Seit einigen Jahren steht die grosse Herbstmesse in Solothurn, die HESO, auch politischen Parteien als Plattform offen. Die Freisinnigen, die SP und die SVP sind an der HESO mit einem Stand vertreten. Zehn Tage Messepräsenz, das bedeutet einen grossen Aufwand. Einerseits finanziell, vor allem aber auch, was die Rekrutierung freiwilliger Helfer betrifft, die den Stand während 76 Messestunden betreuen – Auf- und Abbau nicht mitgerechnet.

Am SP-Stand zum Beispiel sind permanent gleich mindestens vier Personen präsent, Mandatsträger wie Kantons- oder Gemeinderäte, aber auch «gewöhnliche» engagierte Parteimitglieder. Macht immerhin mehr als 300 Mann- beziehungsweise Fraustunden, die da in Fronarbeit geleistet werden müssen. Kantonalpräsidentin Franziska Roth übernimmt die Abendschicht – jeden Tag.

Lohnt sich dieses Engagement? Parteisekretär Niklaus Wepfer findet: auf jeden Fall. Bei der Premiere mit Parteien als Ausstellern war die SP noch nicht dabei. Nach dem ersten Messeauftritt 2016 sei man von der Plattform, die sich da bietet, aber regelrecht begeistert gewesen, sagt Wepfer. Hier sei man für ein breites Publikum nahbar, komme ungezwungen mit Sympathisanten wie auch Kritikern ins Gespräch, die HESO biete eine hervorragende Plattform. Und zieht man den werbeflächenmässigen Multiplikatoreffekt in Betracht, der sich durch all die Ballons mit dem Parteilogo auf dem Messegelände ergibt, relativieren sich auch die Kosten der Standmiete etwas.

Hier ohne politische Botschaft

Die Freisinnigen lassen sich den HESO-Auftritt alles in allem rund 10'000 Franken kosten. Das dürfte einen recht erheblichen Teil des jährlichen Werbebudgets einer Kantonalpartei ausmachen. Auch hier die Frage: Lohnt sich das überhaupt? Und auch FDP-Sekretär Charlie Schmid ist davon überzeugt. Vor zwei Jahren, als es im eidgenössischen Parlament gerade um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ging und FDP-Aushängeschild Kurt Fluri unter Dauerbeschuss der SVP stand, da habe man etwas Angst gehabt, am HESO-Stand zehn Tage lang nur Schimpf und Schande zu kassieren.

Die Befürchtung sei aber unbegründet gewesen, an den Stand kamen hauptsächlich die Leute, die der FDP ein Lob aussprechen wollten. Die benötigten Helfer, hauptsächlich Kantons- und Gemeinderäte und weitere Vorstandsmitglieder, habe man auch dieses Jahr wieder gut zusammen gebracht. Und so lange dies der Fall ist, steht für die FDP die Präsenz an der HESO nicht zur Disposition.

Nächstes Jahr sowieso nicht, wenn die Messe ja unmittelbar in die heisse Schlussphase vor den National- und Ständeratswahlen fällt. Da dürften sich die Kandidaten sogar um Einsatzzeiten reissen. Und man wird vielleicht das Standkonzept etwas modifizieren. Das Auffallende am FDP-Stand ist nämlich: Er fällt überhaupt nicht als Partei-Auftritt auf. Ein Zapfhahn und ein Stammtisch, viel mehr ist da nicht. «Zum Freisinn», so könnte auch eine richtige Gaststätte heissen.

Und eine Partei ist kein Küchengerätehersteller, sie hat nichts anderes zu verkaufen als ihr Programm. Eine plakative politische Botschaft sucht man am FDP-Stand aber vergebens. Das Konzept habe man ganz bewusst so gewählt, sagt Charlie Schmid. Beim HESO-Auftritt gehe es mehr um Bestandespflege als um das Anwerben potenzieller Neuwähler und/oder Mitglieder: Man hält einen Schwatz unter seinesgleichen und offeriert ein Bier. Hier steht neben Freiheit und Fortschritt vor allem der dritte Grundwert der FDP im Vordergrund: Gemeinsinn.

Da im politischen Kampfmodus

Bei der Konkurrenz sieht das anders aus. Von den Wänden des SP-Stands grüssen die Porträts sämtlicher Solothurner SP-Regierungsräte von Hans Affolter (1917 - 1931) bis zur amtierenden Susanne Schaffner, Kantonalpräsidentin Franziska Roth mit einer Zusammenfassung des sozialdemokratischen Credos und ein Cartoon von Ernst Mattiello zur Krankenkassenprämien-Misere. Zwischen einem bunten Sammelsurium von Gadgets mit dem Parteilogo liegen Unterschriftenbögen auf für die 99-Prozent-Initiative der Juso und die kantonale Initiative für das Ausländerstimmrecht auf Gemeindeebene: Hier wird agitiert.

Von der Gestaltung her minimalistischer, aber ganz klar im politischen Kampfmodus präsentiert sich auch der HESO-Auftritt der SVP: «Ja zur Selbstbestimmung der Schweiz», heisst es kurz und knapp, aber in grossen Lettern unter einem Tell-Porträt. Ebenfalls in Anlehnung an die Tell-Sage betritt man den Stand an einem Gesslerhut vorbei, der nun ein «EU-Hut» und selbstverständlich nicht zu grüssen ist.

Letztes Jahr setzte die SVP aus, heute sagt Kantonsrat Hugo Schumacher, die Messepräsenz sei eigentlich ein Muss. Abgesehen von der aktuellen Werbeplattform für die Selbstbestimmungsinitiative, über die im November abgestimmt wird, bietet sie eine ideale Gelegenheit, um an Mailadressen und Handynummern für kommende Kampagnen zu kommen: Über die Wettbewerbe, die alle Parteien (wie viele andere Aussteller auch) anbieten.

Er staune selber, wie bereitwillig die Messebesucher ihre Daten preisgeben, sagt Schumacher. Beim Besuch des Journalisten füllen gerade zwei Damen den Talon aus. Sie sprechen mit ausgeprägtem slawischen Akzent und kreuzen an, Interesse am SVP-Beitritt zu haben.