Wangen an der Aare
Die Holzbrücke wird 650 Jahre – und bekommt zur Feier zwei Ausstellungen

Wangen an der Aare feiert seinen alten Aareübergang. Zum 650. Geburtstag der Holzbrücke gibt es zwei Ausstellungen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Ausstellung zur Holzbrücke in Wangen
10 Bilder
Im oberen Stockwerk gibt es eine historische Ausstellung
Roland Flück, Solothurn
Roland Flück, Solothurn
Jürg Lerch, Rüttenen
Franz Roth, Üettlingen
Franz Roth, Üettlingen
Cornelia Schmid, Spengelried
Priska von Gunten, Wangen a.A. Ausstellung mit verschiedenen Künstlern zum Thema Holzbrücke von Wangen: Priska von Gunten, Wangen a.A.
Klaus Schranner, Wabern

Ausstellung zur Holzbrücke in Wangen

Hanspeter Bärtschi

Das alt-ehrwürdige Gemeindehaus in Wangen an der Aare beherbergt derzeit gleich zwei Ausstellungen, die dem 650-jährigen Bestehen der Aarebrücke gewidmet sind. Im Erdgeschoss sind in drei Räumen Bilder zu sehen, welche auf Anregung des Kunstvereins Wangen von insgesamt 16 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen wurden.

Es sind bekannte Namen wie Roland Flück oder Martin Herzig darunter, aber auch viele einer breiteren Öffentlichkeit weniger bekannte Kunstschaffende. «Es sind mehrheitlich Künstler, die im Verlauf der Jahre einmal bei uns ausgestellt haben», sagt dazu Stefan Naef vom Kunstverein. Man habe viele kontaktiert und sie beim Mitmachen einer Jubiläumsausstellung zur Brücke angeregt. Das Motiv wurde vorgegeben: die Holzbrücke von Wangen.
Die Mehrheit der ausgestellten Werke stellen tatsächlich die Brücke des Aarestädtchens ins Zentrum.

Oft ist dazu die Landschaft oder im Hintergrund die markante Häuserzeile von Wangen zu sehen. Für manchen steht die Brücke selbst im Vordergrund, ihr rotleuchtendes, langes Dach, ihre Holzverstrebungen, ihre Winkel, die Brückenpfeiler, das Aarewasser. Bei Jürg Lerch zieht auch ein Zug von verschieden farbigen Gänsen über die Brücke; Priska von Guntens farbschöne Brückenansicht in Acryl ist auch auf Taschen, Tassen und Karten zu entdecken. Grandios sind die beiden Grossformate von Roland Flück. Details der Brücke, die ganz anders gesehen werden. Meisterhafte, gefällige Aquarelle sind von Klaus Schranner zu finden, hingegen symbol- und rätselhafte Kompositionen von Franz Roth. Die Bandbreite dieser Ausstellung ist sehr gross und genau das macht – bei gleicher Motivvorgabe für alle – den Reiz der Schau aus.

Dokumente im Städtlimuseum

Im zweiten Stock des Gemeindehauses ist das Städtlimuseum untergebracht und in einem Nebenraum zeigt hier der Museumsverein Wangen eine kleine Auswahl von Dokumenten zur Geschichte der Brücke. 1367 wurde die Brücke erstmals in einer Urkunde schriftlich erwähnt. «Und zwar war dies ein Pfandbrief des Grafes von Kyburg», erklärt Markus Hählen, Mitglied des Museumsvereins. Zwar wird angenommen, dass ein Aareübergang bei Wangen bereits früher bestanden hatte, doch sind bis heute keine anderen Urkunden oder Beweise gefunden worden. Ab 1406 sind mehrere Dokumente zur Brücke bekannt.

Die Brücke bei Wangen ist bis heute die zweitlängste noch bestehende Holzbrücke der Schweiz und sie ist auch heute noch – zwar nur einspurig – befahrbar. Im Jahr 1933 aber schien es, das letzte Stündlein habe für die alte Holzbrücke geschlagen, denn die eigene Bevölkerung wollte den morschen Bau damals abreissen und durch eine Eisenkonstruktion ersetzen lassen. Dies, obwohl die Berner Regierung 125'000 Franken zur Sanierung der Holzbrücke in Aussicht stellte. Verkehrte Welt! Doch der damalige Berner Baudirektor, Regierungsrat Walther Bösiger, selbst ein Oberaargauer, setzte sich durch: Die Brücke wurde restauriert. Heute ist man ihm dankbar.

In der Ausstellung sind zudem viele alte Fotografien vom Leben der Bevölkerung rund um die Brücke zu sehen: die Pontoniere, das Baden, das Militär. Zudem haben Erst- und Zweitklässler die Brücke, so wie sie sie sehen, gemalt. Und ein humoristisches-historisches Dokument gibt es am Schluss zu entdecken. Ein Fritz Egger wurde anno 1924 zu einer Busse und Gebühr von insgesamt 8,80 Franken verurteilt, weil er mit seinem Motorrad mit satten 23 km über die Brücke donnerte, statt wie vorgeschrieben nur mit 10 Stundenkilometern. Bis heute fragt man sich, wie diese exakte Geschwindigkeitsübertretung damals gemessen wurde.

Kunst-Ausstellungen bis 9. Juli. Jeweils Samstag und Sonntag 14-17 Uhr.
Historische Ausstellung als Sonderausstellung des Städtlimuseums im 2. Stock des Gemeindehauses jeden 1. Sonntag des Monats bis auf weiteres.