In den Schweizer Wäldern herrscht vieler Orts Dichtestress: Zu viel Wild zerstört den Wald. Das ist ein Problem, denn die Hälfte aller Wälder sind Schutzwälder. Ohne sie sind Dörfer, Strassen und Zuglinien in Gefahr. Die Waldfläche hat in der Schweiz seit 1975 um rund 14 Prozent zugenommen. Trotzdem lebt zunehmend mehr Wild auf einem Quadratkilometer Wald. Im 1975 waren es 5,2 Rehe pro Quadratkilometer, 2016 waren es bereits 6,8 Rehe. Die Schweiz weist in Europa die vierthöchste Wilddichte auf. Seit Jahren hingegen bleibt die Abschussquote stabil, während das Wild zunimmt. Auf 110'000 Rehe schätzte man den Bestand 1975 in Schweizer Wäldern. 2016 waren es bereits 133'000.

Solothurn stabil

Anders sieht es im Kanton Solothurn aus. Der Bestand beträgt in der ganzen oben erwähnten Zeitspanne um 5000 Rehe. Geschossen wurden in den vergangenen Jahren um die 2000 Rehe. Weitere 600 Rehe kommen jährlich als Opfer von Verkehrsunfällen, Hunderissen oder Mähmaschinen als Fallwild dazu.

Mit dem neuen Jagdgesetz, das seit Anfang 2018 in Kraft ist, hat die Jagdverwaltung die Möglichkeit, bei zu hohen Beständen und den damit verbundenen grossen Schäden an forst- und landwirtschaftlichen Kulturen, auf die Abschusszahlen der Jagdgesellschaften Einfluss zu nehmen.

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer kennen das Reh jedoch hauptsächlich von der Speisekarte. Rehrücken, Rehschnitzel oder Rehpfeffer locken in der Wildsaison zum festlichen Mahl. Im Gegensatz zum Hirsch oder Wildschwein stammt das Rehfleisch immer von auf der Jagd erlegten Tieren. Denn das Reh ist als gebietstreuer Einzelgänger und in Gefangenschaft schwierig zu halten. Die wenigsten Restaurants bieten allerdings Reh aus einheimischer Jagd an. Die jährlich rund 2000 erlegten Solothurner Rehe – das sind rund 15 Tonnen Wildfleisch – können die Nachfrage bei weitem nicht decken. Die hiesigen Jagdgesellschaften haben deshalb keine Mühe, das wertvolle Rehfleisch zu vermarkten.

Treib- oder Drückjagd

Mit den Bewegungsjagden erfüllen Jäger den gesetzlichen Auftrag und produzieren dabei Wildfleisch, ein hochwertiges Nahrungsmittel aus nachhaltiger Nutzung. Bei den Bewegungsjagden ziehen zahlreiche Treiber und Hunde langsam durch den Wald. Durch die dabei entstehende Unruhe werden Rehe, Wildschweine auf die «Läufe» gebracht und in Richtung der Schützen «gedrückt», daher auch der Begriff Drückjagd gebräuchlich. Die Jägerinnen und Jäger stehen dann in der Pflicht, Alter, Geschlecht und Konstitution der Wildtiere zu erkennen und einen Schuss sicher zu platzieren. (szr)