Polizei Kanton Solothurn
Die Geschichte der Solothurner Polizei gibt es jetzt zwischen Buchdeckeln

Ein neues Sachbuch informiert über die 500-jährige Geschichte der Polizei im Kanton Solothurn. Geschrieben hat es Walter Wittmer - selbst ein ehemaliger Polizist. Am Freitag war die Buchvernissage.

Fränzi Rütti-Saner
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Regierungsrat Peter Gomm, Autor Walter Wittmer und Gregor Schneiter, Präsident des Historischen Vereins der Kantonspolizei Solothurn (v.l.) trafen sich an der Buchvernissage am Freitag.

Regierungsrat Peter Gomm, Autor Walter Wittmer und Gregor Schneiter, Präsident des Historischen Vereins der Kantonspolizei Solothurn (v.l.) trafen sich an der Buchvernissage am Freitag.

Hanspeter Bärtschi

Die ersten «Polizisten» auf dem Gebiet des Kantons Solothurn waren die sogenannten Scharwächter. Sie standen im Auftrage der Vögte ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Einsatz und mussten während des Tages und insbesondere in der Nacht über die Ortschaften wachen, die Stunden künden, Botengänge für Amtspersonen übernehmen oder Delinquenten dem Richter vorführen.

Das und vieles mehr aus der rund 500-jährigen Geschichte der Polizei Kanton Solothurn ist im soeben erschienenen Buch «Polizei Kanton Solothurn – eine bewegte Geschichte» von Walter Wittmer nachzulesen. Wittmer, selbst ab 1964 im Polizeidienst, hat sich zeit seines Lebens mit der Geschichte des Polizeiwesens befasst. Der 1943 geborene Bettlacher hatte schon im Jahr 2004, aus Anlass des 200-jährigen Bestehens der Solothurner Kantonspolizei, eine historische Arbeit darüber verfasst. «Ich habe mich auch während meiner Dienstzeit immer mit den älteren Kollegen über die Vergangenheit unterhalten und selbst viel gegrübelt», erzählt Wittmer, der seit 2006 pensioniert ist, über seine Motivation.

Ein gut lesbares Sachbuch

Die Idee, einen gesamthaften Überblick über das solothurnische Polizeiwesen zu erarbeiten, habe ihn schon länger umgetrieben und nun habe er das Vorhaben in den vergangenen drei Jahren konsequent umgesetzt. «Einen offiziellen Auftrag, diese Geschichte zu verfassen, hatte ich nicht», betont er. Es gelang Wittmer aber, den Historischen Verein der Polizei Kanton Solothurn, in welchem er auch als Archivar amtet, als Herausgeber des auf rund 400 Seiten angewachsenen Werks zu gewinnen. Wichtig sei ihm gewesen, im Buch der Entwicklung des Polizeiwesens nachzugehen und auf einige interessante Fälle hinzuweisen. «Es soll kein eigentliches Fachbuch sein, sondern ein gut lesbares, informatives Werk, welches auch den interessierten Laien anspricht.»

Das Buch ist chronologisch aufgebaut. In einem ersten Teil wird die Geschichte des Polizeiwesens ab Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Jahr 1804 geschildert. Der zweite, umfassendere Teil beginnt mit der Mediationszeit, in der ein erstes offizielles Polizeikorps eingerichtet wurde. So ist beispielsweise zu lesen: «Mit der Verordnung vom 4. Januar 1804 beschlossen der Schultheiss und der kleine und der grosse Rath des Kantons Solothurn die Errichtung eines Landjäger-Korps auf dem künftigen 1. März». Als Begründung wurde angegeben: «Da uns hinterbracht worden, dass sehr viel fremdes Strolch- und Bettelgesindel in hiesigem Kanton eindringe ...». Das erste Ländjäger-Korps bestand aus: «1 Wachtmeister, 2 Kaporalen, 2 Gefreyten und 25 Gemeinen». Diesem Polizeikorps stand Ratsherr und Platz-Mayor Ludwig von Roll vor. «Wer unter das Landjäger-Korps aufgenommen werden wollte, muss Lesen und Schreiben und womöglich französisch sprechen können», hiess es damals.Auf Ludwig von Roll folgten als Chefs des Landjäger-Korps bis zum heutigen Kommandanten Thomas Zuber dreizehn weitere Persönlichkeiten. «Jeder Polizeichef hatte seine bestimmte Ära», sagt Wittmer. Er habe im Buch versucht, die wichtigsten Ereignisse unter den jeweiligen Verantwortlichen hervorzuheben und dabei habe sich ganz klar gezeigt: «Die Geschichte der Polizei ist auch die Geschichte unserer gesellschaftlichen Entwicklung.»

In dreijähriger Schreibarbeit

In einem dritten Teil sind sämtliche technischen Ausrüstungsgegenstände der Polizei wie Bewaffnung, Fahrzeuge, Uniformen und vieles mehr von Beginn bis heute aufgelistet und abgebildet. «Eine Ahnentafel und ein Memoriam für Kollegen, die während des Dienstes ums Leben gekommen sind, waren für mich ebenfalls sehr wichtig», sagt Wittmer.

Während der dreijährigen Schreibarbeit gab es noch Neues zu entdecken, erzählt der Autor. «Zwei alte Waffen, die im Museum Altes Zeughaus zu finden waren, konnten wir einwandfrei als Polizei-Dienstwaffen des 19. Jahrhunderts ausmachen. Sie stammen von einem Solothurner Büchsenmacher und es existieren im Staatsarchiv Inspektionslisten, in denen die Nummern dieser Waffen aufgelistet sind.»

Das Buch: Wittmer, Walter: «Polizei Kanton Solothurn – eine bewegte Geschichte». Zu beziehen bei: Historischer Verein Kantonspolizei Solothurn, Werkhofstr. 33, 4503 Solothurn. Fr. 59.–.

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