Abgeltungssteuer
Die Kosten sind auch für kleinere Banken in Millionenhöhe

Für kleinere Banken sind die Kosten für die Umsetzung der Abgeltungssteuer überproportional hoch. Trotz des im Vergleich zu den Grossbanken kleinen Anteils ausländischer Bankkunden muss das Regelwerk vollumfänglich eingehalten werden.

Franz Schaible
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Um das Bankgeheimnis zu retten, setzt die Schweiz auf die Einführung einer anonymen Abgeltungssteuer.

Um das Bankgeheimnis zu retten, setzt die Schweiz auf die Einführung einer anonymen Abgeltungssteuer.

Keystone

Die Überraschung diese Woche war gross. Die drei Referenden gegen die Steuerabkommen mit Deutschland, Österreich und Grossbritannien sind gescheitert. Aus Schweizer Sicht ist der Weg nun frei für die Einführung der Abgeltungssteuer auf 2013.

Zeit für Einführung des Steuerabkommens ist kapp

Jetzt kann nur noch Deutschland das Abkommen verhindern. Der definitive Entscheid wird gegen Ende November erwartet. Die Zeit bis zur Einführung des Steuerabkommens ist also sehr knapp. Deshalb haben die Banken trotz Ungewissheit bereits vor Monaten begonnen, sich auf die Umsetzung des mehrere hundert Seiten umfassenden Regelwerks vorzubereiten, wie eine Umfrage unter Banken in der Region zeigt.

«Wir sind bereit und können nur noch auf den Knopf drücken», sagt Urs Pfluger, Leiter Kunden und Vertrieb sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Baloise Bank SoBa. «Unsere Vorbereitungen sind bereits weit gediehen», erklärt auch Bernhard Curchod, Leiter Finance Center und Anlagechef bei der Solothurner Regiobank.

Die Kosten für die Übung sind gross

Dass die ganze Übung viel kostet, liegt auf der Hand. Die schweizerische Bankiervereinigung schätzt den Aufwand für den Finanzplatz Schweiz auf rund 500 Millionen Franken. «Wir rechnen mit mehreren 100000 Franken», erklärt SoBa-Manager Pfluger.

Deutlich höher veranschlagt die Berner Kantonalbank (BEKB) die Kosten. «Die Umsetzung der neuen regulatorischen Anforderungen kostet uns mehreren Millionen Franken», erklärt BEKB-Sprecherin Catherine Duttweiler. Dabei gehe es vorab um nötige Investitionen in die Informatik und in die Neuorganisation von internen Abläufen.

Die Kostenhöhe sei schwierig abzuschätzen, meldet Curchod von der Regiobank. Man arbeite mit einer Informatikplattform zusammen, die für mehrere Banken die technische Implementierung vornehme. Der Verteilschlüssel für die Mitgliedsbanken sei noch offen. «Wir rechnen aber mit einem hohen fünfstelligen bis tiefen sechsstelligen Betrag.»

Banken führen höhere Gebüren ein

Gemessen an der Höhe der verwalteten Vermögen ausländischer Kunden sind die Kosten für regional tätige Geldinstitute überdurchschnittlich hoch. So liegt der entsprechende «Ausland-Anteil» bei der Regiobank bei unter 2,5 Pozent und bei der Berner Kantonalbank unter 5 Prozent. Die Bank SoBa nennt keine Zahl, Urs Pfluger spricht aber von «einem vernachlässigbaren Anteil».

Um die Mehrkosten teilweise kompensieren zu können, haben die Banken höhere Gebühren eingeführt. So erhebt die Berner Kantonalbank seit Anfang Oktober eine monatliche Grundgebühr von 10 Franken für Kunden mit Wohnsitz ausserhalb der Schweiz und für Kunden aus den USA von 30 Franken, wie Duttweiler ausführt. Den Unterschied begründet sie mit dem noch deutlich höheren Aufwand durch das US-amerikanische Regelwerk Fatca.

Seit Anfang Jahr verlangt die SoBa für ausländische Kunden eine Gebühr von 30 Franken pro Monat für Konten bis 50000 Franken. «Ab 1.Januar 2013 werden wir diese Gebühr unabhängig von der Höhe der Vermögenswerte für alle unsere Kunden mit Wohnsitz im Ausland einführen», sagt Pfluger.

Darüber noch nicht entschieden hat die Regiobank Solothurn. Es handle sich ja um Mehrkosten einmaliger Natur, deshalb werde man voraussichtlich keine neue Gebühr erheben, berichtet Bernhard Curchod. Für die aufwendigere Aufarbeitung der rückwirkenden Besteuerung des Altbestandes werde man aber die Kunden belasten (siehe Kasten).

Auflösung der Beziehungen mit Kunden als Alternativlösung

Die «kostengünstigste Lösung» wäre die Auflösung der Beziehungen mit Kunden, die im Ausland wohnhaft sind, wie dies viele Schweizer Banken mit US-Amerikanern bereits tun. «Es ist für uns keine Alternative, wenn uns die Kunden bestätigen, dass ihr Vermögen deklariert ist», hält Catherine Duttweiler für die BEKB fest.

Obwohl Kunden mit Wohnsitz im Ausland definitiv nicht zum Kerngeschäft gehörten, stehe man zu ihnen. Die BEKB habe viele Auslandschweizer als Kunden, die teils nur temporär im Ausland weilten. «Es wäre unfair, diese fallen zu lassen.» Ähnlich argumentiert Urs Pfluger für die SoBa. Dagegen stelle eine Auflösung der entsprechenden Kundenbeziehungen für die Regiobank durchaus eine Variante dar, lässt Bernhard Curchod durchblicken. «Der Verwaltungsrat wird an seiner nächsten Sitzung über die künftige Strategie entscheiden.»