Solothurn
Die International School ist ein kleines Multikulti-Biotop

Die in der Stadt Solothurn beheimatete private Tagesschule International Schoop wird von 52 Schüler aus 20 Nationen besucht. Geschäftsführerin Angela Wiprächtiger gibt einen Einblick.

Elisabeth Seifert
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Aufgabenhilfe in der internationalen Tagesschule Solothurn: Die Schüler kommen in den Genuss von individueller Förderung.

Aufgabenhilfe in der internationalen Tagesschule Solothurn: Die Schüler kommen in den Genuss von individueller Förderung.

Michel Lüthi

Wer mit der International School Solothurn AG eine abgehobene Privatschule für eine englischsprachige Elite verbindet, liegt falsch. Die Schule an der Zuchwilerstrasse in der Stadt Solothurn gleicht vielmehr einer unkomplizierten multikulturellen Patchworkfamilie, wo alle ihren Platz haben, Kinder von Ausländern, ob in der Schweiz niedergelassen oder nicht, aber auch Kinder von Schweizern aus der Region.

Das wird bereits deutlich, wenn man das Schulgebäude betritt. Schnell ein paar Stufen hinauf, durch eine Glastüre hindurch und schon ist man mittendrin, in der Villa Kunterbunt.

Familiäre Atmosphäre

Das Foyer ist gleichzeitig so etwas wie das Wohn- und Esszimmer der Schule. An zwei langen Holztischen versammelt sich jeweils ein guter Teil der insgesamt 52 Kinder und Jugendlichen zum Mittagessen. Ab sieben Uhr gibts Frühstück, auch fürs Znüni und fürs Zvieri ist gesorgt. «Die Mahlzeiten spielen bei uns eine wichtige Rolle», sagt Geschäftsführerin Angela Wiprächtiger und lacht. Hier trifft man sich, Schüler aller Altersgruppen, Lehrpersonen und manchmal auch Eltern. «Wenn die Väter und Mütter am Morgen ihre Kinder zur Schule bringen, dann kommt es immer wieder vor, dass jemand noch rasch für einen Kaffee bleibt.»

Geschäftsführerin Angela Wiprächtiger «Wir sind eine Schweizer Schule für Kinder mit internationalem Hintergrund und für Schweizer Kinder, die die Internationalität suchen.»

Geschäftsführerin Angela Wiprächtiger «Wir sind eine Schweizer Schule für Kinder mit internationalem Hintergrund und für Schweizer Kinder, die die Internationalität suchen.»

Michel Lüthi

Dabei lassen sich in einem lockeren Rahmen so manche grössere oder kleinere Probleme besprechen. Das Büro von Angela Wiprächtiger und das Lehrerzimmer liegen unmittelbar neben dem Essbereich und der Küche. Hinter den Holztischen in hohen Regalen ist eine kleine Bibliothek untergebracht.

Im Erdgeschoss finden sich weiter die Räumlichkeiten für den Kindergarten, der Kindern ab drei Jahren offensteht. Im ersten Stock dann liegen die Schulräume für vier altersgemischte Klassen bis zum Ende der Volksschulzeit, alle zweckmässig eingerichtet und mit persönlichen Details ausgestattet. Bei unserem Besuch an jenem späteren Freitagnachmittag sind die meisten Schüler bereits ausgeflogen.

Solothurner Firmen zeichnen Aktien und zahlen Gönnerbeiträge

Gut zehn Firmen aus den Grossraum Solothurn zeichneten im Sommer 2015 Aktien in der Höhe von insgesamt 500 000 Franken. Damit ist die Zukunft der bereits im Jahr 2009 gegründeten International School Solothurn AG gesichert. Mit weiteren Firmen hat die Schule zudem Gönnerverträge abgeschlossen. Aufgrund dieser Zuwendungen ist ein Stipendienfonds eingerichtet worden. Die ISSO International School Solothurn AG ist eine bilinguale private Tagesschule für Kinder und Jugendliche von 3 bis 16 Jahren. In der Schulstruktur und den Inhalten folgt die Schule dem Solothurner System. Auf der Sekundarstufe I führt die ISSO vor allem die Abteilungen Sek E und Sek B. Einzelne Schüler werden auch auf dem Niveau Sek P unterrichtet. Der Wechsel an die öffentliche Schule ist zu jeder Zeit gewährleistet. Sichergestellt ist auch der Übertritt an die Berufsschulen oder ans Gymnasium. Neben der ISSO gibt es im Kanton mit der Swiss International School (SIS) in Schönenwerd eine weitere bilinguale Tagesschule. Die SIS betreibt eine Reihe von Standorten in der Schweiz. Sie ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Kalaidos Bildungsgruppe Schweiz und der Klett Gruppe. (esf)

Die Schulbank drücken noch die zehn Jugendlichen der 8. und 9. Klasse, die gerade mitten im Berufswahlprozess stecken. Und im Schulzimmer nebenan unterstützt eine Lehrperson einige Schüler der 6. und 7. Klasse bei ihren Hausaufgaben.

