Inva-Mobil

Die Fahrt zum Arzt wird für viele Betagte künftig teurer

Der Fahrdienst Inva-Mobil richtet sich an Menschen, die den öffentlichen Verkehr nicht mehr nützen können.

Der Fahrdienst Inva-Mobil richtet sich an Menschen, die den öffentlichen Verkehr nicht mehr nützen können.

Grenchen, Olten und weitere Gemeinden stoppen ihre Fahrdienst-Beiträge. «Viele werden sich die Fahrt mit Inva Mobil nicht mehr leisten können», so Brigitta Galli, Geschäftsführerin von Inva-Mobil.

Nun treffen die Sparmassnahmen in den Gemeinden zahlreiche betagte Männer und Frauen. Der Grund: Diverse Gemeinden werden im nächsten Jahr den Fahrdienst Inva-Mobil nicht mehr unterstützen. Der Verein stellt 15 rollstuhlgängige Fahrzeuge bereit, um Betagte und Personen mit einer IV-Rente zu chauffieren, die den öffentlichen Verkehr nicht mehr oder nur erschwert nutzen können. Bisher wurde das Angebot von der öffentlichen Hand mit 1.50 Franken pro Kantonseinwohner unterstützt – total 383 000 Franken im Jahr. Davon zahlt der Kanton 40 Prozent (154 000 Franken). Der grössere Teil, also jährlich 229 000 Franken, wurde vom Verband der Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG) eingezogen. Doch der VSEG hat seine Leistungsvereinbarung jetzt per Ende 2014 gekündigt.

Behinderte profitieren weiterhin

Für Birgitta Galli, die Geschätsführerin von Inva-Mobil, ist dies alles andere als eine erfreuliche Nachricht. «Betagte Menschen, die den Fahrdienst für ihre Einkäufe oder auch für eine Konsultation beim Arzt benützen, müssen damit bedeutend tiefer in die Tasche greifen», sagte sie gegenüber dieser Zeitung. Konkret verteuert sich für diese zum Beispiel eine Fahrt über sechs Kilometer von 20.80 Franken auf 32.80 Franken. Menschen mit einer Behinderung hingegen können weiterhin von den günstigeren Tarifen profitieren. Während nämlich der Kanton die Fahrten für Personen mit einer IV-Rente subventioniert, ist es Sache der Gemeinden die Fahrten für Betagte zu unterstützen. «Wir führen derzeit Verhandlungen mit dem Kanton, um eine Leistungsvereinbarung für die nächsten vier Jahre abzuschliessen», so Brigitta Galli. Rund ein Drittel der Dienstleistungen von Inva-Mobil werden von Menschen mit einer Behinderung genutzt – zwei Drittel indes von Betagten.

Nachbarschaftshilfe in Buchegg

«Aufgrund des Spardrucks hinterfragen wir derzeit alle Leistungsvereinbarungen», hält VSEG-Präsident Kuno Tschumi fest. Gerade bei Fahrdienstleistungen für Menschen ohne IV-Rente gebe es derzeit eine ganze Reihe verschiedener Angebote – etwa die Transportdienstleistungen der Pro Senectute oder auch des Roten Kreuzes. Tschumi: «Es ist Sache jeder Gemeinde, für sich die richtige Lösung zu finden.»

Der Verein Inva-Mobil hat denn auch nach der Kündigung der Leistungsvereinbarung durch den VSEG die Gemeinden gebeten, ihren Beitrag direkt zu zahlen. Derzeit wird die Anfrage kantonsweit in den Gemeinderäten behandelt. Olten, Grenchen, Deitingen, Bellach und Buchegg haben bereits abgelehnt. Im Bucheggberg baue man auf die Nachbarschaftshilfe, so die Buchegger Gemeindepräsidentin Verena Meyer. Zudem müsse die Gemeinde sparen. Umstritten ist der Beitrag auch in anderen Gemeinderäten. Trotzdem hat die Mehrheit der Gemeinden den Beitrag aus Solidaritätsgründen gesprochen.

Klar ist: Wer in einer Gemeinde wohnt, die keine Beiträge mehr zahlt, muss künftig die gesamten Kosten bezahlen. Für Geschäftsleiterin Brigitta Galli steht fest, dass sich viele den Dienst nicht mehr werden leisten können. Gerade in Städten, wo Pensionierte weniger auf Nachbarschaftshilfe zählen können als auf dem Land, werde der Dienst wohl einbrechen.

Positiv aufgenommen hat Galli den Entscheid des Gemeinderats aus Büsserach. Wenn eine Person aus Büsserach eine Freizeitfahrt bucht, übernimmt die Gemeinde 50 Prozent der Kosten. «Oft wird in den Gemeinden vergessen, dass sie mit ihrem Beitrag nicht die Inva Mobil, sondern ihre Einwohner unterstützen.». Ob die Tarife aber indirekt oder direkt via Gemeinde vergünstigt werden, spiele grundsätzlich keine Rolle.

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