Solothurner Literaturtage

Die Literaturtage-Macherin ist nervös

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Reina Gehrig ist nervös. In wenigen Tagen stellt die neue Leiterin der Solothurner Literaturtage ihr erstes Programm vor. Eine Revolution wolle in Solothurn niemand, sagt Gehrig. Mit ihrem Engagement finde aber automatisch eine Verjüngung statt.

Schwarze Tische, silbrige Computer von Apple und Regale aus blankem Metall. Im Büro der Solothurner Literaturtage könnte auch ein kreatives Start-up-Unternehmen arbeiten. Und Reina Gehrig, schwarze Kleider, Sportschuhe, und früher schon mal Schafhirtin auf der Alp, ändert an diesem Bild nichts.

Seit Anfang September ist die 31-Jährige Gesamtleiterin der Solothurner Literaturtage. «Kaffee?», fragt sie mit breitem Bern-Solothurnischem Akzent und setzt den Espressokocher auf die kleine Herdplatte.

Ihr Lachen ist ansteckend. «Ja, klar. Ich bin nervös», sagt Gehrig. Nächsten Donnerstag präsentiert sie ihr erstes Literaturtage-Programm. «So viele Schweizer Autoren habe ich noch nie gelesen wie im letzten Halbjahr», sagt die Solothurnerin, die am Abend vor ihrem Maturaufsatz noch die Literaturtage besuchte und dabei zufällig einen ihr unbekannten älteren Mann kennen lernte, der der Schriftsteller Klaus Merz war. «Vielleicht hätte ich wegen der Matur an diesem Abend nicht so lange bleiben sollen», lacht Gehrig.

Geschadet hat es auch nicht: Nach der Matur studierte sie Kunstgeschichte und Germanistik in Bern, sammelte Erfahrungen unter anderem beim Berner Theatertreffen «auawirleben» oder beim Festival «Afrique Noire» und organisierte den «Kulturherbst in Winterthur».

Nur mit Literatur hatte keines ihrer Kulturengagements zu tun – bis im letzten Sommer das Telefon klingelte. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte Gehrig als neue, vorerst auf zwei Jahre befristete engagierte Gesamtleiterin zu. «Vom Projektablauf her ist vieles gleich wie bei den anderen Kulturfestivals», sagt sie heute.

Beim Programm entscheide die Programmkommission als Team. Jedes Buch ist von mindestens zwei Personen gelesen worden. «Wir mussten wirklich eine Auswahl treffen», sagt Gehrig. Dank der Schweizer Präsenz als Gastland an der Buchmesse in Leipzig sei die Palette breit gewesen.

«Ich bin eine Macherin»

Keck hat Gehrig die ersten Journalistenfragen nach dem abrupten Abgang ihrer Vorgängerin pariert: Hingehen und den Computer einschalten, hat sie auf die Frage geantwortet, was sie mit den Literaturtagen zuerst tun werde. «Ich bin eine Macherin», sagt Gehrig. Und nach einem halben Jahr ist dies noch immer ihr Credo. Statt grosser Konzeptumwälzungen setzt sie auf kleine Veränderungen. «Ich entscheide jeden Tag so viel.» Selbstverständlich, unbewusst und unkompliziert ergebe sich so mit der Zeit ihre eigene Handschrift. In der Organisation hat sie Unterstützung vom Kulturpublizisten Beat Mazenauer und dem Solothurner Autor Franco Supino, mit denen sie die Geschäftsleitung bilde, – und von Rico Engesser, Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle.

Reina Gehrig spricht aber auch von «früher» und von der langen Tradition bei den Literaturtagen, die sie spürt – sie ist froh, dass ihr Leute sagen, wie es gewesen sei. «Die grosse Revolution ist in niemandes Interesse», sagt Gehrig. «Jung und neu», sieht sie durchaus als Vorteil. Herzblut und Energie ebenso. Noch immer sei das Lesen kein Zwang, sondern das «Schönste» am Beruf. «Auch wenn ich in den letzten Wochen nur wenig dazu gekommen bin.» Sie pendelt zwischen ihrem Wohnort Schaffhausen und dem Arbeitsort Solothurn, wo sie ein Gästezimmer hat. – Ihre Eltern wohnen noch immer in der Region.

Verjüngung ist ein Thema

Die geforderte Verjüngung der Literaturtage, wie sieht die jetzt aus? Laut lacht sie, macht staunende Augen und sagt: «Ja vielleicht bin ich ja die Antwort.» Ganz einfach, hey, was fragst du. Und dann deutet Gehrig doch noch an, dass auch das Programm oder der grafische Auftritt ein jüngeres Publikum ansprechen könnte.

Zu viel will sie aber noch nicht verraten, sie möchte die Überraschung bis zur öffentlichen Präsentation aufheben. «Es ist wichtig, dass der Diskurs zur Schweizer Literatur in Solothurn stattfindet», sagt sie noch. Die grosse Publikumsöffnung, wie sie die Filmtage gemacht hätten, sei «rein von den Ressourcen her nicht möglich». Mit Aussenpodien und Schülerprogrammen seien die Literaturtage aber breit abgestützt.

Fünf Orte, die in fünf Minuten erreicht werden können, «und dazwischen noch ein Kafi im ‹Kreuz›», das sind für Gehrig die grossen Vorteile am kleinräumigen Standort Solothurn. Stolz ist sie, dass Solothurn am Olma-Umzug mit den Literaturtagen als Leuchtturm aufgetreten ist. «Die Literaturtage sind den Solothurnern nicht gleichgültig. Das ist ein Geschenk, bei dem sich andere Städte etwas abschneiden könnten», sagt sie. Nun wartet sie gespannt, welche Reaktionen ihr neues Programm nächste Woche auslösen wird.

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