Harmonisierung
Die Kantonsschulen Solothurn und Olten führen einheitliche Matur ein

Künftig gibt es einheitliche Maturprüfungen an den Kantonsschulen Solothurn und Olten. Die Lehrpersonen innerhalb einer Kanti müssen gemeinsam die Prüfung für ein Fach ausarbeiten. Mit dieser Umstellung soll das Niveau einer Schule gleich werden.

Nadine Schmid
Drucken
Teilen
Die Maturanden werden eine vereinheitlichte Maturprüfung absolvieren.
4 Bilder
Im Juni werden die Maturanden erstmals eine vereinheitlichte Maturprüfung absolvieren.Archiv/sz
Kanti Olten
Der Eingang der Kantonsschule Solothurn.

Die Maturanden werden eine vereinheitlichte Maturprüfung absolvieren.

fg/bko

Die Kantonsschulen Olten und Solothurn bereiten für die Abschlussprüfungen im Juni erstmals je eine eigene Hausmatur vor. Der Bildungsraum Nordwestschweiz (BRNW), bestehend aus den Kantonen Solothurn, Baselland, Baselstadt und Aargau, beschloss die Matur zu harmonisieren. Von nun an muss jede Kantonsschule in diesen vier Kantonen eine eigene, einheitliche Matur für ihre Schülerinnen und Schüler entwerfen.

Dies betrifft die schriftlichen Prüfungen der Grundlagen- wie der Schwerpunktfächer. Davor konnten Lehrerinnen und Lehrer eigene schriftliche Abschlussprüfungen für ihre Klassen ausarbeiten.

Umfrag Lehrpersonen: äussern sich auch kritisch

Im Kanton sind die schriftlichen Maturitätsprüfungen nun einheitlich. Obschon die Schulleiter der beiden Gymnasien dieses Konzept unterstützen, gibt es durchaus Kritik. Dies zeigte eine anonymisierte Umfrage von Lehrpersonen der zwei Kantonsschulen. Manche Lehrer sind dabei einverstanden mit der Harmonisierung, andere sehen sowohl Chancen als auch Probleme und andere lehnen diese Form eher ab.

Für die Harmonisierung spricht für die meisten Lehrkräfte die daraus hervorgehende Chancen- und Niveaugleichheit. Auch die Förderung der Zusammenarbeit wird als positiv erachtet: «Jungen Lehrkräften gibt dies Sicherheit und individuelle Fehlleistungen von Lehrern, wie zu einfache Prüfungen, werden dadurch verhindert», erklärt eine Lehrperson. Aber eine andere Lehrkraft merkt dazu an: «Bereits vor der Harmonisierung haben Lehrer zusammengearbeitet.» Einig sind sich viele der Befragten darin, dass die Harmonisierung den Unterricht einschränkt. Über die Intensität der Einschränkung ist man aber nicht gleicher Meinung. Ein Lehrer: «Die pädagogisch-fachlichen Freiräume müssen unbedingt bestehen bleiben. Es wird gesagt, die Harmonisierung lasse die Freiheit bestehen, aber das kann nicht ernsthaft als zutreffend bezeichnet werden.» Andere Lehrkräfte bemängeln, dass die Individualität des Unterrichts unter der neuen Form kleiner wird: «Der Forschungsschwerpunkt eines Lehrers kann den Unterricht extrem bereichern. Dieser Schwerpunkt tritt nun aber in den Hintergrund.»

Und: «Die neue Form schränkt vor allem in Fächern ein, in denen der Aktualitätsbezug wichtig ist. Aktualität und frühzeitige Absprache widersprechen sich. Ausserdem sind die vermehrten Absprachen extrem zeitaufwendig.» Sogar die Chancengleichheit wird angezweifelt. Ein Lehrer stellt deshalb die Frage: «Wenn bei einer Klasse wegen Anlässen oder Feiertagen Stunden ausfallen, kann das teilweise 20 Prozent weniger Unterrichtszeit ausmachen. Nun schreiben die Schüler eine identische Prüfung. Was ist daran gerecht?» (NS)

Schweizweit (noch) nicht üblich

Mit dieser Umstellung soll das Niveau einer Schule gleich werden. Evaluationsprojekte zeigten, dass innerhalb einer Schule grosse Unterschiede im Niveau der Maturanden bestehen. In der Schweiz gibt es vereinzelte Gymnasien, die ebenso harmonisierte Prüfungen durchführen, so einige Schulen im Kanton Zürich.

