschweigen vereinbart», lehnt er Fragen bezüglich Zahlungen ab. Die Lösung, so hält er immerhin fest, «stimmt für beide Partner». Hofer hat inzwischen auch die Domain weissenstein.swiss registrieren lassen, «um zu verhindern, dass wieder ein Schlaumeier auf falsche Gedanken kommt.» Derzeit liegt weissenstein.ch noch brach. «Auf dem Berg ist viel im Umbruch», spricht Hofer die Umbaupläne der neuen Kurhausbesitzer an. «Es ist nicht a priori gesagt, dass Solothurn Tourismus die Homepage nutzen muss», ergänzt Hofer. Er könnte sich vorstellen, dass die Tourismusanbieter auf dem Berg die Homepage gemeinsam führen. «Wichtig ist, dass die Adresse jetzt bei einer Institution ist, die nicht mehr Spekulation damit betreiben will.» (lfh)

Doch spätestens beim Blick auf die Landi- produkte stellt sich die Frage, wer die Marke wie nutzen darf. Denn eines wird schnell klar: Ausser mit der Idee vom Wandern haben die Produkte mit der Region wenig zu tun. Hergestellt werden sie – das zeigen Herkunftsschilder und die Preise – in Europa oder Asien («unter fairen Bedingungen», so die Landi): Trekkingschuhe gibt es für 44.90 Franken, Jacken ab 34.90 Franken.

Wer also darf die Marke nutzen, wer nicht? Wissen muss dies Eric Meier. Doch der Leiter Markenabteilung beim Institut für geistiges Eigentum, kann und will sich nicht explizit zum «Weissenstein» äussern. Denn es läuft noch mindestens ein Gesuch um die Eintragung der Marke.

Grundsätzlich aber gilt, so zeigt der Blick in die Bundesgerichtsurteile: Ein Ortsname wird als Markenname dann problematisch, wenn er Käufern suggeriert, dass das Produkt auch dort hergestellt wird, dies aber gar nicht der Fall ist.

So verbot es das Bundesgericht einem Rucksackanbieter, die Marke Colorado einzutragen, weil die Produkte nicht in den USA hergestellt werden. Das Gericht fand: Dem Schweizer Konsumenten sei durchaus bekannt, dass «Colorado» ein US-Bundesstaat ist. Er könnte also fälschlicherweise annehmen, das Produkt stamme von dort.

Weniger problematisch ist es, wenn ein Ortsname wenig bekannt ist. So erlaubte das Bundesgericht die Eintragung der Marke «Yukon». Dass dies ein geografisches Gebiet in Kanada ist, sei in der Schweiz zu wenig bekannt. Unproblematisch ist ein Ortsname auch, wenn er so symbolisch ist, dass das Publikum dies erkennt: Ein Bunsenbrenner darf «Ätna», ein Kühlschrank darf «Südpol» heissen. Niemand würde annehmen, dass die Produkte dort produziert wurden.

«Wir können nichts machen»

Dass ganz oben auf dem Weissenstein keine Kleider hergestellt werden können, dürfte klar sein. Der Berg könnte aber als Symbol für die ganze Region gelten. Markenspezialist Meier macht ein Beispiel. «Niemand erwartet, dass etwa Kleider mit der Marke Matterhorn auf dem Matterhorn produziert werden.

Aber es besteht die Erwartung, dass die Kleider zumindest aus der Schweiz stammen. Schliesslich ist das Matterhorn ein Wahrzeichen.»
Sind Kleider aus Asien unter den Namen Weissenstein also nicht doch heikel? Das müsste ein Gericht prüfen – jeder Fall ist anders.

Dass die Marke im Register eingetragen ist, bedeutet zumindest noch nicht allzu viel: Geht ein Gesuch ein, prüft das Institut, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. «Wir prüfen aber nicht, wie die Marke später verwendet wird», sagt Meier. Da müsste schon jemand klagen. Keine Sorgen hegt man bei der Landi: «Wir haben diese Situation bei der Eintragung überprüft», heisst es auf Anfrage.

Unproblematisch sind gewiss die ältesten Markeneinträge zum Weissenstein: Die Gemeinschaftsantenne Weissenstein, nur in der Region aktiv, hat den Namen bereits 2006 eingetragen. Den ältesten noch aktiven Eintrag besitzt übrigens seit Dezember 2003 das Solothurner Goldschmiedeatelier Schnider&Hammer. Mit seinen Ringen, oft mit dem charakteristischen Blumenmuster, trägt es den Namen Weissenstein in die ganze Welt. Die Linie wird über Juweliere auch in Holland oder Amerika vertrieben. «Alles wird in Solothurn hergestellt», bestätigt Mitinhaber Wolfgang Schnider.

Tourismusdirektor Jürgen Hofer ist zwar erfreut, dass die Marke Weissenstein zieht. Ob ein Produkt gelungen ist und der Tourismusdestination hilft – oder eben nicht: Hofer kann daran nichts ändern. «Wir können jedoch nichts dagegen machen, wenn jemand die Marke nutzen will», hält er den rechtlichen Stand fest. «Wichtig ist deshalb, dass die touristischen Akteure am Berg einen starken gemeinsamen Auftritt haben.»