Zum Jahresende werden wir mit Jahresrückblicken nahezu überschwemmt. Keine Zeitung, kein Radiosender, die das Geschehen des vergangenen Jahres nicht zusammenfassen. Mir fällt dabei immer auf, wie schnell ich vergesse. An Ereignisse, die zu Jahresbeginn relevant erschienen, erinnere ich mich im Dezember zum Teil nur noch vage. Aber was passiert, wenn wir einmal richtig zurückschauen, Jahre zurück. Ich nehme für meine persönliche Ereigniserinnerung gerne alte Agenden hervor. Die Geschichtsschreibung hat dazu ihre Chroniken. In der Schweiz ist das föderal geregelt, es gibt Chroniken für jeden Kanton.

Erst kürzlich habe ich einen Blick in die Solothurner Chronik des Jahres 1978 geworfen. Es war spannend zu erfahren, dass bereits damals über heute immer noch aktuelle Themen wie autofreie Sonntage, die Sommerzeit, Kanton Jura, das Rentenalter oder eine AHV-Revision abgestimmt wurde. Dem Kanton Solothurn kam zudem eine besondere Bedeutung zu, denn in dem Jahr wurde die Schweiz von einem Solothurner präsidiert. Daneben stiess ich auf einige Trouvaillen. So erfuhr ich, dass in Solothurn die längste Züpfe der Welt (13,16 m) verzehrt wurde und Sophia Loren für Dreharbeiten in der Stadt war. Nur eines wurde in dieser Chronik nicht erwähnt: Die Gründung der Solothurner Literaturtage von einer Gruppe um den Autor Otto F. Walter. Die Generalversammlung, die das Treffen der Schweizer Autorinnen und Autoren in Solothurn initiierte.

1978 bis 2018: richtig, 40 Jahre. Wir stehen vor einem Jubiläum, und das soll gefeiert sein. Wie seit Beginn nehmen wir die ursprüngliche Idee, Lesende und Schreibende zusammenzubringen, sehr ernst: Die Literatur soll zu den Menschen gelangen. Die Solothurner Literaturtage wurden gegründet, weil eine Gruppe Autorinnen und Autoren das Gefühl hatte, die Literatur sei nicht etwas, das im Verborgenen und Privaten stattfinden soll, sondern mitten unter uns und für uns. Dort entfaltet sie jene gesellschaftliche Wirkung und jene künstlerische Kraft, ohne die unser Land um einiges ärmer wäre. Und wir wollen in diesem Jubiläumsjahr ganz besonders für Solothurnerinnen und Solothurner da sein und mit Literatur in unkomplizierter, persönlicher Atmosphäre präsent sein.

Wir werden im Vorfeld in Geschäften, Kulturlokalen, im Kunstmuseum und Hinterhöfen Lesungen veranstalten. Auch für Sie, liebe Solothurnerinnen und Solothurner. Und möchten uns so bei der ganzen Stadt Solothurn bedanken, die die Literaturtage beherbergt. Ohne die Identifikation und Mitarbeit der ganzen Stadt wären unsere drei schönen Tage gar nicht möglich.

Wir freuen uns auf das Jubiläumsereignis mit Ihnen.
Und hoffen, dass das 40-Jahr-Jubiläum der Solothurner Literaturtage in der Chronik 2018 erscheinen wird.

*Die Autorin ist Leiterin der Solothurner Literaturtage.