Was sich bereits in den Monaten Oktober und November abzeichnete, hat sich nun definitiv bestätigt. Ein Jahr nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses trifft nun der starke Franken die Solothurner Wirtschaft mit voller Kraft.

Im letzten Quartal 2015 sind die Ausfuhren aus dem Kanton Solothurn gemäss Angaben der Eidgenössischen Zollverwaltung gegenüber dem Vorjahresquartal wertmässig um 21 Prozent gesunken. Landesweit betrug das Minus dagegen nur 0,7 Prozent.

«Beunruhigende Flaute»

«Wir nehmen die schwache Exportentwicklung besorgt zur Kenntnis», erklärt auf Anfrage Christian Hunziker, Ökonom und stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer. Beunruhigend sei insbesondere die Flaute in der Maschinen- und Präzisionsindustrie, den beiden mit Abstand wichtigsten Exportbranchen.

Die Ausfuhren der Warengruppe Maschinen, Apparate, Elektronik reduzierten sich um 16 Prozent, jene der Präzisionsindustrie, Uhren, Bijouterie gar um 38 Prozent. Und keine einzige der übrigen Branchen konnte in den letzten drei Monaten 2015 die Lieferungen ins Ausland steigern.

Auch die geografische Aufschlüsselung nach Absatzmärkten zeigt ein düsteres Bild. Das Europa-Geschäft lag im letzten Quartal 2015 um 17 Prozent tiefer, die Verkäufe nach Asien gar um 36 Prozent unter dem Vorjahreswert. Selbst Nordamerika – in den neun Monaten zuvor noch eine wichtige Stütze für die Solothurner Exportwirtschaft – nahm weniger Güter und Dienstleistungen aus dem Kanton Solothurn ab. Der Rückgang beträgt für diesen Markt 10 Prozent. Was Asien betreffe, mache sich die konjunkturelle Abkühlung in China deutlich bemerkbar, sagt Hunziker.

Auffallend ist, dass die Entwicklung im vierten Quartal mengenmässig ganz anders aussieht. Am Volumen gemessen sind die Ausfuhren nämlich um 11 Prozent gestiegen. Das bedeutet, die Exporteure haben ihre Waren zu einem günstigeren Preis verkauft und damit eine kleinere Marge in Kauf genommen.

Diese Entwicklung bestätigt die Aussage der Unternehmerschaft: Die produzierende Industrie hat kein Nachfrage-, sondern ein Margenproblem. Etwas besser präsentiert sich die Lage auch im Jahresvergleich. Demnach sind 2015 die Ausfuhren um «nur» 7,3 Prozent auf 5 Milliarden Franken gesunken. Die Nachbarkantone Aargau und Bern mussten einen Rückgang von je rund 10 Prozent verkraften, landesweit sanken die Exporte um 2,6 Prozent.

Unsichere Zukunft

Verlässliche Aussagen zu machen für das laufende Jahr sei aufgrund der Wechselkurssituation schwierig, meint Hunziker. Immerhin hat sich der Franken abgeschwächt und hat aktuell mit fast 1.11 Franken zum Euro den tiefsten Stand seit Aufhebung der Mindestgrenze erreicht. Die Ausfuhren würden sich zwar vorerst weiter rückläufig entwickeln, aber nicht mehr wie im letzten Quartal 2015.

«Gesamtwirtschaftlich betrachtet, erwarten wir für den Kanton Solothurn in der zweiten Jahreshälfte wieder eine Besserung.» Insgesamt, so Hunziker, bleibe das Wirtschaftswachstum aber bescheiden. Die Arbeitslosigkeit werde in den kommenden Monaten steigen, bis zur Jahresmitte eine Stabilisierung auf höherem Niveau erwartet werde. Ende Dezember lag die Arbeitslosenquote mit 3,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit August 2010.