Roberto Zanetti, wie nervös waren Sie heute Morgen?

Roberto Zanetti: Ich war angespannt, aber es war nicht so, dass ich vor Aufregung nicht hätte essen können. Wir gingen zmörgelen. Und geschlafen habe ich auch wunderbar.

Sie haben das Resultat also so erwartet?

Nein, sicher nicht. Jedenfalls nicht in diesem Ausmass. Zweite Wahlgänge haben es so an sich, dass man sie schlecht voraussagen kann.

Sie kommen aus der gewerkschaftlichen Ecke. Wie schafft man solche Erfolge in einem bürgerlichen Kanton?

Ich glaube, die Leute kennen mich. Ich bin ja schon eine Zeit lang im Geschäft. Man traut mir zu, dass ich Brücken bauen und Lösungen vorantreiben kann, die für alle tragbar sind.

Was wollen Sie in den nächsten vier Jahren erreichen?

Zusammen mit Pirmin Bischof werde ich mich weiterhin für Solothurn einsetzen, wenn es um solothurnische Angelegenheiten geht. Ich werde darüber hinaus meine Positionen vertreten und ich werde weiterhin versuchen, zu guten und tragfähigen Kompromissen Hand zu bieten.

An welche Anliegen denken Sie bezüglich Solothurn?

Ich möchte den Industriestandort stärken – für die Schweiz und für Solothurn.

Das heisst konkret?

Wir werden gemeinsam schauen müssen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Wir müssen den Snobismus ablegen, wenn es um den Begriff Industriepolitik geht. Das Dogma muss man aus der Welt schaffen. Einige Leute tun sich noch immer schwer damit, aber andere Länder machen das auch.

Sie haben vergangene Woche eine Annäherung der SP hin zur Mitte vorgeschlagen.

Das stimmt so nicht ganz. Ich finde: Die SP soll das Tor gegen die Mitte hin öffnen. Aber sie soll sich dabei inhaltlich nicht nach rechts bewegen.

Was bedeutet das?

Es bedeutet, dass man gerade in der Kommunikation für sozial sensibilisierte Personen oder für Gesellschaftsliberale und Weltoffene wählbar ist. Diese dürfen wir nicht durch eine für mich manchmal fragwürdige Kommunikation gegen den Kopf stossen. Das heisst aber nicht, dass man die eigenen Positionen aufgeben muss. Zum Teil wirkt die Kommunikation der SP viel radikaler als die SP im täglichen politischen Geschäft ist.

Gerade die Ständeräte fordern die Öffnung. Claude Janiak, Daniel Jositsch oder Pascale Bruderer gehören dazu. Wird man als SP-Ständerat automatisch pragmatischer?

Ich glaube, dass wir insbesondere in der Kommunikation weniger prononciert sind. Im Ständerat werden teilweise die fortschrittlicheren, ökologischeren und sozialeren Lösungen gefunden als im Nationalrat. Es ist vielleicht kein Zufall, dass diese Forderung von dort kommt.

Linke Politik, wie sie die SP betreibt, wird oft als Gutmenschentum verspottet.

Als guter Mensch bezeichnet zu werden, da muss man sich nicht wehren. Damit kann ich leben.

Haben Sie den Wahlausgang in dieser Deutlichkeit erwartet?

Walter Wobmann: Nachdem klar geworden ist, dass mich ausserhalb von der SVP keine Partei offiziell unterstützt, wusste ich, dass es sehr schwierig wird.

Sie haben 3400 Stimmen weniger als im ersten Wahlgang erzielt. Das ist für Sie sicher eine grosse Enttäuschung?

Ich bin von den anderen Parteien enttäuscht. Im Kanton Solothurn ist die SVP offenbar die einzige verlässliche bürgerliche Partei. Den anderen scheint es egal zu sein, dass ein Linker gewählt wird, der oft eine ganz andere Politik als die Bürgerlichen vertritt.

