«Wätterschmöcker»

Die Klimaerwärmung vermiest den Hubel-Meteorologen die Quote

Ruedi Luterbacher, «Regent» der Hubel-Meteorologen.

Ruedi Luterbacher, «Regent» der Hubel-Meteorologen.

Den heissen und trockenen Sommer hatten die Solothurner «Wätterschmöcker» nicht vorausgesagt. Schuld daran sei die Klimaerwärmung.

Es war ein Sommer zum «Verlaufen». Wer konnte, suchte die Rettung im kühlen Nass oder am Glacestand. Aufgrund der extremen Trockenheit musste der Kanton Solothurn sogar ein Feuerverbot in Waldesnähe erlassen, das den grössten Teil des Sommers über Bestand hatte.

Vorausgesehen hatten diese Extremperiode so die wenigsten. Auch nicht die fünf Hubel-Meteorologen aus Lohn-Ammannsegg. Im Wald und auf Wiesen, bei Tier und Pflanzen suchen und deuten sie Hinweise auf das Wetter. Selbstzweifel würden wegen der falschen Prognosen aber nicht aufkommen, sagte «Regent» Ruedi Luterbacher gegenüber «TeleM1»: «Wir können voraussagen, dass es heiss werden wird. Aber ob die Feuerwehr auf Pikett kommen muss oder ob es ein Feuerverbot im Wald geben wird, das vorauszusagen, wäre einfach eine Lotterie.»

Wetterschmöcker lagen voll daneben

Wetterschmöcker lagen voll daneben

Der Sommer 2018 wird auf Platz 3 der heissesten Sommer seit Messbeginn landen. Die Wetterschmöcker haben jedoch mit einem nassen Sommer gerechnet.

Zwei der fünf «Solothurner Wätterschmöcker» haben laut Luterbacher dieses Jahr komplett versagt. Schuld daran sei die Klimaerwärmung. Diese würde Pflanzen und Tiere und damit auch die Messsysteme der naturbezogenen Meteorologen verändern. «Herauszufinden, welchen Einfluss die Klimaerwärmung auf das Wetter hat, ist schwierig. Aber wir stellen uns der Herausforderung», so Luterbacher.

Normalerweise besser unterwegs

Ende Jahr schauen die fünf Meteorologen jeweils zurück und analysieren ihre Prognosen. Im Schnitt liege die Trefferquote bei über 70 Prozent. 2017 lag sie im Schnitt sogar bei 77 Prozent, womit die «Wätterschmöcker» einen Rekord aufstellten. Am besten schlug sich damals Paul Halter mit einer Trefferquote von 86 Prozent.

Das sind die fünf Hubel-Meteorologen (v.l.): Manfred Burki, Ernst Schaller, Erhard Luterbacher, Paul Halter, Ruedi Luterbacher.

Das sind die fünf Hubel-Meteorologen (v.l.): Manfred Burki, Ernst Schaller, Erhard Luterbacher, Paul Halter, Ruedi Luterbacher.

Diesen Schnitt wird man dieses Jahr kaum halten können. Um die Quote noch nach oben zu korrigieren, ist Luterbacher derzeit für die Winterprognose im Wald unterwegs. Ob es denn weisse Weihnachten geben wird? «Das darf ich noch nicht sagen.»

Muotathaler lag komplett daneben

Im Sommer sintflutartige Regenfälle prognostiziert hatte der legendäre Muotathaler Wätterschmöcker Martin Horat. Die Erklärung hat der 74-Jährige jedoch direkt bei der Hand: «Die Ameisen haben mich im Frühling im Stich gelassen.» So habe er die langen Beine seiner Forschungsgegenstände falsch gedeutet. «Ich dachte, dies würde darauf hindeuten, dass es einen nassen Sommer geben würde. Mit den langen Beinen werden sie nicht ertrinken.» Stattdessen wären sie, wie er im Nachhinein feststellte, ein Zeichen dafür gewesen, dass es heiss werden würde. Denn so hätten sich die Tiere nicht den Bauch verbrannt, als sie über die heissen Steine gelaufen sind.

«Ich bin aber auch erst am Anfang meiner Forschung», meint Horat. Es würde wohl noch an die 40 Jahre dauern, bis man das Alltagswetter voraussagen könne.

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