Attisholz
Die Grundsteinlegung einer Wiederbelebung beim Attisholz

Die SIA Sektion Solothurn lud zur musikalisch-akustischen Grundsteinlegung einer Wiederbelebung. Die ehemalige Zellulosefabrik soll neue Eindrücke und Emotionen der Öffentlichkeit beherbergen.

Beat Geier
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Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
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Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
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Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
Neue Töne in der alten Fabrik. Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
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Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz
Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz

Die SIA Sektion Solothurn bringt wieder Betriebsamkeit ins Attisholz

Solothurner Zeitung

Die Anlagen der Attisholz Industrie werfen lange Schatten auf das Gelände. Die Sektion Solothurn des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) feiert das 175-jährige Bestehen der SIA Schweiz auf dem Areal der stillgelegten Zellulosefabrik. Im Lichte der Abendsonne hat sich eine ansehnliche Gruppe Interessierter im Eingangsbereich des Areals zusammengefunden.

Dem Trommler auf den Fersen

Rhythmisch hallen Julian Sartorius' Drumsticks auf Stahlrohren, Blechverkleidungen, Eternitdächern und Stahlfässern. Was ihm unter die Schläger gerät, wird Instrument. Geräusche sind Lebenszeichen, die Lebenszeichen eines wiedererweckten Lebensraumes.

Langsam folgen die Besucher ihren Führern an Druckrohren und Warnschildern vorbei. Die ganze Anlage atmet noch den Hauch ihrer ursprünglichen Bestimmung, der sie seit ihrer Stilllegung 2008 enthoben ist. Im Hohlraum eines Silos von wohl 15 Metern Durchmesser beginnen die Grenzen zwischen Industriedenkmal und Andachtsraum zu verschwimmen: Der Vokalkünstler Andreas Scherrer füllt mit dem unglaublichen Spektrum seiner Stimme den spärlich erleuchteten Zylinder mit Klängen, die zwischen Walgesang und Mönchsgebet variieren.

«Fast surreal» ist die Anmutung einzelner Räume nach Bernhard Straubs Empfinden. Er ist Präsident der SIA Sektion Solothurn, und treibende Kraft hiter diesem Anlass. Inzwischen ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden. In der sekundären Beleuchtung des Abendhimmels erhebt sich das Profil der Gebäude und Installationen dunkel vom Horizont.

Ein neuer Klangraum wird erkundet, eine Halle von gigantischem Ausmass in welcher noch Kisten und Gerät herumstehen als hätte man vor Jahrzehnten fluchtartig alles liegen gelassen. «Grösste Vorsicht», «Achtung Hochspannung», «Lebensgefahr» warnt es von allen Seiten, während der mehrfach ausgezeichnete Schlagzeuger Sartorius den riesigen Raum beschallt. Durch blind gewordene Scheibenensembles scheint fahl das Abendlicht. Die Besucher wandeln in einem Industriedenkmal von kathedralischer Dimension.

Herkunft als Basis der Zukunft

«Wer sich vergegenwärtigt, welche Mühen auf sich nehmen musste, wer vor 175 Jahren aus fernen Landesteilen in die Westschweiz reiste, der gewinnt einen Eindruck der Bedeutung, die schon der Gründungsversammlung der SIA zufiel.» Bernhard Straub, verweist auf das früh erwachte Bewusstsein für einen Dialog zwischen Ingenieuren, Architekten und der Bevölkerung, deren Lebensraum es mitzugestalten galt. Der Austausch von Fachwissen und zeitgenössischer Bau- und Ingenieurskunst hatte mit der SIA Forum und Institution gefunden.

Als zweiten Grund für den Anlass auf dem Industrieareal nennt Straub die achte Auflage der «Woche der zeitgenössischen Architektur 15n», an welcher erstmals alle Sektionen der SIA Schweiz teilnähmen. Es gehe aber auch um standespolitische Argumente, um die Berufsbezeichnung des Architekten, die in der Schweiz noch immer nicht geschützt ist.

Mit Potenzial zum Aushängeschild

Lothar Kind, Geschäftsführer der Attisholz Infra AG, streicht den zukunftsorientierten Impuls der heutigen Veranstaltung hervor. «Die verbotene Stadt», wie sie einst von der lokalen Bevölkerung aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen genannt wurde, gelte es um die Gewinnung neuer Eindrücke zu bereichern.

Kind ortet in einer gelungenen Umnutzung der Attisholz Industrieanlage nichts weniger als das Potenzial zu einem Aushängeschild für die ganze Region Solothurn. Mit der Wahl der Künstler als Botschafter der neuen Belebung einer geschichtsträchtigen Stätte des Industriezeitalters ist der Solothurner SIA Sektion ein eindrücklicher Startschuss zur Entdeckung dieses faszinierenden Lebensraums geglückt.