In sämtlichen Bezirken, gerade auch in den ländlichen Regionen, hat SP-Mann Zanetti die Nase vorn. Wie erklärt sich das?

Es braucht hier sicher zuerst eine klare Analyse. Was ich aber vermute: Ich bin bekannt, heisse Eisen aufzugreifen und ich ziehe diese durch bis zum Erfolg. Das habe ich mit Volksinitiativen bewiesen, beim Minarettverbot etwa. Oder beim Referendum gegen die Erhöhung der Autobahnvignette. Da habe ich deutlich gewonnen. Im Kanton Solothurn besonders deutlich. Es schlug mir da jeweils eine riesige Sympathiewelle entgegen. Ich kann mir vorstellen, dass etliche Wähler Angst hatten, dass ich meine Positionen im Ständerat nicht wirklich durchsetzen kann.

Man traut Ihnen offenbar ein Ständeratsmandat ganz einfach nicht zu?

Es wäre für mich sehr spannend gewesen, ob ich mit meiner Politik nicht auch im Ständerat Erfolg gehabt hätte. Das war eine meiner Hauptmotivationen für meinen Wahlkampf. Jetzt hat es nicht geklappt. Ich bin nach wie vor der am besten gewählte Nationalrat im Kanton. Der Auftrag des Volkes ist damit klar. Ich werde das, was ich vor den Wahlen versprochen habe, weiterhin als Nationalrat schnörkellos umsetzen.

Im Ständerat wollen die Wähler Persönlichkeiten, die mit anderen Parteien Lösungen erarbeiten. Das ist nicht Ihre Stärke...

Ich mache nicht den Eindruck, dass ich ein obrigkeitsgläubiger Mensch bin. Ich bin eigenständig und vertrete klar meine Positionen. Da kann der Eindruck entstehen, dass ich zu wenig konsensfähig bin. Andererseits bin ich Präsident verschiedener nationaler Verbände, wo ich immer wieder mit der Verwaltung verhandeln muss. Hier muss ich Lösungen finden und habe bewiesen, dass ich durchaus konsensfähig bin.

Es ist Ihnen nicht gelungen, sich als bürgerliche Alternative zu Roberto Zanetti zu präsentieren. Was lief falsch?

Ich möchte immerhin festhalten, dass wir es erstmals bei Majorzwahlen im Kanton Solothurn geschafft haben, die FDP zu überrunden. Das hat aber möglicherweise auch Neid und Missgunst hervorgerufen. Und ja: Ich bin seit rund zwei Jahrzehnten eine Art Aushängeschild der SVP Kanton Solothurn. Und dadurch stelle ich wohl für gewisse Leute, gerade auch bürgerliche Politiker, eine Art Feindbild dar. Vor allem für jene, die auf dem hohen Ross sitzen. Ich rede hier von der FDP, von der Führung der FDP.

Sie verkörpern eine Politik, die der FDP fremd ist...

Vor allem der Parteipräsident hat absurde Gründe dafür genannt, warum ich nicht wählbar sein soll. Und er hat bis zu den Ortsparteien entsprechende Direktiven durchgegeben. Das war schon fast eine Verleumdungskampagne. Wer mich aber als extrem bezeichnet, hat spätestens seit den jüngsten Terroranschlägen in Paris selber ein Problem.

Sind Sie nicht ganz einfach der falsche SVP-Kandidat, um auch andere bürgerliche Parteien zu vertreten?

Meine pointierte Politik erachte ich als Stärke. Ich werde lieber nicht gewählt, als diese Politik aufgeben zu müssen. Es ist aber schon erstaunlich, wenn es eine solche Politik im Ständerat nicht verträgt. Und: Bei den letzten Regierungsratswahlen ist Albert Studer angetreten und nicht gewählt worden. Obwohl er als sehr gemässigt gilt. Es ist gesucht, vom falschen Kandidaten zu sprechen.

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