Auch an der ersten Delegiertenversammlung der freisinnigen Kantonalpartei nach dem Wahlsonntag wurde es noch einmal deutlich: In der FDP hatte niemand damit gerechnet, dass es zum Desaster kommen könnte. Der Zeitrahmen war nicht auf eine längere Aufarbeitung der Regierungsratswahlen ausgelegt. Präsident Christian Scheuermeyer entschuldigte sich im voraus, dass es später werden könnte und zeigte sich «froh, dass trotzdem so viele den Abend reserviert gehalten haben».

Nun, zu einer massiven Überschreitung der Marschtabelle kam es nicht, nach den Analysen von Präsident Scheuermeyer und Kandidatin Marianne Meister meldete sich gerade ein einziger Delegierter zu Wort: «Lokalmatador» Werner Bussmann, ehemaliger Kantonsrat aus Starrkirch-Wil. Die Freisinnigen seien «nicht mehr in der Lage, die personellen Probleme alleine zu lösen», sie müssten die Berührungsängste gegenüber der SVP ablegen, so sein Fazit.

So hatte Parteipräsident Scheuermeyer das zuvor nicht sagen wollen. Er sprach von einer «Scharnierfunktion», die man übernehmen müsse, um SVP und CVP mit den Freisinnigen an einen Tisch zu bringen. Seine Analyse des Wahlkampfs fiel durchaus selbstkritisch aus. Die FDP habe es (im Gegensatz zum links-grünen Lager) nicht geschafft, im Wahlkampf geschlossen aufzutreten. «Wie sollen andere unsere Kandidaten wählen, wenn wir selber nicht geschlossen hinter ihnen stehen», fragte er in die Runde. Das sei ein «unglaubliches Verhalten», so der FDP-Präsident.

Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat für ihn zum nicht für möglich gehaltenen Sitzverlust geführt: Die Konkurrenz sei stark gewesen, Brigit Wyss habe trotz klar linkem Profil Potenzial bis weit in bürgerliche Kreise gehabt. Im Gegensatz zu den Bürgerlichen habe man im linken Lager sehr gut mobilisiert und vor allem auch konsequent und nur die links-grünen Kandidatinnen gewählt. Und ein bisschen Medienschelte durfte natürlich auch nicht fehlen: Die «vierte Macht im Staat» habe sich nicht neutral verhalten, meinte Scheuermeyer an die Adresse dieser Zeitung.

Welche Konsequenzen aus dem vermasselten Wahlkampf für künftige Wahlen zu ziehen sind, wollte der FDP-Präsident nicht vorwegnehmen. Das werde man noch «schonungslos» diskutieren müssen. Auf jeden Fall, so Scheuermeyer, «liegt es definitiv nicht mehr drin, Stimmen an linke Kandidaten zu verschenken».

Marianne Meister gab sich Mühe, als Verliererin erhobenen Hauptes vor die FDP-Basis zu treten, aber dass die Verbitterung tief sitzt, war dennoch nicht zu überhören: «Ich verzeihe allen, die mich respektlos behandelt haben. Und den bürgerlichen Wählern, die mich im Stich gelassen haben.» Sie verglich die Regierungswahlen mit dem Entscheidungsspiel, in dem ihr Sohn am Wahlwochenende den Unihockey-Meistertitel mit Wiler-Ersigen holte: Sie sei als Stürmerin eingesetzt worden und habe alles gegeben. Aber das habe nicht gereicht, weil Majorzwahlen ein Teamsport seien. Und ihr Spiel habe vor einer leeren Fankurve stattgefunden.