InnoPrix SoBa 2015
Die Idee «Swiss Shrimps – frische Shrimps aus der Schweiz» überzeugt

Diese Innovation kann man sich dereinst auf der Zunge zergehen lassen: Frische Shrimps aus Schweizer Produktion. Die Idee hat schon viel Aufsehen erregt und jetzt auch Anerkennung gefunden: Die Swiss Shrimp AG in Luterbach gewinnt den InnoPrix SoBa.

Christian von Arx
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Stiftungsratspräsident Jürg Liechti (links) bei der Verleihung des InnoPrix SoBa 2015 an das Kernteam der SwissShrimp AG mit (v.l.) Michael Siragusa, Geschäftsführer Rafael Waber, Thomas Tschirren, Jörg Bruppacher, Martin Weber, David Misteli, Daniel Gfeller und Jean-Claude Cattin.

Stiftungsratspräsident Jürg Liechti (links) bei der Verleihung des InnoPrix SoBa 2015 an das Kernteam der SwissShrimp AG mit (v.l.) Michael Siragusa, Geschäftsführer Rafael Waber, Thomas Tschirren, Jörg Bruppacher, Martin Weber, David Misteli, Daniel Gfeller und Jean-Claude Cattin.

Bruno Kissling

Diese Innovation kann man sich dereinst auf der Zunge zergehen lassen: Frische Shrimps aus Schweizer Produktion. Die Idee hat schon viel Aufsehen erregt und jetzt auch Anerkennung gefunden: Die Swiss Shrimp AG in Luterbach ist die Gewinnerin des InnoPrix SoBa 2015.

Der mit 25 000 Franken dotierte Innovationspreis der Stiftung der Baloise Bank SoBa zur Förderung der solothurnischen Wirtschaft wurde dem Kernteam gestern Abend vor rund 400 Gästen im Stadttheater Olten vergeben.

Den Beweis der technischen Machbarkeit haben die Initianten mit der Ernte von 200 Kilogramm Shrimps in einer Pilotanlage in Luterbach in den Jahren 2014 bis 2015 erbracht.

Nächstens Jahr wollen sie mit dem Bau einer Shrimpsfarm mit einer Jahreskapazität von 30 Tonnen den Schritt zur industriellen Produktion wagen. Standort der neuen Anlage ist Rheinfelden, wo sie Abwärme aus dem Salzgewinnungsprozess der Schweizer Salinen AG nutzen wird.

Noch ist der Markt zu erobern

«Die Initianten mussten hart um den Beweis der technischen Machbarkeit kämpfen, das haben sie geschafft. Ihr Marktpotenzial ist gross, aber sie m, stellte Stiftungsratspräsident Jürg Liechti an der Feier fest: Das Nutzen von Synergien mit bestehenden Aktivitäten am neuen Standort sei ein weitererer Pluspunkt. Und Liechti freute sich, dass mit der diesjährigen Vergabe erstmals ein Projekt aus der Lebensmittelbranche ausgezeichnet werden könne.

«Heute essen die Schweizer 9000 Tonnen Shrimps pro Jahr – zu 100 Prozent importiert», sagte Swiss-Shrimp-Geschäftsführer Rafael Waber im Gespräch mit Jurypräsident Liechti. Es handle sich um «anonyme Massenware».

«Wenn man heute Crevetten ist, weiss man nicht, woher sie kommen und wie sie produziert wurden. Wir möchten, dass die Konsumenten ein gutes Gefühl haben können.»

Frisch statt tiefgefroren

Die Pluspunkte einer Produktion in der Schweiz: Die Shrimps gelangten innert 6 bis 12 Stunden zum Konsumenten – und nicht tiefgefroren oder gekocht in drei Monaten. Diese Frische solle sich auch im Geschmack bemerkbar machen. Und die Käufer hätten die Gewissheit, dass die Tiere nicht mit Antibiotika aufgezogen wurden.

«Sind eure Türe glücklich?», wollte Jürg Liechti wissen. «Das kann man nicht wissen», gab Rafael Waber zu. Das kräftige Wachstum spreche dafür. Er stellte klar, dass die Swiss Shrimp keinen romantischen Weiher plane, sondern eine industrielle Zuchtanlage

Dabei ziehe sie Tierschutzorganisationen wie fair-fish und Tier im Recht bei und berücksichtige in der Planung deren Vorschläge und Anforderungen.

Die Swiss Shrimp setzt auf das Hochpreissegment und steuert einen Marktanteil von 1 oder 2 Prozent an. «In fünf Jahren wollen wir ein stabiler, bekannter Schweizer Produzent sein», sagte Waber.

Auch ein Nebenprodukt soll verwertet werden: Die Pharmaindustrie habe Interesse an antibiotikafreiem Chitin aus den Shrimps-Häuten. Mit dem Preisgeld des InnoPrix will die Swiss Shrimp ihre CO2-Emissionen erheben und auch publizieren.

«Innovation verinnerlichen»

Die jährliche Verleihung des InnoPrix SoBa ist immer auch eine Feierstunde für die Innovation als solche. Deren Bedeutung sei seit dem schockartigen Anstieg des Frankenwerts gegenüber dem Euro am 15. Januar noch gestiegen, sagte Jürg Ritz, CEO der Baloise Bank SoBa und Geschäftsführer der Stiftung.

Das Thema Innovation müsse verinnerlicht werden: «Es gehört in Kopf, Hand und Herz.» Ritz wünschte sich, dass Solothurn der innovativste Kanton der Schweiz sei.

Die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler zeigte sich stolz, dass die Schweiz – trotz aller landestypischen Selbstkritik – sich regelmässig auf den vordersten Plätzen der weltweiten Innovationsrangliste finde.

«Nur in einer offenen Gesellschaft finden Querdenker die nötige Freiheit, Quergedachtes auch zu realisieren.»

«Bei uns dominiert nicht Mut zum Aufbruch, sondern Angst vor Veränderungen», setzte Stiftungspräsident Jürg Liechti in seiner Innovations-«Sonntagspredigt» einen Kontrapunkt. «Für Innovation braucht es eine Portion Unzufriedenheit mit dem Bestehenden.»

Mit staunenswerter Gelassenheit konfrontierte Gastreferentin Karin Frick, Head Research am Gottlieb Duttweiler Institut, sodann die Gäste der Preisverleihung mit dem Spektrum der Innovationen, die schon in kurzer Zeit «normal» werden könnten: Selbstfahrende Postautos; 3-D-Drucker im Haushalt; Kontaktlinsen, die die Sehkraft verdreifachen; oder eine Lebenserwartung von 120 Jahren in Fitness – ganz nach dem Motto Duttweilers: «Der Phantast ist der wahre Realist.»

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