Kanton Solothurn
«Die Lage ist momentan labil»: Der Kantonsarzt zu Maskenpflicht, Grippesaison und eine mögliche zweite Welle

Mit Blick auf den Herbst hat sich der Kanton Solothurn für eine Maskentragepflicht in den Läden entschieden. Kantonsarzt Lukas Fenner erklärt im Interview, wie er die aktuelle Lage einschätzt und wie sich der Kanton auf die Grippesaison vorbereitet.

Interview: Rebekka Balzarini
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«Die Lage ist momentan labil.»

«Die Lage ist momentan labil.»

Hanspeter Bärtschi

340 Neuansteckungen vermeldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag für die Schweiz und Liechtenstein, 21 Neuansteckungen vermeldete der Kanton Solothurn. Dem will das hiesige Gesundheitsamt nun entgegenwirken: Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen gilt in der Region ab nächstem Donnerstag, dem 3. September, eine Maskentragepflicht in Läden und Einkaufszentren. Die Maskenpflicht gilt für sämtliche Personen ab 12 Jahren. Das gab der Kanton am Freitag bekannt.

Der Solothurner Kantonsarzt und Epidemiologe Lukas Fenner nimmt im Interview Stellung zu den aktuellen Entwicklungen und spricht darüber, wie gut der Kanton auf die kommenden Herbstwochen vorbereitet ist.

Lukas Fenner, national steigen die Fallzahlen an, auch im Kanton Solothurn wächst die Zahl der Personen, die sich mit Covid-19 angesteckt haben. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Lukas Fenner: Die Lage ist momentan labil und könnte sich weiter verschlechtern. Um ein Bild von der aktuellen Lage zu erhalten, dürfen wir uns aber nicht nur auf die Fallzahlen konzentrieren, sondern wir müssen eine Gesamtbetrachtung anstellen und weitere Faktoren miteinbeziehen. Etwa die kühleren Temperaturen, welche die Herbstmonate mit sich bringen. Das Leben verlagert sich wieder nach innen, und in Innenräumen verbreitet sich das Virus aus verschiedenen Gründen leichter. Das führt dazu, dass die Ansteckungsgefahr steigt. Zusätzlich hat der Bundesrat entschieden, ab dem 1. Oktober Veranstaltungen mit über 1000 Personen wieder zu erlauben. Das sind alles Faktoren, die wir bei unserer Entscheidung miteinbezogen haben.

Die Maskenpflicht gilt ab dem 3. September, das ist ein Donnerstag. Wieso nicht schon ab Montag?

Es ist wichtig, dass die verschiedenen Akteure genügend Zeit haben, um sich auf die neue Regel einzustellen. Für den Pandemieverlauf sind einige Tage letztendlich nicht entscheidend.

Im Oktober rollt auch die Grippewelle wieder an. Was bedeutet das für den Kanton?

Zu der Coronaepidemie wird auch noch die saisonale Grippeepidemie kommen. Wir werden deshalb eine kantonale Kampagne durchführen und auf die Grippeprävention aufmerksam machen. Der grosse Unterschied zwischen den beiden Erkrankungen ist, dass man sich gegen die Grippe impfen kann. Die übrigen Präventionsmassnahmen bei der Grippe und bei Covid-19 sind gleich. Unter anderem kann man sich mit regelmässigem Händewaschen und mit Abstand halten schützen, sowie mit einer Maske, falls nicht genügend Abstand gehalten werden kann.

Wie gut ist der Kanton auf eine mögliche zweite Welle im Herbst vorbereitet?

Wir haben die Sommermonate genutzt, um uns auf den Herbst vorzubereiten. Wir haben mehr Schutzmaterial wie Hygienemasken erhalten und haben das kantonale Pandemielager ausgeweitet. Ausserdem werden die Solothurner Spitäler AG als systemrelevantes Spital ihr Pandemielager mit Schutzmaterial und Medikamenten ebenfalls aufstocken.

Die Hausärztinnen und Hausärzte sind in den nächsten Wochen ebenfalls gefordert. Wie gut läuft die Zusammenarbeit mit den Hausarztpraxen?

Der kantonsärztliche Dienst ist sehr bemüht, mit den Hausärztinnen und Hausärzten in der Grundversorgung zusammenzuarbeiten. Für den Wissensaustausch haben wir in den letzten Monaten mehrere Webinare organisiert, die auf grosses Interesse gestossen sind.

Mittlerweile ist bekannt, dass Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, noch sehr lange mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Wie geht der Kanton damit um?

Über die Langzeitfolgen einer Erkrankung ist noch sehr wenig bekannt. Trotzdem ist das Thema für uns relevant. Andere Kantone konnten schon mehr Erfahrungen machen, unter anderem der Kanton Waadt. Anhand dieser Erfahrung konnten wir etwa feststellen, dass der Rehabilitation von Patienten eine grosse Bedeutung zukommt. Unter anderem deshalb haben wir die Reha-Klinik in Heiligenschwendi im Kanton Bern auf unsere Spitalliste genommen. Die Klinik ist auch auf Lungen-Rehabilitation spezialisiert.
Hinweis

Der Kanton Solothurn informiert auf der Seite corona.so.ch über die aktuellsten Entwicklungen.