Wie stark setzen Hitze und Trockenheit der Solothurner Landwirtschaft zu? Peter Brügger, kantonaler Bauernsekretär und Landwirtschafts-Kenner schlechthin, relativiert: «Hitze und Trockenheit sind für alle Menschen grundsätzlich gleich.» Vielmehr seien sich die Landwirte das Arbeiten in und mit der Natur viel stärker gewöhnt als Menschen, die in anderen Wirtschaftszweigen arbeiten und könnten daher auch besser damit umgehen.

So sei auch der Mehraufwand, der aus der aktuellen Hitze und Trockenheit resultiert, eigentlich gering. «Auch in Phasen, in denen es viel regnet, ergibt sich daraus ein Mehraufwand», so Brügger. Jede Witterung bringe eben ihre eigenen Herausforderungen für die Landwirte mit sich.

Salat und Gemüse brauchen Bewässerung

Auf einen anderen Aspekt macht Paul Müller, stellvertretender Geschäftsführer des Müller-Hofes in Niederbuchsiten, aufmerksam: Wegen der Hitze müssen Salat und Gemüse, welche auf ihrem Hof primär angebaut werden, viel stärker und öfter bewässert werden. Dies führe zu einem beträchtlichen Mehraufwand. Aber auch die Viehzucht werde anstrengender. Wenn sich die Tiere öfters im Stall aufhalten müssen, um sie vor der Hitze zu schützen, erfordere dies einen stärkeren Kontrollaufwand, wie Peter Schenker vom Schenkerhof in Däniken berichtet.

Und wie steht es um die Ernte? Wird diese unter den jetzigen Wetterbedingungen leiden? Bauernsekretär Brügger beruhigt: «Die Trockenheit hat dieses Jahr viel später eingesetzt als letztes Jahr.» Die Getreidefelder hätten daher nicht gelitten – wenn es anschliessend auch wieder regnen werde. Ob und wie sich Hitze und Trockenheit letztlich auf den Ernteertrag auswirken würden, sei von der Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten abhängig. Eine Einschätzung sei heute noch nicht möglich, so Brügger.

Aufseiten der Landwirte besteht diese Sorge natürlich: «Die Lage ist prekär», so Gemüsebauer Paul Müller. Gerade für sie als Gemüse- und Salatbauern sei die Hitze ein grosses Problem. Wenn es so weitergehe, sei mit Mindererträgen – besonders bei den Rüebli – und Qualitätseinbussen zu rechnen. Eine drohende Entwicklung, die den Landwirten zunehmend Sorgen bereitet. Wie Müller schildert, seien Temperaturen bis zu 30 Grad noch einigermassen auszuhalten. So sei ein regulärer Betrieb jedenfalls noch zu gewährleisten. «Ab 30 Grad jedoch spürt man jedes zusätzliche Grad noch viel intensiver» – ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen auf die Ernte. Dem pflichtet auch Peter Schenker bei, der Mehrkosten in der Viehzucht befürchtet, wenn durch Ernteausfälle ein Vielfaches an Futtermittel zugekauft werden muss. Alleine aufgrund dessen sind beispielsweise auf dem Schlatthof in Wolfwil «im letzten Jahr Mehrkosten «von mehreren 10'000 Franken» entstanden, wie Erwin Ackermann auf Anfrage berichtet.