Richtung Mittelwert
Die Gemeinden gleichen sich bei Steuerfüssen immer mehr an

Zehn Gemeinden haben den Steuerfuss im laufenden Jahr gesenkt, 15 Gemeinden erhöhen ihre Steuern. Was im Gesamten auffällt: Die Steuerfüsse der Gemeinden gehen in Richtung Mittelwert. Grund dafür könnte im neuen innerkantonalen Finanzausgleich liegen.

Elisabeth Seifert
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In 84 der Gemeinden bleibt der Steuerfuss gegenüber dem Vorjahr unverändert.

In 84 der Gemeinden bleibt der Steuerfuss gegenüber dem Vorjahr unverändert.

AZ

Der durchschnittliche Steuerbezug der Solothurner Gemeinden steigt seit Jahren leicht an. Der gemittelte Steuerfuss über alle 109 Gemeinden hinweg für natürliche Personen liegt bei 119,4 Prozent.

Immer etwa gleich präsentiert sich auch die Situation bei den Ausreissern nach oben und unten. Der höchste Steuerfuss beträgt 150 Prozent (Holderbank), der niedrigste 60 Prozent (Kammersrohr).

Folge des neuen Finanzausgleichs?

Ein zweiter Blick auf die Grafik legt aber eine Entwicklung offen, die sich bereits im letzten Jahr abzuzeichnen begann: «Lässt man die Extremwerte unberücksichtigt, tendieren die Steuerfüsse der Gemeinden in Richtung Mittelwert», sagte auf Anfrage Christian Brunner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für Finanzen.

Steuerfüsse der Solothurner Gemeinden; natürliche Personen 2007 - 2016

Steuerfüsse der Solothurner Gemeinden; natürliche Personen 2007 - 2016

statistik.so.ch

In der Grafik wird diese Tendenz mit der Verkleinerung der blauen Rechtecke rund um den Mittelwert angedeutet.

Einen Grund für diesen Trend vermutet Brunner im neuen innerkantonalen Finanzausgleich, der auf Anfang Jahr in Kraft getreten ist.

Der Effekt: Gemeinden, denen es gut geht, senken ihre Steuern kaum, wenn überhaupt. Und Gemeinden, die finanziell weniger auf Rosen gebettet sind, heben ihre Steuern nur um wenige Prozentpunkte an, oder senken sie sogar. Während die «Reichen» nämlich mehr in den Ausgleichstopf zahlen müssen, dürfen die «Ärmeren» mit einem höheren Zustupf rechnen.

In 84 – und damit der grossen Mehrheit – der Gemeinden bleibt der Steuerfuss gegenüber dem Vorjahr dabei unverändert. 15 Gemeinden haben für das Jahr 2016 eine Erhöhung beschlossen. Auffallend ist, dass darunter etliche ausgesprochen ressourcenstarke Gemeinden zu finden sind, was sich vor allem mit dem neuen Finanzausgleich erklären dürfte: Feldbrunnen-St. Niklaus hebt den Steuerfuss von 60 auf 63 Prozent an, Obergerlafingen von 100 auf 105 Prozent, Neuendorf von 105 auf 118 Prozent, Boningen von 105 auf 115 Prozent, Hägendorf von 102 auf 107 Prozent.

Zehn Gemeinden indes senken den Steuerfuss im Vergleich zu 2015 – darunter etliche ressourcenschwache Gemeinden: In Messen und Schnottwil sinkt der Steuerbezug von 135 auf 130 Prozent, in Aedermannsdorf von 133 auf 129, in Büren von 136 auf 130, in Kleinlützel von 140 auf 135 Prozent.

Am reichsten: Lebern und Olten

Im laufenden Jahr sind in zehn Gemeinden die Gemeindesteuern tiefer als die Staatssteuern, wo derzeit ein Steuerfuss von 104 Prozent gilt. Mit Bettlach (95 Prozent), Feldbrunnen-St.Niklaus (63 Prozent) und Kammersrohr (60 Prozent) gehören drei Gemeinden aus dem Bezirk Lebern dazu.

Weitere drei steuergünstigen Gemeinden stammen aus dem Bezirk Olten, Däniken (77), Eppenberg-Wöschnau (99) und Rickenbach (95).

In 14 Gemeinden im Kanton Solothurn ist der Steuerfuss höher als 130 Prozent. Elf dieser Gemeinden liegen in den Bezirken Thal und Thierstein.