Kita-Serie
Die Kita als Entlastung: «Ich habe gespürt, dass ich alleine mit den Kindern an den Anschlag komme»

Nicole Schmidlin aus Oensingen hat fünf Kinder. Sie arbeitet zwar nicht, gibt ihre jüngste Tochter aber trotzdem mehrmals pro Woche in eine Krippe. Sie findet: Diese Stütze sollten sich mehr Mütter zugestehen. Es hilft gegen Überlastung.

Noëlle Karpf
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Nicole Schmidlin mit dem jüngsten ihrer fünf Kinder: Die sechsjährige Nayla.

Nicole Schmidlin mit dem jüngsten ihrer fünf Kinder: Die sechsjährige Nayla.

Noëlle Karpf

Herr Schmidlin arbeitet 100 Prozent. Frau Schmidlin ist Hausfrau. Sie haben fünf Kinder. Klassisches Familienmodell? Nicht ganz. Die 48-Jährige arbeitet seit sechs Jahren zwar nicht mehr, gibt ihre Jüngste Tochter aber in die KiTa. Die zwei ältesten Kinder sind schon erwachsen, die drei jüngeren im Primarschulalter. Schmidlin hat dementsprechend eine Menge zu tun. Besonders anstrengend war es, als die Kinder im «Windelalter» waren. So entschloss sich die fünffache Mutter, die beiden Jüngsten – zwei Mädchen – in die KiTa zu geben, die praktisch vor ihrer Haustüre liegt. Mittlerweile geht noch die Jüngste, die sechsjährige Nayla, zwei Halbtage in die Krippe.

Nicole Schmidlin, warum haben Sie sich für eine KiTa entschieden?

Nicole Schmidlin: Ich habe gespürt, dass ich alleine mit den Kindern an den Anschlag komme. Ich wusste: Ich brauche Hilfe. Das war vor fünf Jahren. Bis die KiTa wieder freie Plätze hatte, mussten wir noch ein Jahr lang warten. Dann haben wir unsere beiden Mädchen in die KiTa geschickt. Zuerst gingen sie zwei Tage, dann fünf Tage in die Krippe. Mittlerweile haben wir wieder reduziert. Nayla geht noch zwei halbe Tage in die KiTa.

Die KiTa hat Sie also entlastet?

Sehr. Ich wusste ja, dass es alleine nicht mehr ging. Dank der KiTa ging es mir nicht noch schlechter. Das hätte sich ansonsten irgendwann auch auf die Kinder ausgewirkt. Und jetzt, nach vier Jahren sehe ich, wie weit wir gekommen sind. Nouri, der Viertklässler, ist ein ausgezeichneter Schüler. Bei der Zweitjüngsten läuft es ebenfalls gut. Und Nayla ist auch so gut herausgekommen. Ich würde die KiTa jeder Mutter empfehlen, die Entlastung braucht. Das muss man sich natürlich zuerst eingestehen.

Ist das schwierig – sich das einzugestehen?

Man muss sich einfach sagen: Ich kann nicht mehr. Ich brauche Hilfe. Ich habe das zum Glück früh genug gemerkt. Dafür braucht man sich auch nicht zu schämen. Bei mir haben die Leute schon geredet: «Die arbeitet ja gar nicht, und gibt ihre Kinder in eine KiTa!» Aber das hat mich nicht gross geschert. KiTas sind ja nicht nur für Mütter da, die arbeiten.

Dann kümmert Sie das Vorurteil, wer Kinder hat, soll sie auch selber grossziehen, auch nicht?

Nein. Ich habe nur positive Erfahrungen mit der KiTa gemacht. Dort kriegen die Kinder nämlich Struktur. Als ich am Anschlag war, konnte ich ihnen diese festen Tagesformen nicht bieten. Das ist ein Problem. Irgendwann kommen die Kinder ja in die Schule, und müssen mit fixen Tagesabläufen zurechtkommen. Die KiTa hat das unsere beiden Mädchen gelehrt. Ich sehe auch, wie gut das Nayla tut: Sie liebt die KiTa. In all den vier Jahren habe ich noch nie gehört, sie habe keine Lust, hinzugehen.

Liegt die Erziehung trotzdem bei Ihnen?

Ja. Die KiTa bietet einfach eine super Ergänzung. Nayla hatte übrigens eine Sprachverzögerung. Dank der KiTa haben wir die wegbekommen. Dort ist sie ja immer in der Gruppe mit anderen Kindern zusammen.

Haben Sie auch negative Erfahrungen mit der Krippe gemacht?

(Antwortet, bevor die Frage ganz gestellt ist) Nein. Überhaupt nicht.

Nayla kommt nach den Ferien in die 1. Klasse. Geht sie dann weiterhin in die Krippe?

Ich möchte sie dieses Jahr noch in die KiTa schicken. Mittlerweile bieten sie an der Oensinger Primarschule Tagesstrukturen an. Jedoch nicht an all den Nachmittagen, an denen Nayla frei hat. Ich würde sie nämlich gerne an ihren freien Nachmittagen in die Tagesstruktur gehen lassen. Weil das mit ihrem Stundenplan nicht passt, gebe ich sie dieses Jahr noch in die KiTa. Dann kann sie mit ihrer besten Freundin nach der Schule zusammen in die Krippe, dort zu Mittag essen und am Abend dann wieder nach Hause kommen. Nach der 1. Klasse soll sie dann in die Tagesstruktur der Primarschule. Sie ist ja schon sechs. Und bald etwas zu gross für die Krippe.

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