Die vom Bundesrat beschlossene Massnahme gegen die Überhitzung auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt (siehe gestrige Ausgabe) sorgt auf dem Bankenplatz Solothurn nicht für die grosse Aufregung. «Wir haben wegen des aktivierten Kapitalpuffers keinen Handlungsbedarf», erklärt etwa Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn. Selbst wenn der Puffer zur Unterlegung von zusätzlichen Eigenmitteln auf 2,5 Prozent festgelegt worden wäre, hätte man keine Probleme (siehe Kasten). Die Regiobank verfüge bereits heute über genügend Eigenkapital und somit auch über die nötigen Reserven, um eine allfällige Immobilienkrise zu meistern.

Ebenso gelassen reagiert Marcel Müller, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter Risk Management bei der Baloise Bank SoBa in Solothurn. Die höheren Anforderungen an die Eigenmittel im Wohnbauhypothekengeschäft führten zu keinem unmittelbaren Handlungsbedarf. Die Bank erfülle schon heute die Anforderungen für den nun eingeführten Kapitalpuffer sowie für die von der Finanzmarktaufsicht (Finma) per Ende 2016 geforderte Kapitalquote. Auch die vergleichsweise viel kleinere Spar- und Leihkasse Bucheggberg «sieht absolut kein Problem», betont Bankchef Gerardo Grasso. «Wir haben einen sehr hohen Eigenkapitalanteil.»

Zinsen werden steigen

Trotzdem erwarten die Bankmanager Auswirkungen auf die Höhe der Hypothekarzinsen. Denn zusätzlich gebundene Eigenmittel kosten, hält Markus Boss fest. «Wir rechnen deshalb mit einer leichten Zunahme um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte.» Insgesamt sieht der Bankchef bis Ende Jahr eine moderate Zunahme des Zinsniveaus um etwa ein Viertel Prozentpunkt. Auch für Marcel Müller ist klar, dass die Massnahme insgesamt das Hypothekengeschäft für die Banken zusätzlich belasten werde. Der Einfluss auf die Hypozinsen werde aber nicht stark spürbar ausfallen. Müller präzisiert: «Die kurzfristigen Zinsen werden sich kaum bewegen, für die langfristigen Sätze rechnen wir mit einer leichten Steigerung um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte.»

Teilweise kommen auch die Bankkunden nicht ungeschoren davon. Denn die Banken würden «ihre Margen optimieren», räumt Müller ein. Davon betroffen seien in der Regel Neugeschäfte, Kunden mit laufenden Festhypotheken hingegen müssten mit keinem Aufschlag rechnen. «Die Vereinbarungen gelten während der ganzen Laufzeit», versichert Müller. Das unterstreicht auch Boss. Kunden mit laufenden Festhypotheken müssten keine Zinserhöhung befürchten. Selbst wenn eine entsprechende Klausel in den Verträgen festgeschrieben wäre, würden diese Zinsen nicht angehoben werden. «Ein Vertrag mit einer fixierten Laufzeit ist eine Abmachung, die wir nicht ändern.»

Hypotheken-Nachfrage bleibt hoch

Auf die Nachfrage nach Wohneigentum habe der Kapitalpuffer nur einen marginalen Einfluss, mutmasst Boss. Viel stärker wirkten die bereits auf Mitte 2012 eingeführten strengeren Kreditvergaberichtlinien hinsichtlich der Tragbarkeit für den Kreditnehmer und die Belehnungshöhe der Objekte, sagt der Regiobank-Chef. Und weit relevanter für die Zinsentwicklung und damit für die Nachfrage nach Hypotheken sei die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, ergänzt Müller. Dort sehe es aber nicht nach steigenden Zinsen aus. «Angesichts der schwierigen Konjunkturlage und dem nach wie starken Franken gibt es für die Schweizerische Nationalbank keine Veranlassung, die Leitzinsen zu erhöhen.» Deshalb bleibe das Zinsniveau im Hypothekengeschäft für die Kunden attraktiv. Selbst beim erwähnten Aufschlag «bleiben die Kredite sehr günstig.»

Keine «Immoblase» in der Region

Es sei, so Müller weiter, auch nicht mit einem Sturz der Immobilienpreise zu rechnen. Jedenfalls nicht in der Region Solothurn, obwohl hier die Preise in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls angezogen hätten. «Wir sind hier im Gegensatz zu Regionen um den Zürichsee oder Genfersee noch weit weg von einer Blasenbildung», bestätigt Boss. Immerhin attestiert Müller den jetzt ergriffenen Massnahmen und den bereits im Sommer eingeführten strengeren Kreditvergaberichtlinien in der Öffentlichkeit eine symbolische Wirkung im Sinne, dass «dem Erwerb von Wohneigentum Grenzen gesetzt sind».