Die Rektoren der Kantonsschulen Olten und Solothurn, Sibylle Wyss und Stefan Zumbrunn betonen, dass trotz der Harmonisierung nicht das Ziel sei, noch weiter zu gehen: «Es wird keine kantonale oder gar schweizweite Harmonisierung angestrebt. Das würde zu weit führen, sonst gäbe es zu wenig Freiheiten für die Lehrkräfte», meint Zumbrunn.

Matur gemeinsam ausarbeiten

Die einheitliche Matur ist eine Abkehr eines seit Jahrzehnten durchgeführten Systems. Die Lehrpersonen eines Faches arbeiten von nun an die Prüfungen gemeinsam aus und legen Lösungsskizzen und Richtlinien zur Korrektur fest.

Kleinere Abweichungen in den einzelnen Prüfungen sind möglich, solange sie fachlich begründet sind und die gleichen Anforderungen stellen: Beispielsweise in Deutsch können die Schüler bei der Prüfung aus verschiedenen zur Auswahl stehenden Texten einen auswählen. Aber dabei haben sie die gleiche Aufgabenstellung: Den Text zu interpretieren.

Die Gymnasien des Kantons Solothurn arbeiten ausserdem enger zusammen. Für jedes Schulfach wurde ein externer Experte bestimmt, der die ausgearbeiteten Abschlussprüfungen von Olten und Solothurn auf das gleiche Niveau überprüft.

Chancen und Probleme

Zumbrunn und Wyss halten die harmonisierte Matur für eine gute Lösung. «Damit wird das Niveau einer Schule gewährleistet», erklärt Zumbrunn. «Es soll nicht sein, dass Maturanden einer Schule nach dem Abschluss nicht das gleiche Niveau haben, auch wenn im Zeugnis die gleiche Note steht.» Wyss fügt hinzu: «Damit wird auch die Chancengleichheit zwischen den Absolventen hergestellt.» Zumbrunn erklärt weiter: «Eine Fachschaft muss jetzt zusammensitzen und über die Ziele sprechen, die zu erreichen sind.» Dies sei unerlässlich, da die Prüfungsfragen auf diesen Zielen basieren. Für den Rektor der Kantonsschule Solothurn ist diese neue Form nicht unbedingt einschränkend: «Wie man zu diesen Zielen gelangt, ist schliesslich jeder Lehrkraft vorbehalten.»

Rektorin Wyss sieht die Harmonisierung auch als Chance für die Lehrer: «Zusammenarbeit kann Spass machen. Man kann sich austauschen, erhält ein Feedback und kann auf neue Ideen für den eigenen Unterricht stossen.» Dies weiss sie als Englisch- und Französischlehrerin aus eigener Erfahrung, denn in Olten wird bereits seit über zehn Jahren in den schriftlichen Abschlussprüfungen dieser Fächer einheitlich geprüft.

Dennoch könnte es Schwierigkeiten geben. Wyss: «Ich kann mir vorstellen, dass es in gewissen Fächern schwerer ist zu koordinieren: Unter anderem in Geschichte, Geografie und Biologie sind die Details der zu prüfenden Materien wohl schwerer zu greifen.»

Maturanden gut begleiten

Beim Schuleintritt der jetzigen Maturanden stand der Termin der einheitlichen Matur noch nicht fest. Gemäss Rektoren Zumbrunn und Wyss hätten die Schüler nicht negativ auf den neuen Prüfungsrahmen reagiert. Gemäss Wyss habe Olten keine schlechten Erfahrungen mit den einheitlichen Prüfungen in Französisch und Englisch gemacht. In Solothurn gab es im letzten Jahr in den naturwissenschaftlichen Fächern einheitliche Prüfungen. «Im Vergleich zu den Prüfungen der Vorjahre gab es keine bedeutenden Unterschiede in den Resultaten», erklärt Zumbrunn. Für die Rektoren ist wichtig, die Maturanden für diese Prüfungsart vorzubereiten. Deshalb werden die Schüler bereits ein halbes Jahr im Voraus informiert. Ebenso ist ein Anliegen, die Maturanden bereits im regulären Unterricht dafür zu sensibilisieren, einheitliche Prüfungen lösen zu können. Ein neues, freiwilliges Projekt unterstützt diese Idee: Die Lehrkräfte können nämlich zusammensitzen und einzelne Proben für den regulären Unterricht gemeinsam ausarbeiten.

Aktuelle Nachrichten