Asyl
Die Flüchtlinge im Bischofssitz «gehören nun dazu»

Seit einem Jahr leben Asylsuchende – eine syrische Familie mit einem Kind und vier eritreische Frauen mit fünf Kindern – am Solothurner Bischofssitz. Sie haben sich gut eingelebt.

Morena Adimari
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Im Nebentrakt von Schloss Steinbrugg hat der Bischof von Basel, Felix Gmür, Wohnraum für eritreische und syrische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Archivbild AZ

Im Nebentrakt von Schloss Steinbrugg hat der Bischof von Basel, Felix Gmür, Wohnraum für eritreische und syrische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Archivbild AZ

Chris Iseli/ AZ

Seit nun über einem Jahr hausen im Bischofssitz in Solothurn zwölf Asylsuchende. Letztes Jahr öffnete der Bischof von Basel, Felix Gmür, die Türen seines Solothurner Schlosses Steinbrugg für Menschen auf der Flucht. Alle involvierten Personen sind sich einig: «Es ist ein erfreuliches Projekt.»

Es leben noch dieselben zwölf Personen im Haus, die 2015 eingezogen sind: eine syrische Familie mit einem Kind und vier eritreische Frauen mit fünf Kindern. Die lange Aufenthaltsdauer sei nichts Ungewöhnliches: «Die Entscheide können nicht sehr schnell gefällt werden», erklärt Domenika Senti, Leiterin der städtischen Sozialdienste. Dies stört jedoch am Bischofssitz niemanden: «Die Flüchtlinge gehören nun dazu. Wir kennen uns mittlerweile. Zudem ist es schön, spielende Kinder im Garten zu beobachten», berichtet Hansruedi Huber, Mediensprecher des Bischofs.

Eindeutige Aufgabenteilung

Die Stimmung im Haus sei freundschaftlich. Viel werde mit den Asylsuchenden aber nicht unternommen, so Huber. Das Bistum sei nicht für die Betreuung zuständig, das sei Aufgabe der städtischen Sozialbehörden. Die kirchliche Institution habe weder die Kapazität noch die Kompetenz, Flüchtlinge angemessen zu betreuen, erklärt Huber. «Von Anfang an wurden die Aufgaben aufgeteilt, das Bistum stellt lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung», berichtet Sozialdienstchefin Senti.

Im Bischofssitz leiste vor allem die örtliche Freiwilligengruppe eine ausgezeichnete Arbeit, so Senti. Auch Huber zeigt sich von der guten Betreuung und Unterstützung begeistert. Am Bischofssitz besteht die Freiwilligengruppe aus drei Frauen, die den Asylsuchenden tatkräftig zur Seite stehen. Hinzu kommen noch zwei Lehrerinnen, die für schulische Angelegenheiten Eltern und Kinder unterstützen.

Leben, lernen und spielen

In der Schloss-Gemeinschaft, wo neben den Asylsuchenden auch Büroräume des Bistums untergebracht sind, haben die verschiedenen Personen gut zueinandergefunden: «Die Religion ist hier nicht ausschlaggebend», sagt Huber. So war der syrische Vater früher in seinem Heimatland Coiffeur, nun «schneidet er den Personen hier die Haare», erklärt der Mediensprecher.

Genau solche integrative Aspekte stellen auch für die zuständigen Sozialbehörden die wichtigste Aufgabe dar. Erfreulicherweise erfolge die Integration der Kinder schnell, beobachtet Huber: Teilweise haben die am Bischofssitz wohnenden Kinder Besuch von anderen Kindergarten- und/oder Schulkindern, gemeinsam werde dann im Garten gespielt.

Wie in jeder anderen Asylunterkunft besuchen auch hier die Erwachsenen fleissig Deutschkurse, während die Kinder in öffentlichen Schulen unterrichtet werden. Auch die Platzverhältnisse sehen ähnlich aus wie in anderen Unterkünften: kein grosser Luxus. Die syrische Familie hat eine kleine Studiowohnung, die Frauen mit den Kindern jeweils ein Schlafzimmer mit dem Kind zusammen und gemeinsame Aufenthalts- und Kochräume – wie in einer Wohngemeinschaft. Auch gab es kein spezielles Auswahlverfahren bei der Zuteilung der Asylsuchenden an den Bischofssitz: Die asylsuchenden Menschen werden vom Kanton auf die Gemeinden aufgeteilt, welche dann die Asylsuchenden in die freien Unterkünfte verteilen.

Positive Vorbildfunktion

Das Bistum hat vor einem Jahr mit seiner Aktion ein klares Zeichen gesetzt und in der angespannten Flüchtlingssituation gehandelt: Das Bistum habe dabei, so Huber, gezielt viel Öffentlichkeits- und Medienarbeit geleistet, sodass eine positive Vorbildfunktion eingenommen werden konnte. Die Öffnung der kirchlichen Räume stiess auf breites Interesse und einige katholische Institutionen sind dem Vorbild gefolgt, wie Huber berichtet. «Viele geben dies nicht öffentlich zu, weil Kirchen bescheiden sind.»

In Solothurn etwa hat die Kirchgemeinde inzwischen Räume im Pfarrhaus St. Marien dem Sozialamt zur Vermietung bereitgestellt. «Im Allgemeinen ist in der Stadt eine positive Entwicklung ersichtlich; es mangelt nicht an Schlafplätzen und wir haben viele freiwillige Helfer», so Senti. Aus Sicht der Leiterin der städtischen Sozialdienste ist das Projekt am Bischofssitz gelungen. «Die Asylsuchenden fühlen sich wohl, die Freiwilligengruppen leisten eine ausgezeichnete Arbeit und die Sozialarbeiter sind zufrieden.»

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