Der Regierungsrat nimmt den Entscheid des Bundesamtes für Verkehr (BAV) mit grosser Freude und Erleichterung zur Kenntnis. Er wertet den Entscheid als wichtiges regionalpolitisches Signal zu Gunsten des regionalen Zusammenhalts über die Sprachgrenze hinweg, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Grossen Dank spricht die Regierung all jenen aus, die sich in den letzten Monaten in verschiedensten Funktionen für den Erhalt der Verkehrsverbindung eingesetzt haben.

Die Regierung werde in Zusammenarbeit mit den Kantonen Bern und Jura sowie «Kanton Solothurn Tourismus» und weiteren Akteuren dafür sorgen, «die Attraktivität der nun gesicherten Verbindung zu steigern, um die nicht unbedeutende Investition zum Erhalt des Tunnels zu rechtfertigen».

Weissensteintunnel ist gerettet

Weissensteintunnel ist gerettet

Die SBB saniert den Tunnel auf der Eisenbahnstrecke Solothurn-Moutier. Die Umbauarbeiten werden mehrere Millionen Franken kosten.

Das muss er auch, denn das Bundesamt für Verkehr hat das Ok zur Sanierung an die Bedingung geknüpft, dass mehr Passagiere durch den Tunnel fahren. 

Deshalb ist auch für den VCS klar, dass sich das Angebot deutlich verbessern muss. Die Standortkantone müssten für ein attraktives Angebot auf der Linie sorgen, die Seilbahn Weissenstein AG endlich ein Kombiticket für die Anreise per Bahn anbieten und die Thaler Bevölkerung die Solothurn-Moutier-Bahn nutzen, «anstatt die Klus bei Balsthal mit noch mehr Autoverkehr zu verstopfen», teilt der Verband mit. Wie die Sektion Solothurn präzisiert, müssten insbesondere die Fahrzeiten mit den Bussen im Thal besser abgestimmt und die Seilbahn Weissenstein in den Tarifverbund einbezogen werden. «Nur so kann die Bahn künftig sowohl dem Alltags- wie dem Freizeitverkehr optimal dienen», heisst es im Communiqué.

Die VCS-Sektionen Solothurn, beider Basel, Bern und Jura hatten sich gemeinsam für die Sanierung des Weissensteintunnels eingesetzt. Im Herbst 2014 hatte sie die Petition «Hände weg von der Solothurn-Moutier-Bahn!» gegen die drohende Stilllegung der Bahn bei der Bundeskanzlei eingereicht. Über 17'000 Unterschriften waren dafür zusammengekommen.

Der Nutzen der Bahnerschliessung von Randregionen lasse sich nicht alleine in Auslastungsziffern und Franken rechnen, heisst es. Nebenlinien würden künftig wegen der zunehmend überlasteten Hauptlinien eine bedeutende Rolle übernehmen, ist der Verband überzeugt. «Ohne diese Bahnstrecke wäre eine empfindliche Lücke in der Transportkette der Fahrgäste entstanden, die auch auf den nachgelagerten Bahnlinien gefehlt hätten», ist der Verband überzeugt. Zudem werde die Solothurn-Moutier-Bahn eine Zubringerfunktion zum TGV in Belfort übernehmen. 

Abklärungen für Kombiticket laufen

Die Seilbahnbetreiber wollen für ein Kombiticket «sicher Hand bieten», sagt Rolf Studer, Vizepräsident der Seilbahn Weissenstein AG. Man sei in entsprechenden Abklärungen mit den Bahnen. «Es wird sich dann zeigen, wie ein solches Kombiticket ausgestaltet sein könnte.» Über den Sanierungsentscheid sei die Seilbahn sehr erfreut. «Wir können aufschnaufen. Mit dem Entscheid ist der Betrieb der Bahn – auch als Zubringer für die Seilbahn – für mindestens 25 Jahre gesichert.»

Willy Niederberger, Pächter im «Sennhaus Weissenstein» kann dem Entscheid nur Positives abgewinnen. Einerseits kommen Gäste aus dem Baselbiet durch den Tunnel zur Gondelbahn. Andererseits würden Solothurner und Aargauer die Bahn gerne benutzen, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren – nachdem sie im Sommer auf der schattigeren Nordseite runtergewandert oder im Winter runtergeschlittelt sind. Auf das Ja zur Sanierung habe er schon gehofft, sagt Niederberger, blickt zur Gondelbahn und lacht: «Aber ich hätte nicht gedacht, dass der Entscheid so rasch kommt.»

Auch Rosmarie Heiniger – die Gemeindepräsidentin von Gänsbrunnen reiste im Zug an die Medienkonferenz in Oberdorf – ist hocherfreut. Die Bahnverbindung nach Solothurn sei für die Bevölkerung im Thal mitbestimmend, wohin sie arbeiten gehe. «30 Prozent der Pendler benutzen die Bahn zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen in der Stadt.» Der Weg über Balsthal wäre sehr viel länger und der tägliche Stau in der Klus ein zusätzliches Handicap.

Reaktionen auf den Sanierungsentscheid

Reaktionen auf den Sanierungsentscheid

Rosmarie Heiniger, Roland Fürst und Walter Strahlmann über ihre Freude anlässlich der bevorstehenden Sanierung.

Für die Wahl des Wohnstandortes sei der Tunnel matchentscheidend, ergänzt Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Herbetswil. Auch wenn sich die Investitionen in den Tunnel finanziell wohl nicht rechneten, lohnten sie sich verkehrspolitisch auf alle Fälle. Man werde nun weiterhin dafür kämpfen, die Bahnlinie zu attraktivieren. «Die Bahnverbindung wird von der Bevölkerung sehr geschätzt und deren Engagement für den Erhalt des Tunnels war nicht bloss ein Lippenbekenntnis bis zum positiven Entscheid», ist Müller-Altermatt überzeugt.

Die kantonale CVP zeigt sich ebenfalls hoch erfreut über den Entscheid des Bundesamtes für Verkehr zur Sanierung des Tunnels. «Damit werden die Anliegen der Regionen höher gewichtet als wirtschaftliche Überlegungen», schreibt die CVP in einer Mitteilung.

Der Tunnel und damit die Verbindung zwischen dem Thal und Solothurn-Lebern bleibe somit noch viele Jahre in Betrieb. «Dies ist ein für den Zusammenhalt unseres Kantons sehr wichtiger Entscheid.» Auch die Zuglinie Solothurn-Moutier werde gesichert.

Diese stellt für die SP Kanton Solothurn «ein wesentliches Element für die Attraktivität des Kantons Solothurn und insbesondere der Region Thal dar». Der Kampf habe sich gelohnt. «Dass die Stilllegung der Zugverbindung verhindert werden konnte, ist ein Riesenerfolg.» Nun gelte es, die Sanierung des Tunnels sowie die nötige Anpassung und Modernisierung der Streckenabschnitte sowie der Bahnhöfe zwischen Solothurn und Moutier zügig anzupacken, heisst es in einer Mitteilung. (lfl/fs/ldu)