Mund zu Mund-Propaganda

Von der Krise, in welcher die englisch-deutsche Tagesschule noch im Frühsommer 2015 steckte, ist nichts mehr zu spüren. Der Schule, die im Jahr 2009 mithilfe der Solothurner Wirtschaftsförderung gegründet worden war, liefen die Schüler und Lehrpersonen davon. Das Kapital der Aktiengesellschaft war beinahe aufgebraucht. Zusammen mit weiteren Investoren der Wirtschaft hat Josef Maushart, Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso), die International School auf eine stabile finanzielle Grundlage gestellt.

Das neue Gesicht ist die 41-jährige Angela Wiprächtiger, die seit Juli 2015 den Neuaufbau der Tagesschule vorantreibt. Ihr Auftrag: Innerhalb von drei Jahren muss die Schule finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Dafür braucht es 70 bis 80 Schülerinnen und Schüler. Das Schulgeld pro Schüler beträgt je nach Alter und den beanspruchten Dienstleistungen jährlich 11 000 bis 24 000 Franken. Die studierte Anglistin und Betriebswirtschafterin ist zuversichtlich, dass sie ihr Ziel erreichen wird. Im August 2015 war die Schule mit gerade noch 29 Kindern und Jugendlichen ins neue Schuljahr gestartet. Gegen Ende waren es bereits 42. Und jetzt sind es 52 Schülerinnen und Schüler.

Wiprächtiger führt dies darauf zurück, dass die Zufriedenheit mit den Leistungen der Schule bei Eltern und Lehrpersonen gestiegen ist. Werbung macht die Schule kaum, «es ist vor allem Mund zu Mund-Propaganda, die uns hilft». Und das Geheimnis der Zufriedenheit? Die neue Geschäftsführerin ist überall dort, wo es sie braucht. Sie nimmt den Lehrpersonen die administrative Arbeit ab. Zudem besteht ein enger Austausch mit den Eltern – nicht nur beim Frühstückskaffee, sondern auch an gemeinsamen Anlässen mit dem Verwaltungsrat.

Die Zufriedenheit ist aber vor allem darauf zurückzuführen, dass das Konzept der Schule an die Bedürfnisse angepasst worden ist. Die Bezeichnung «International School», die seit 2009 besteht, gibt dabei nur die halbe Wahrheit wider. «Wir sind eine Schweizer Schule für Kinder mit internationalem Hintergrund und auch für Schweizer Kinder, welche die Internationalität suchen», bringt Wiprächtiger die Idee auf den Punkt. Die Hälfte aller Kinder sind denn auch Schweizer, mit einem oder keinem ausländischen Elternteil. «Sie schätzen neben der Zweisprachigkeit ganz besonders das Angebot der Tagesschule und die individuelle Förderung in kleinen Klassen», so Wiprächtiger. Ein Viertel der Schüler sind Kinder von Ausländerinnen und Ausländern, die sich in der Schweiz niederlassen haben. Ein weiteres Viertel schliesslich bildet die Klientel einer «International School» im klassischen Sinn, Kinder nämlich von Eltern, die sich nur während weniger Jahre an einem Ort aufhalten und dann weiterziehen.

Offen und flexibel

Eine recht heterogene Schülerschaft also, deren Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden müssen. Seit Beginn des neuen Schuljahres hat sich die Schule von den Richtlinien der International Baccalaureate Organization (IBO) verabschiedet. Massgebend für den Unterricht ist der Solothurn Lehrplan – angereichert mit dem Prinzip der Bilingualität. Konkret bedeutet das: Im Kindergarten und auf der Primarstufe erfolgt der Unterricht je zur Hälfte in Englisch und Deutsch. Kinder, die mit der einen oder anderen Sprache oder mit beiden Sprachen nicht zurechtkommen, erhalten zusätzlichen Sprachunterricht. Auf der Oberstufe dominiert derzeit Deutsch. Die naturwissenschaftlichen Fächer werden seit August in Englisch unterrichtet. «Unser Ziel ist, dass der Unterricht künftig auch in der Oberstufe zu gleichen Teilen in Englisch und Deutsch erfolgt», so Wiprächtiger.

Die derzeit 52 Schüler stammen aus rund 20 Nationen. Diese Internationalität bleibt nicht ohne Einfluss auf das Schulklima. Wiprächtiger: «Man spürt, dass viele Familien weit gereist sind.» Dies trage zu einer grossen Offenheit und Flexibilität bei, stellt sie fest. «Die Kinder nehmen ihre neuen Gspänli sofort auf.» Und auf dem Pausenplatz genieren sich die Grossen nicht davor, sich der Kleinen anzunehmen..

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