Kunstmuseum Solothurn
Die Malerei steht an der kantonalen Jahresausstellung im Zentrum

Trotz Misstönen von letzter Woche wurde im Kunstmuseum Solothurn die alljährlich stattfindende Kantonale Jahresausstellung eröffnet. Historisch wenige Arbeiten sind zu sehen, umso mehr bekommen sie Präsenz und Gewicht in den Räumen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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30. Kantonale Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn
17 Bilder
 Dimitra Charamanda porträtiert ihren Vater: «Troubled Waters».
 Nancy Wälti: «Working poor».
 Roshan Adhihetty fotografierte «Nacktwanderer» und wanderte mit.
 Fraenzi Neuhaus mit neuen Installationen «Zu Struktur finden».

30. Kantonale Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn

Hansjörg Sahli

Viel Aufregung um die diesjährige, die 30. Kantonale Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn schon im Vorfeld. In einer Petition machte sich eine Gruppe von Kunstschaffenden Luft darüber, dass die Kantonale Jahresausstellung, die alternierend von den Kunstvereinen Solothurn und Olten durchgeführt wird, immer mehr zu einer «Selbstinszenierung der Juroren» würde, statt eine Bühne für das kantonale Kunstschaffen des vergangenen Jahres zu sein. 76 unterzeichnende Künstlerinnen und Künstler forderten, dass alle Jahre oder auch alle zwei Jahre eine grosse Übersichtsausstellung, die gleichzeitig in den Kunstmuseen Solothurn, Olten und Grenchen durchgeführt würde, in Betracht gezogen werden müsse. Denn nach dreissig Jahresausstellungen sei es an der Zeit, den Modus und die Vorgehensweisen zu überdenken.

Irritiert nahm der Vorstand des Kunstvereins Solothurn diese Eingabe zur Kenntnis, liess sich aber von seinem bisherigen Vorgehen, die Jahresausstellung von einer vierköpfigen Jury zu kuratieren, nicht abbringen. Kunstverein-Präsident Arjuna Adhihetty: «Tatsächlich ist die diesjährige Ausstellung mit nur rund einem Fünftel aller eingereichten Arbeiten streng bewertet.» Doch wolle man ein hohes Niveau halten. «Ich bin überzeugt, das bringt den Kunstschaffenden und dem Publikum mehr», meint auch Vorstandsmitglied Fränze Aerni und sie sagt noch: «Wir sind ein Verein mit einer Generalversammlung. Vorschläge können gerne dort eingebracht werden.»

Die Jury 2014 setzte sich aus Anne Bürkli und Christine Ern, als Vertreterinnen des Kunstvereins Solothurn, sowie dem Künstler Anders Guggisberg (Zürich) und Giovanni Carmine, Direktor der Kunsthalle St. Gallen, zusammen. «Jedes Jahr soll ein Mitglied der eidgenössischen Kunstkommission in unserer Jury mitwirken», erklärt Adhihetty. «Carmine ist in diesem Jahr dieser Mann.»

Es sei eine grosse und anspruchsvolle Arbeit gewesen, aus rund 700 eingereichten Arbeiten diejenigen auszuwählen, die nun zu sehen sind, schreibt
Jury-Präsident Carmine. «Man könnte sagen, dass die Jury sehr streng war. Es war aber ein bewusster Entscheid, eine Ausstellung anzustreben, die den Werken viel Raum lässt, im Wissen, dass eine solche Veranstaltung kein genaues – sozusagen wissenschaftlich geprüftes – Abbild der aktuellen solothurnischen Kunstszene bieten kann.» Es sei eben nur eine Momentaufnahme, partiell und eine, mit der sich alle Jurymitglieder identifizieren könnten, so Carmine weiter.

Viel Kunst

Zu sehen bekommt man in dieser Jahresausstellung dennoch viel Kunst. Es fällt auf, dass besonders die jüngere Künstlergeneration sich meist in Malerei ausdrückt. Zu erwähnen sind beispielsweise die Arbeiten von Dimitra Charamanda (*1988), Adrien Jutard (*1979) oder Maja Rieder (*1979). Malkunst aber auch von Jill Wäber (*1945): «Am Meer» heisst ihre Arbeit, die viel Routine verrät.

Mit Christoph Hess und seinem verfremdeten Plattenspieler, Jan Hofstettlers riesigem Stein, direkt an die Wand gemalt oder Daniel Gaemperles grossflächigen Acyril-Bildern sind auch diesjährige Förderpreis- respektive der Spartenpreisträger bildende Kunst des Kantons Solothurn vertreten.

Schön, eine neue Installation von Sonja Friedrich mit dem Titel «Werft» zu sehen, Blätter Pavel Schmidt, Otto Lehmann, Arbeiten von Lex Vögtli, Elisabeth Strässle und natürlich Franz Anatol Wyss. Zum ersten Mal zu sehen sind fünf kleine Ölbilder von Helen Fricker (*1963) mit dem Titel «Wild» oder die grossformatigen Gemälde von Anton Fluri (*1958), der in Irland lebt und für uns fremdartig anmutende Motive auf die Leinwand bringt. Aufsehen erregen werden die «Nacktwanderer», eine Fotoserie von Roshan Adhihetty (*1990). Er begleitete eine fast nackte Männerwandergruppe bei ihren Ausflügen in die fast unberührte Natur – romantisierend verschroben.

«Handkuss» im Untergeschoss

Zum vierten Mal wird in der Solothurner Jahresausstellung das sogenannte «Freispiel» zelebriert. Vier junge Künstler können auf Einladung einen der Untergeschoss-Räume im Kunstmuseum bespielen. Kuratiert wurde diese Schau zum ersten Mal von Fränze Aerni. «Zum Handkuss» kommen diesmal das Künstlerduo Frölicher/Bietenhader, Flo Kaufmann und Gergana Mantscheva. Frölicher/Bietenhader (Selina Frölicher ist Bürgerin von Oberdorf) setzen sich in ihren Arbeiten mit Raum und dessen Wahrnehmung auseinander. Per Videoinstallationen schaffen sie ein vielschichtiges Universum, das sinnlich erlebbar wird. Der Solothurner Flo Kaufmann bezeichnet sich selbst als «Universalbastler». Er stellt verschiedene Stelen in den Raum, die alle abwechselnd 1,8 Sekunden, also einen Herzschlag lang, beleuchtet werden. Darauf zu sehen sind seine selbst geschaffenen Keramik-Schallplatten, die abspielbar wären.

Gergana Mantscheva setzt sich mit ihrer Herkunftsstadt, der rumänischen Hauptstadt Sofia, auseinander. Neu arbeitet sie auch mit Fotomaterial, fühlt sich aber in der Malerei nach wie vor zu Hause. Entsprechend meisterlich sind ihre grossformatigen Arbeiten mit tristen Plattenbauten, die bei näherem Hinsehen doch die grosse Sensibilität der Künstlerin mit den Menschen ihres Herkunftslandes aufdeckt. Leben im genormten Plattenbau, sterben im genormten Urnengrab – das beschäftigt Mantscheva derzeit, und dazu gibt sie ein künstlerisch-politisches Statement ab.

Am Samstag wurde an der Vernissage der Jahresausstellung auch der diesjährige Auszeichnungspreis des Kunstvereins und der Stadt Solothurn übergeben. Dieses Jahr geht der Preis an Jan Hostettler für seine Wandmalerei «Restmasse».

30. Kantonale Jahresausstellung. Kunstmuseum Solothurn. Bis 4. Januar 2015. Öffentliche Führung: So, 30. Nov., 11 Uhr.

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