Am Solothurner Jura-Südfuss ist die Hochpräzisionsindustrie zu Hause, insbesondere die Medizinaltechnikbranche. Nach Angaben der kantonalen Wirtschaftsförderung sind zwölf Prozent aller Schweizer Medtech-Jobs im Kanton angesiedelt; die über 90 Unternehmen an rund 35 Standorten erwirtschaften einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Franken.

Dazu gehört die Firma Stryker in Selzach. Die Wurzeln des zum gleichnamigen US-Konzern gehörenden Produktionswerks reichen 55 Jahre zurück. 1963 wurde in Altreu die Voka AG – später umbenannt in Osteo AG – gegründet. 1996, zwölf Jahre nach dem Umzug an den heutigen Standort in Selzach, übernahm der US-Konzern Stryker das Unternehmen. Seither hat sich das Stryker-Werk in Selzach eindrücklich entwickelt.

«Bei der Übernahme waren 70 Mitarbeitende beschäftigt. Heute sind es über 600 Angestellte», erklärt Werksleiter Mario Della Casa. Drei Viertel davon seien in der Produktion und in der Logistik tätig, rund 100 Ingenieure in der Forschung und Entwicklung tüfteln an neuen Produkten. «Die Nähe von Entwicklung und Produktion ist mitentscheidend, um den vergleichsweise teuren Standort Schweiz halten zu können», ist er überzeugt.

Kapazitätsmässig ausgelastet

Das Wachstum braucht Platz. So ist das 2009 eröffnete neue zweite Werk in Selzach inzwischen kapazitätsmässig bereits wieder ausgelastet. «Deshalb haben wir von privat ein benachbartes Grundstück von 7200 Quadratmeter Fläche gekauft», erklärt der 42-jährige Manager und Ingenieur auf dem Rundgang.

Allerdings gebe es derzeit keine konkreten Pläne oder Projekte zum Ausbau. «Aber der Landerwerb ist ein starkes Bekenntnis zum Standort Selzach», hält Della Casa fest, der seit Sommer 2015 als Werksleiter für Stryker tätig ist. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit weltweit über 33 000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 12,4 Milliarden US-Dollar.

50 Stellen sind ausgeschrieben

In Reih und Glied stehen sie da – zahllose, modernste CNC-Fertigungszentren und Greifroboter laufen in den Werkhallen rund um die Uhr, die Räume wirken fast klinisch sauber, der Lärmpegel hält sich in Grenzen. Die Anlagen bearbeiten (drehen und fräsen) in höchster Präzision Rohlinge aus hochlegiertem Stahl und Titan. Daraus entstehen Platten, Schrauben und externe Fixateure zur Behandlung von Knochenbrüchen.

Stryker hat sich auf den Bereich Osteosynthese konzentriert, die Werkzeuge für den Orthopäden werden zugekauft. Osteo heisst auf griechisch «Knochen» und Synthese steht für Zusammenführen. Stryker beliefert die Endkunden, sprich primär Spitäler, nicht direkt, sondern liefert weltweit an Zwischenlager des Konzerns in den Niederlanden und in den USA.

Beleg für die starke Geschäftsentwicklung ist auch die Personalrekrutierung. Derzeit sind über 50 Stellen für den Standort Selzach ausgeschrieben. So sei denn die Suche nach Fachkräften schon eine Herausforderung, berichtet Stryker-Personalchef Thomas Höötmann. Nicht überraschend setzt sich die Belegschaft aus 33 Nationalitäten zusammen. Ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland könnten nie alle Stellen besetzt werden. Er spricht von einem Kampf um Fachkräfte.

Umso wichtiger sei es, gute Arbeitsbedingungen zu bieten, beispielsweise eine hohe Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeit. «Das ist bei uns ein Kernthema, um nach innen und aussen attraktiv zu sein.» Ferner werde der Berufsausbildung ein hohes Gewicht beigemessen. «Unser Ziel ist es, die Lernenden nach Lehrabschluss im Betrieb halten zu können.» Derzeit bildet das Unternehmen 25 Lernende aus. Zum Konzept gehörten auch die stetige Weiterbildung der Belegschaft und das Instrument der Nachholbildung.

«Verlagerung ist kein Thema»

Die Produktion von Implantaten und Schrauben ist aber kein Selbstläufer. «Wir stehen nicht nur gegenüber unseren global tätigen Konkurrenten im Wettbewerb, sondern müssen uns auch intern mit anderen Stryker-Werken messen lassen», hält Della Casa fest. Deshalb ist er erleichtert, dass sich der Frankenkurs in den letzten Monaten – auch unter Berücksichtigung der jüngsten Turbulenzen an der Währungsfront – deutlich abgeschwächt hat. «Das hilft dem Standort Selzach.»

Mit der stetigen Erhöhung der Automation könne man in der Produktion noch effizienter arbeiten. Della Casa spricht von Robotereinsatz, papierloser Fertigung und digitalisierten Fertigungsprozessen. Man investiere jährlich Millionen in eine schlanke Produktion. Das führe aber nicht zu einem Personalabbau, denn das Geschäftsvolumen wachse, wie erwähnt, stetig. «Eine Verlagerung der Fertigung in vermeintlich günstigere Standorte ist kein Thema. Wir können uns gegenüber unseren Schwesterwerken dank hoher Qualität und einer motivierten Belegschaft behaupten.